Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Neue Funde zu Midrasch und Aggada
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 517 (sequence 12)
- Language
- German
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517 Mechilta des R. Simon und Sifre Zutta hinzukam. Von Ismaels Schule hatten wir Ismaels Mechilta, Sifre Bemidbar, dazu kam Mechilta Debarim, es fehlte nur noch ein Ismaelscher Midrasch zu Leviticus. Den verdanken wir nun Ginzberg. Neben dem Sifra Ismaels kommt die größte Bedeutung den neuen Jelammedenu- und Tanchumastücken zu, selbst wenn wir diesen ein weniger hohes Alter zusprechen. Im XXXI. Stück!ואשל אחת meint G. vielleicht mit Recht einen Haftarah-midrasch zu bieten. Selbst nach Wertheimers Veröffentlichung ähnlichen Inhaltes erscheint stück xxvn דרשה על כתובים המכחישים וה את וה als ein prächtiger Fund, mit den köstlichen Beispielen, wie Israel das Güte nicht von Ben Hadad, nicht von Isebel lernt, mit der großartigen Gegenüberstellung des prophetischen Trösters mit dem Strafprediger Jesaja und dem Unheilskünder Jeremia. Im einzelnen wie viele Berichtigungen! Gleich im I. Stück: es klingt wahrscheinlicher, daß der jüdische König Agrippa die Würze des Sabbathmahls empfindet als Antonius oder Hadrianus. Im VII. Stück erfahren wir, das wohl schon früher bekannte Proömion über Israels Sünden (מילד״ בלורית) stammt von Resch Lakisch (S. 63). Im Stück XIII (S. 111) verrät die aramäische Wendung eine alte Fassung des Tanchuma-Debarim. Von den vielen trefflichen Varianten bloß eine, Aboth IV 12 soll es richtig heißen תלכלדך חביב TDD יהי עליך ככבוד חברך, וכבוד.הכרך ככבוד רכך, וכבוד רכך ככבוד שמים (S. 366, Anm. 11). Doch nicht nur die Aggada wird bereichert. Im XX. Stück bekommen wir unbekannte Targumvarianten. Die eigentliche (nicht) aggadische Schriftdeutung kommt vielfach zur Geltung. Stück XXVIII zeigt Schwierigkeiten der Heiligen Schrift, an die sich ein gläubiges Gemüt stößt. Das Sendschreiben Samuel b. Chofnis über die Totenbeschwörung in Endor (Stück XXXI) gehört mit zu dem Kühnsten, was die gaonäische Exegese geschaffen. Im XXX. St. wird uns die älteste Pijjuterklärung geboten, gleich eine treffliche, und Tobia b. Eliezer als ihr Verfasser scharfsinnigst nachgewiesen. Was G. findet, das rückt er auch gleich in glänzende Beleuchtung, mit einzigartiger Gelehrsamkeit, die sich auch im benachbarten und selbst im entlegenen Gebiet zurecht findet. Gilt es mittelalterliche Apokalypse (Stück XXXIII), so vertieft er sich in die byzantinische Geschichte, in griechische Wortforschung. Gilt es gaonäische Sendschreiben, so gibt er Arabisches im Urtext und in Uebersetzung, wohl mit tüchtiger Mithilfe Gütelsohns (Stück XXXI). Für die Aggada der Kirchenväter galt ja G. seit jeher als Fachkenner, als solcher bewährt er sich auch diesmal (z. B. S. 201, Anm. 4). Ueberwältigend erscheint Ginzbergs Ueberblick über das rabbinische Schrifttum. Die Terminologie erforscht er auf Grund tiefer Sachkenntnis, bei den einzelnen Wendungen stellt er fest, wann sie auftreten, ob in Palästina oder in Babylon. Ueberall findet er zu ergänzen, zu berichtigen, selbst bei J. H. Weiß, Friedmann, Horovitz, Hoffmann, besonders oft bei Buber, sogar bei Theodor. Für fast alle irgendwie bedeutsamen Midraschwerke gewinnen wir hier Aufschluß. Schade, daß die Summe dieser Einzelheiten nicht in einem Index