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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 5 · p. Seite 505

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 5
Article
Michael und Gabriel
Date
1928-01-01
Page
Seite 505 (sequence 7)
Language
German
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5.05 der starren Winterkälte, er ist der Genius des Schnees; Gabriel hingegen ist Träger des Wärmeprinzips, der Sommerglut, Genius des Feuers. Gleichwohl leben sie einträchtig nebeneinander. ,,Herrschaft und Furchtbarkeit sind sein, er stiftet Frieden in seinen Höhen" (Hiob 252). — Herrschaft — so wird im Midrasch ausgeführt — damit ist Gabriel gemeint, Furchtbarkeit weist auf Michael hin' dennoch schafft Gott Frieden und Eintracht in seinen Himmelshöhen. Und an anderer Stelle heißt es: ,,Michael ist ganz aus Schnee, Gabriel ganz aus Feuer, sie stehen beieinander und fügen einander doch keinen Schaden zu1." Dieses hohe Engelspaar übt eine derart nachhaltige Wirkung auf das Weltgeschehen aus, daß die jüdischen Weisen auf die Frage, an welchem der sechs Schöpfungstage die Engel erschaffen worden seien, zur Antwort geben: Alle Schriftgelehrten stimmen darin überein, daß sie nicht am ersten Schöpfungstage ins Dasein getreten sind, damit man nicht späterhin sage: Michael spannte das Himmelszelt an der Südseite, Gabriel nach Norden hin und der Heilige, gelobt sei er, in der Mitte. Michael und Gabriel sind unter den göttlichen Heerscharen als Gehilfen und Mitarbeiter Gottes bekannt. Gemeinsam fungierten sie als ,,Brautführer des ersten Menschen", gemeinsam bestatteten sie die Leiche Mosis. Und als das göttliche Strafgericht über das Tempelheiligtum in Jerusalem hereinbrach, waren sie es, die das Zerstörungswerk vollbrachten: ,,Michael und Gabriel steckten den Tempel in Brand". ,,R. Nechemja sagte: Wie groß ist doch die Liebe Gottes zu Israel! Hat er ja die hehren Engel, die mächtigen Vollstrecker seines Willens, zu Hütern über Israel eingesetzt, nämlich Michael und Gabriel, wie geschrieben steht (Jes 626): ,,Ueber deine Mauern, o Jerusalem, habe ich Wächter bestellt". . . Und wie der Heilige, gelobt sei er, in dieser Welt durch Michael und Gabriel wirkt, so wird er in der fernen Zukunft sich ihrer bedienen, wie geschrieben steht (Obadja 121): ,,Und die Erlöser werden auf den Berg Zion emporsteigen, um den Berg Esaus zu richten" — darunter sind Michael und Gabriel zu verstehen." ,,In der fernen Zukunft wird der Heilige, gelobt sei er, die Frommen ins Paradies führen. . . Da weiden Michael und Gabriel, die Genien Israels, am Eingang des Paradieses Aufstellung nehmen und zu den Frommen sprechen: Nehmt den Friedensgruß des Weltenherrn entgegen." Aber auch der Frevler werden sie sich annehmen: ,,In jener Stunde wird der Heilige, gelobt sei er, die Schlüssel der Höile in Gegenwart aller Frommen den beiden Engeln Michael und Gabriel überreichen und zu ihnen sprechen: Geht hin, schließt die Pforten der Hölle auf und führet die Sünder aus der Hölle hinaus." So werden sie denn hinziehen, vierzigtausend Pforten der Hölle aufschließen und jeden einzelnen Insassen bei der Hand nehmen und hinausführen. Und dann werden Michael und Gabriel die Sünder waschen und salben, sie von den Wunden der Hölle heilen, mit schönen, reinen Gewändern bekleiden und vor Gott und die Frommen hinbringen. Am Eingang 1 Genesis rabba 12; Deut, rabba 5,

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