Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die religionsgeschichtlich erklärte Barajta
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 485 (sequence 9)
- Language
- German
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485 Bar. Beza 3b genau dieselben zwei Handlungen: Geräte zudecken und Bettstelle stützen — genau mit denselben Worten vorgebracht werden. Keine Spur von magischem Gebrauch! Ein anderer Fall. Folgendes Gleichnis liest man in Midrasch Psalm 89a ed. Buber S. 381: Ein Sitzstuhl (כסא) hatte vier Füße, von denen aber einer wankte, [weil er nämlich kürzer war]1: so nahm man eine Scholle (צרור) und stützte ihn. So was kommt ja auch heute vor; aber es scheint, daß das Mobiliar der Alten besonders schwach konstruiert war, weshalb denn von den Möglichkeiten der Ausbesserung, sogar am Sabbath und Jom Tob, so viel gesprochen werden mußte. So lesen wir einmal (Lam. R. zu I, 5 Folio 11b ed. Wilna), daß man zwar mehrere Betten im Hause hatte, aber damit rechnen mußte, daß das eine oder andere brechen oder sonst schadhaft werden könnte, und da wurde das eine durch das andere gestützt2. Der Ausdruck ist auch hier סמך. Uebrigens bedeutet מטה ja auch das Sopha; da man auf das Sopha gelehnt aß, ist es besonders verständlich, daß man auf dessen Benützbarkeit am Sabbath und Jom Tob so sehr bedacht war. Hier ein lehrreicher Fall. Bekanntlich durfte man wegen eines traurigen Vorfalles am Sabbath im genagelten Schuh (סנדל המסומר) nicht ausgehen (M. Sabbath VI, 2). In der Abhandlung dazu (b. Sabbath 60b) wird folgende Barajta gebracht: ,,Man darf nicht ausgehen im genagelten Sandal, auch nicht darin spazieren von Haus zu Haus und selbst von Bett zu Bett (oder von Sopha zu Sopha), man darf ihn aber tragen (bewegen, benützen), um damit ein Gerät (der Text hat הכלי das Gerät, das ich lieber הכלים lesen möchte, s. oben) zuzudecken oder die Füße des Bettgestelles zu stützen". Immer dieselben Ausdrücke, immer dieselben zwei Beispiele, so daß ich versucht bin zu glauben, daß es den Alten an diesem Zudecken und an diesem Stützen besonders lag, und so meine ich, daß auch das Zudecken der Geräte etwas ist, was mit dem Essen zusammenhängt, nämlich Zudecken von Eßgeschirren und Trinkflaschen, die man aus den im Talmud bekannten Gründen (גלוי) nicht offen stehen lassen mochte. Allerdings wird uns das Zudecken mit dem ,,genagelten Schuh" nicht sehr appetitlich erscheinen, aber im Talmud wird ja kasuistisch vorgegangen, und zudem kommt das bereits berührte Moment hinzu: man spricht von einem Ding, das man gerade zur Hand hat. Man muß auf alle Fälle zugeben, daß die andere Handlung, Stützen des wankenden Bettes mit dem genagelten Holzschuh (s. Kommentare), ideell sehr gut gewählt ist. Ebenso kann man in b. Beza 3b, der Stelle, die wir so oft berühren, das Zudecken etwa einer Flasche mit einem E i sehr vernünftig finden. Dagegen ist an der soeben berührten Stelle die zweite als Beispiel angenommene Handlung, daß man mit dem Ei die Bettstelle stützt, überaus schwer zu verstehen. Raschi erklärt, man richtet 1 Die in Klammern gesetzten Worte fehlen im Zitat des Raym. Mart. Pugio fidei ed. Voisin A. 668. 2 Näheres s. in meinem Kadmonijoth ha־Talmud II, 37 (jetzt im Erscheinen begriffen).