Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 557 (sequence 3)
- Language
- German
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557 Ueber die Entstehung des Lyddenser Beschlusses ist das letzte Wort noch nicht gesprochen worden. Biblische Artikel haben beigesteuert: J. Bloch über S6po<; und die Peschitta (66—73), in welchem bewiesen wird, daß die beiden nicht identisch sind; M. L. Margolis, der ein Spezimen einer neuen Ausgabe des griechischen Josua veröffentlicht (307—323), woraus man sieht, wie unsicher der LXX- Text ist; J. Obermann, in welchem der Text über Siseras Tod, besonders Richter V, 26 erklärt wird. Zur hebräischen Sprachwissenschaft gehören die Aufsätze von G. A. Kohut (Royal Hebraists 221—243) und von D. Yellin, in welch letzterem von 22 hebräischen Wurzeln nachgewiesen wird, daß sie vergessene Bedeutungen haben (441—458). Inzwischen hat Yellin unter dem Titel חקרי מקרא eine eigene Schrift veröffentlicht, in welcher im großen und ganzen dasselbe Thema behandelt wird. Ein Kritiker im laufenden Jahrgange der hebräischen Wochenschrift Haolam will aber nur etwa zehn als Yellin gehörig und neu gelten lassen. Hierher kann auch der Aufsatz F. Perles5 gerechnet werden, der 12 gelungene textkritische Bemerkungen zu Midraschstellen enthält (381—383). Historische Artikel: J. Elbogen, Einige neue Theorien über den Ur- Sprung der Pharisäer (135—148), bespricht kritisch die Anschauungen von E. Meyer, H. Travers Herford und Dubnow. Während ich dies schreibe, geht mir Aptowitzers neues Werk zur Parteipolitik der Hasmonäerzeit im rabbinischen und pseudepigraphischen Schrifttum, Wien 1927, Kohut-Fondation Band V, zu, wo eine ganz neue Theorie aufgestellt wird. G. F. Moore (348—364) kommt in seiner Abhandlung über Simon dem Gerechten zu dem Ergebnis, daß S. d. G. um 200 gelebt hat und daß ein älterer dieses Namens nicht existiert haben dürfte (349). H. Yogelstein (416—425) druckt einen Vortrag ab, den er im Institute of Religion gehalten hat. H. Großmann (170—191) schildert das Leben der Juden im alten Rom hauptsächlich auf Grund der Bilder, welche in den jüdischen Katakomben gefunden wurden. L. J. Newman (365—372) weist nach, daß Josef ben Isalc Kimchi nur ein polemisches Werk verfaßt hat, das Sefer Haberith. G. Roth veröffentlicht italienische Briefe Leo Modenas an christliche Hebraisten (384—401) aus der Handschrift, deren hebräische Stücke ich in meinem Leo Modenas Briefe und Schriftstücke abgedruckt habe. Der verewigte J. Last, der für mich die Handschrift kopiert hat, konnte die italienischen Stücke nicht lesen, ich konnte sie deshalb nicht benützen. Roth spricht auch von Jean Plantavit (388 f.), mein Artikel ,,Plantavits Lehrer im Rabbinischen“ (Zeitschrift für Hebräische Bibliographie X, 1906, 113—120) scheint ihm entgangen zu sein. Ueber die Genizahfragmente, welche R. Gottheil (149—169) veröffentlicht, gedenke ich an anderer Stelle zu handeln. Viele Lese- und Uebersetzungsfehler. Der Band enthält noch folgende Aufsätze: A. W. Binder, V’shomru — a Century of Musical Interpretation (53—65); R. Levy, A Collection of Yemenite Piyyutim (266—282); D. G. Lyon, Text Variations in some Duplicate Inscriptions of Adad Nirari, King of Assyria, ca. 1325 B. C. (296—306); S. B. Maximon, In the Footsteps of the Rabbis (324—341, Bemerkungen zu Herfords Pirke Aboth); Claude . G. Montefiore, Religion and Learning (342—347); Ch. Tschernowitz, The inheritance of illegitimateChildren according to Jewish Law (402—415). Es wird auch das Erbrecht der Apostaten behandelt (410 ff.), welche Frage zur Zeit der Gaonen in mohammedanischen Ländern aktuell geworden ist. T. meint: ,,wir können nicht voraussetzen, der Apostate sei für niedriger gehalten worden als der Mamzer“ (411). Warum nicht, der Mamzer lebte nach dem jüdischen Gesetz, während der Apostate gebrochen hat mit dem Gotte Israels und seiner Lehre. R. Simlais Gastwirt war ein Mamzer, den er so schätzte, daß er ihm einen guten Rat gegeben hätte, damit seine Söhne keine Mamzerim sein sollen (Kidduschin 69a). Die Sympathie für die Mamzerim zeigt sich schon in dem bekannten Satze R. Tarfons ״Mamzerim können rein gemacht werden“ (ebenda), welchen Satz R. Simlai eben anzuwenden dachte. S. 413, Zeile 12 v. u. muß es heißen: ״Selbst der Sohn eines Mamzer, der Apostate geworden ist“ (so in Chinnuch 400 ed. Venedig 1523). Für eine längere Diskussion ist hier kein Platz, ich bemerke daher nur kurz, daß der Ausdruck von ״Bruder woher immer“ אח מכל מקום in Mischna Jebamoth 22 a beim Levir sich aus Mischna Kidduschin 66b erklärt, wo die verbotenen Ehen in drei Gruppen aufgeführt werden. Die letzte Gruppe bildet ,,das Kind einer Sklavin und Nichtjüdin“.