Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die religionsgeschichtlich erklärte Barajta
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 486 (sequence 10)
- Language
- German
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486 das Ei spitzig auf und stützt damit das Bettgestelle. Das muß aber ein starkes Ei sein, das ein Bett stützen kann \ Wenn man noch an ein Straußenei oder dergleichen denken könnte, was ja kasuistisch zulässig wäre, wäre es gut, aber das tut, soviel ich sehe, kein Kommentator, und sie tun recht daran, denn so was müßte im Text gesagt sein, und dazumal muß es sich um etwas handeln, das gang und gäbe ist, wie ich oft betont habe, und ein Straußenei findet sich schließlich auch im Hause des pal. Bauern nicht. In meinem bereits erwähnten Artikel in ,,Ha-Olam“ habe ich die Sache wie folgt zu erklären gesucht: Die כרעי, המטה Pfeiler des Bettgestelles steckten in einem מלבן gr. plinthion Ziegel genannten Viereck1, das verhindern sollte, daß das Holz der Pfeiler von der Erdnässe zu faulen beginne; dasselbe Mittel diente zugleich dazu, dem Bettgestelle Halt und Festigkeit zu verleihen. Das erklärt uns zur Genüge, was das heißt, das Bettgestelle ״stützen“; eine bloße Unebenheit im Boden des Wohnzimmers, das ja weder Pflaster noch Dielen, sondern nur den ,,Estrich“ Erdstrich hatte, genügte, um das Bett bzw. das Sopha wankend zu 'machen. Die Unebenheit auszugleichen hat man, so haben wir gesehen, eine Erdscholle, einen Scherben oder einen Splitter eines zerbrochenen Faßdeckels genommen bzw. eigenst geschnitzt oder geschnitten. Dem letzteren analog ist, was wir in Mischna Beza IV, 5 lesen: den Topf am Herde oder die Türe des Zimmers mit einem Holzspan (בקעת) stützen (סמך); und da dieser Punkt in demselben Traktat Beza wie unsere diskutierte Stelle vorkommt und da beides zur sogenannten Mischnaspräche gehört, hat man gar nicht das Recht, das eine anders zu interpretieren als das andere, mit anderen Worten: סמך hier muß genau das bedeuten, was סמך dort, und man darf auch nicht ,,religionsgeschichtlich“ Vorgehen bei dem einen, wo mans doch bei dem andern nicht kann.. Nun wird aber in derselben Mischna zufällig, allerdings zu einem anderen Zweck, noch ein Mittel erwähnt, welches wir in Betracht ziehen können: man schneidet (חתך) ein Stück Papier (כייר, gemeint ist natürlich das alte ächte ägyptische ,,Papier“) usw. Können wir uns nicht denken, schon wegen der Nähe der beiden Angaben, daß man solche Schnitzel von Papyrusstengeln auch dazu verwendete, um eventuell den Pfeiler der Bettstelle zu ,,stützen“? Ich wenigstens kann mir das sehr gut denken. Man müßte solche ,,Papier“-Schnitzel nur etwas zusammenrollen und die ,,Stütze“ wäre fertig. So etwas tut man auch bei uns mit unserem viel dünneren Holzpapier oder doch dem gleichartigen Pappendeckel. Ich selbst habe auf dem Lande, bei holperigem Estrich, so etwas nicht nur angesehen, sondern auch gemacht, und zwar beides, nämlich Tisch, Stuhl oder Bett ,,gradgemacht“ oder auch die Türe ,,gehoben“, damit sie nicht scharre. Dasselbe, so glaube ich, hat man mit dem viel verhandelten Ei getan; ich meine, mit dem ausgeblasenen oder geleerten Ei. Von der Eierschale (קליפה) ist bald darauf, in b. Beza 4a, die Rede, wenn auch in anderer Beziehung. Wenn man nun so ein Ei, sei es voll oder geleert, unter den Fuß des Bettgestelles gibt, so wird seine Schale denselben doch einigermaßen ,,stützen“, etwa in dem Maße, 1 Siehe Talm. Arch. I, 63 ־und Kadm. ha-Talm. II, 37.