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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 5 · p. Seite 513

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 5
Article
Neue Funde zu Midrasch und Aggada
Date
1928-01-01
Page
Seite 513 (sequence 8)
Language
German
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513 39b. Josua b. Levi strebt auch sonst in zahlreichen Fällen nach Ausgleichung der widersprechenden Bibelstellen, s. Bacher, Agada der pal. Am. I 151, 152. Auch bei R.. Jehuda hannassi zeigt sich ähnliches Streben, Bacher, Ag. d. Tannaiten II 301, doch die von ihm gelösten Widersprüche berühren sich nicht mit denen in unserem Genizahstück. Dieses kann keineswegs in voramoräischer Zeit entstanden sein. Ebensowenig kann Stück XXXVI für מכלתא דר1 שמעון, für die מסבתא דשירה der Mechilta des R. Simon b. Jochai gelten. Wohl hat G. eingehend nachgewiesen, daß dieses Genizahstück öfters mit Simons als mit Ismaels Mechilta übereinstimmt, doch gerade aus G.s gewissenhaften Nachweisen erhellt, daß oft Ismaels und Simons Mechilta einander näher stehen als irgendeine von den Beiden unserem Bruchstücke. Namen werden überhaupt nicht genannt, weder Akibas noch Ismaels Schüler. Einmal wird von Rabbi der eigenartige Satz angeführt, in Aegypten habe ein Weib auf einmal 600 000 Söhne geboren: dies sei Jochebed, die Mutter Mosis, da doch Moses alle 600 000 Israeliten aufwiegt. G. meint, Rabbi bedeute hier R. Akiba. Durchaus unwahrscheinlich, da ja — worauf G. selbst hinv/eist — Schir R. zu 115 diese Scherzdeutung auch eben Rabbi als ihren Urheber nennt. Den entscheidenden Beweis für den Akibaschen Ursprung dieses Stückes findet G. in dem Ausdruck מלמדנו, da מלמד für den Akibaschen Midrasch bezeichnend sei. Diese Stütze erweist sich als durchaus hinfällig beim Lichte der Terminologie Bachers I 31. Da erfahren wir, daß wohl Akibas Schule nur ,מלמד ש und niemals 'מגיד ש an wendet, doch von Ismaels Schule gilt: ,/מלמד ש kommt seltener und nur bei nichthalachischer Schrifterklärung vor/' Auch unser Stück ist nicht halachisch und auch hier begegnet uns מלמד ein einzigesmal (36827). Wir haben es hier mit einer gehaltvollen, doch späteren Zusammenstellung zu tun, die bald Ismaelsches, bald Akibasches Gut verwertet und auch die Kunstworte eklektisch anwendet. Und schließlich glaube ich auch nicht, daß im gewiß hochbedeutsamen IV. Stück uns Ur-Jelammedenu, d. h. 13 Homilien aus Ur-Jelammedenu erhalten wären. Dagegen spricht so manches. Vor allem begegnet uns kein einzigesmal die für Jelammedenu bezeichnende Wendung ילמדנו רבנו oder למדתנו לבנו, sondern jede Homilie wird mit הלכה eingeleitet, also gleich wie in ganz Debarim R. oder wie in der zweiten Hälfte von Bemidbar R., also wie in den Tanchumaartigen Midraschim. Das einleitende הלכה wird durch בך שנו רבותינו (meist von G. ergänzt) oder כך שנו fortgesetzt. — Ferner werden in den 13 Homilien insgesamt 6 Urheber genannt (den von Ginzberg S. 32 Angeführten ist noch R. Jochanan, S. 40, 1 und R. Eliezer S. 44, 1 hinzuzufügen). Der Hang zum Anonymen spricht für spätes Alter. Drittens die Sprache. Die 13 Homilien fließen in schönem, glatten Hebräisch dahin, außer dem allgemein hebräischen רכון und מר kein einziges aramäisches Wort! Wohl beruft sich G. auf den tannaitischen Midrasch, der ebenfalls rein hebräisch abgefaßt ist. Aber tannaitischer Ursprung ist doch nicht anzunehmen, wird auch von G. nicht angenommen, für ein Stück, in welchem mit Namen nur 6 Amoräer genannt werden. In nachtannaitischer Zeit hingegen scheint Hebräisch ein Kennzeichen der Monatsschrift, 72. Jahrgang.

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