Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 543 (sequence 4)
- Language
- German
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543 inan mehrfach solche nachweisliche Irrttimer als Symptome für methodische Fehler ansieht und insbesondere dem argumentum ex silent,io, auf dem zahlreiche Aufstellungen der ,,kritischen Schule“ beruhen, starkes Mißtrauen entgegenbringt. Um so weniger erfreulich ist der durchaus dogmatische Ton, mit dem der I. Band die Anschauung der Wellhausenschen Schule als die einzig mögliche hinstellt; es wäre sehr zu begrüßen, wenn man die etwas vorsichtigere Ausdrucksweise II 1106 oder in dem Doppelbeitrag II 169 f. (Diwre hajamim) als Ansätze zu besserer Einsicht betrachten dürfte. Das ,,Jüdische Lexikon“ (bedauerlicherweise ist auf manchen Bildbeilagen die früher geplante Bezeichnung ,,Enzyklopädie“ stehen geblieben) erscheint im Jüdischen Verlag; die Vorarbeiten besorgten Georg Herlitz und Bruno Kirschner; letzterer ist seit Abschluß des I. Bandes aus der Leitung ausgeschieden. Den leitenden Ausschuß bilden I. Elbogen (nachbiblische Literatur, Gottesdienst), J. Meisl (nachbiblische Geschichte), M. Soloweitschik (Bibelwissenschaft), F. A. Theilhaber (Statistik), Robert Weitsch (Gegen.־ wartsfragen), Max Wiener (Religionswissenschaft), A. Sandler (abschließende Durchsicht). Mitarbeiter sind über 250 Gelehrte, sämtlich Juden; auch wenn in Betracht gezogen wird, daß manche von ihnen nur ganz gelegentlich herangezogen sind, ist das eine sehr stattliche Zahl, die das erfreulich schnelle Erscheinen ermöglicht hat. Das Buch ist gekennzeichnet durch das Bestreben, den ganzen Stoff in vier Bänden zusammenzufassen und dadurch natürlich die Anschaffung erheblich zu erleichtern; ferner durch Rücksicht auf die Anliegen des ,,Laien“ auf unserem Forschungsgebiete; endlich dadurch, daß es wirtschaftlich selbständig, ohne alle Beihilfen, zustande gekommen ist. Wie schwer es ist, diese drei an sich sehr löblichen Merkmale zu verbinden, also trotz der Raumknappheit und materieller Rücksicht weitgehenden Ansprüchen an Belehrung und Ausstattung Rechnung zu tragen, leuchtet ein; im Hinblick auf diese ganz außerordentlichen Schwierigkeiten wird man, bei allen Bedenken gegen Einzelheiten, das Werk als Ganzes als erfreuliche Leistung bezeichnen dürfen. Die Lösung wird darin gesucht, daß jedenfalls an der Ausstattung nicht gespart wird (vgl. etwa die Beilagen zu Almemor, Bibel in der Kunst); die Beiträge selbst setzen nicht einmal die Kenntnis der hebräischen Buchstaben voraus, sind aber knapp gefaßt und verweisen aufeinander, so daß Wiederholungen nach Möglichkeit vermieden werden. In dieser Hinsicht hätte sogar noch weiter gegangen werden dürfen;so enthalten die Beiträge ,,Denkfreiheit“ und ,,Dogmen“ tatsächlich sehr Verwandtes; auch an manchen Bildbeilagen, die entweder zu undeutlich sind (I 419) oder zur Verdeutlichung des Inhalts wirklich nicht beitragen (I 74ל Urkunde über Disraelis Beschneidung), hätte man unbesorgt sparen dürfen. Aber es ist anzuerkennen, wie weit man dem Aufschlußbedürfnis Rechnung trägt; jede sprichwörtliche Redensart wird erklärt, jeder Wochenabschnitt erhält seine Inhaltsangabe; das Leben der Gegenwart wird gelegentlich noch ausführlicher behandelt als in E (wo ein Aufsatz über Achduth fehlt). Besonders erfreulich ist, daß das Interesse sich nicht nur dem Geschichtlichen und Aktuellen, sondern auch dem Weltanschauliehen stark zuwendet; im allgemeinen ist hier die Aufgabe, den Lehrinhalt des Judentums in seinem Verhältnis insbesondere zum Christentum darzustellen, bei aller Knappheit voll befriedigend gelöst. Und wenn manche Mitarbeiter sich (s. die folgenden Bemerkungen) anscheinend auf einfache