Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Neue Funde zu Midrasch und Aggada
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 514 (sequence 9)
- Language
- German
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514 Jugend (PessiktaRabbati, SederElijahu, Num.R.). Wenn der Verfasser statt des talmudischen גונב דעת das biblische גונב לב anwendet, so verrät er eben seine Neigung zum Musivstil, den er kunstvoll handhabt. Aus diesem Widerspruch gegen G.s Alteransetzung ergeben sich weitere Widersprüche gegen einige seiner Folgerungen. Da wir Stück IV nicht als Ur-Jelammedenu anerkennen, können wir auch die auf dieses Stück gegründeten Sätze nicht annehmen, daß 1. Ur- Jelammedenu in reinem Hebräisch abgefaßt sei; daß 2. Ur-Jelammedenu aus lauter kurzen u. z. ungefähr gleich kurzen Homilien bestanden habe; daß 3. im Ur-Jelammedenu die Namen der Urheber von midraschischen Deutungen nur ausnahmsweise angegeben wären. Solche Anonymität ist nicht für die schöpferische Zeit des Ur- Jelammedenu, sondern für das nachsprechende Epigonentum bezeichnend. Und nun sei es gestattet, weitere Bemerkungen hinzuzufügen. Stück XXI, dessen spätes Entstehen auch G. zugibt, weist manche fremde Einwirkung auf. Die Häufung der Gleichnisse darüber, wie man sich im Diesseits für die Ewigkeit vorzubereiten habe, findet sich besonders im buddhistischen Barlam und Josafat, von wo einige Gleichnisse auch ins jüdische Schrifttum, z. B. in Bachjas Herzenspflichten gedrungen sind. Die Höllenstrafe, eine unfüllbare Zisterne füllen zu müssen, S. 196, erinnert doch jeden an das Faß des Danaiden. Saul will vor den Philistern flüchten, sein Sohn Abinadab hält ihn zurück: jetzt biete sich sichere Gelegenheit, das ewige Leben durch gottgefälligen Heldentod zu erringen. Dies klingt ganz islamisch, wo für diese Auffassung auch der geläufige Ausdruck geprägt ist: der Tod ״fi sabil illähi" auf Allahs Pfad, d. h. im Krieg für Allah. G. findet diese Aggada schon bei Hieronymus. Dem Islam ist sie geläufig. Tälüt läßt den Toten beschwören, Samuel (oder Josua) steigt auf und verkündet ihm, ein einziger Weg des Heils stehe Saul frei, wenn er im Kampfe gegen die Philister auf Allahs Pfad den Heldentod stirbt1. Im XXIX. Stück untersucht G. eingehendst die Legende von Akiba, der einen Verbannten dadurch von den Höllenmartern erlöst, daß er seinen nachgeborenen Sohn beschneidet, fromm erzieht, beten lehrt. G. meint, die älteste Fassung dieser Legende habe R. Nissims חבור יפה erhalten, die Legende sei dem Islam entlehnt. Die sprachliehen Stützen dieser Auffassung (דוקיא für Laodicea, also ,,al“ für den Artikel genommen; נהרג angeblich für qätil) ertragen die inhaltliehen Schwierigkeiten nicht. Israel Levi hat glänzend nachgewiesen, daß die Anschauung, als könnten die Gebete und frommen Handlungen der Zurückgebliebenen die Martern der Verdammten mildern, aus dem Christentum ins Judentum gedrungen ist (REJ 1894, XXIX 43—60). Diese grundlegende Untersuchung Isr. Levis scheint G. entgangen zu sein, ebenso wie meine Ergänzungen dazu in einem Beitrag zur Isr. Levi-Festschrift, an dessen Schwelle eben der Gelehrsamkeit Ginzbergs gehuldigt wird (REJ LXXXII, 1926, 301—316). 1 Siehe meinen Aufsatz im שאול מלך ישראל באגדת הישמעאלים 926! הצופה.