Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Neue Funde zu Midrasch und Aggada
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 512 (sequence 7)
- Language
- German
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512 gedruckten, der in breitem Wortschwall dahinströmt. Gerade bedeutsame Züge unserer G.schen Fassung finden sich bei Berliner-Hoffmann nicht: daß Elischa mit zu den von Obadja geretteten Propheten gehört, daß die Prophetenwitwe in der schlimmsten Not ein Oelkrüglein wahrt, um ihre Kinder zu salben; daß die Witwe in Sarepta dafür büßen mußte, weil sie nur an sich dachte, während Elischas Prophetenwitwe auch für ihre Nachbarinnen sorgt1. Nicht nur was die Einzigartigkeit, auch was das Alter der Funde betrifft, sind wir genötigt, dem verehrten Verfasser hier und da zu widersprechen, was dann auch zum Widerspruch gegen seine Folgerungen führt. Es ist schwer begreiflich, wie G. es (wenn auch nicht für sicher, doch) für wahrscheinlich halten kann, daß im Stück II (Erklärungen zum Anfang der Genesis) eine Uebersetzung von Saadjas Pentateuchkommentar vorliege. Daran ließe sich nur dann denken, wenn eine Uebereinstimmung auf fiele mit Saadjas Pentateuchexegese, wie diese sich aus Saadjas erhaltenen andern Kommentaren, aus seinen übrigen Werken und aus Ibn Ezra erschließen läßt. Den Nachweis solcher Uebereinstimmung unternimmt G. überhaupt nicht und gründet seine Vermutung bloß auf die Wahrnehmung, daß in diesem Bruchstück, wie bei Saadja, zur Erklärung eines Verses andere Verse sowie Talmud und Midrasch herangezogen werden. Ueberhaupt verlautet nichts darüber, daß Saadjas exegetische Werke ins Hebräische übersetzt worden wären (das geschah erst in unsern Tagen). Das Stück trägt auch gar kein Merkmal der Uebersetzung an sich. Eigenartig finde ich auch die Zeitansetzung für Stück X, wo Beispiele angeführt werden, wie Israel bei allen Machthabern Gunst findet, am babylonischen, am persischen Hof, vor Alexander dem Großen, so auch Hilleis Patriarchenfamilie bei den Römern. Daraus schließt G., das Stück müsse vor 415 entstanden sein, — da 415 die Patriarchenwürde von den Römern abgeschafft wurde. Nun aber gehört dieses Beispiel ebenso der Vergangenheit an wie alle vorhergehenden, und so wohnt ihm keine zeitbestimmende Kraft inne. Dem großartigen stück xxvii דרשה על כתובים המכחישים זה את זה haben wir die Einzigartigkeit schon abgesprochen. Ebenso müssen wir ihm das hohe Alter absprechen. G. meint, der Nachdruck der Polemik liege auf Sabbath, Beschneidung, Heiligtum, die Spitze sei also gegen das Christentum gekehrt; da ohnehin — setzt G. fort — nur tannaitische Urheber genannt werden, könne auf frühe Entstehung geschlossen werden. Es ist G. entgangen, daß S. 223, Z. 9 Jochanan mit Namen genannt wird. Mir scheint aber, daß ein wesentlicher Anteil an der Lösung ähnlicher Widersprüche dem Frühamoräer Josua b. Levi zukomme. Für den einen Fall ist dies zweifellos nachzuweisen. Der bekannte Widerspruch von Jech 57 וכמשפטי הגוים אשר סביבותיכם לא עשיתם mit jech 11וכמשפטי הגוים אשר ״ סביבותיכם עשיתם wird in unserem Genizahstück derart gelöst: הרעות עשיתם, הטובות לא עשיתם. Das ist eben die Lösung, welche Josua b. Levi kraftvoller faßt, כמתוקנין שבהן לא עשיתם כמקולקלין שבהן עשיתם Sanh. 1 Uebrigens bietet auch Num. R. XI, 7 ed. Wilna 44b, 45b einen reichen Midrasch über שני כתובים המכחישים זה את זה.