Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 5 · p. Seite 483

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 5
Article
Die religionsgeschichtlich erklärte Barajta
Date
1928-01-01
Page
Seite 483 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829951-2829957-2834936--48572-2835005
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

483 gebunden gewesen, vor den Augen der Aegypter, die darob fast ihren Geist aufgaben1. M. fühlt sich da so sicher, daß er schreibt: ,,Hier liegt der Abwehrgedanke für jeden, der von Religionsgeschichte etwas gehört hat, auf der Hand“. Zu meinem Bedauern muß ich noch weiter bei meinem starren Leugnen verharren. M. hat vielleicht insofern recht, als wir zur Stelle Ex 126 den schönen Ausspruch des Mathja ben Charasch besitzen2, wonach Gott Israel mit dieser מצלה und noch einer schon vorher ausstattete, damit er das Erlösungswerk in Szene setzen könne; eine Fürsorge, die zugleich Abwehr ist, um Israel dem Feind nicht preiszugeben. Aber M. meint offenbar eine andere, eine magische Abwehr. Als solche kann ja füglich das Bestreichen der Türpfosten mit dem Paschablut (Ex 127 f.) angesehen werden, wozu auch der Begriff ליל שמורים gut paßt. So gedacht, gehört vieles in den Kreis der Magie, was wir gläubige Juden jedoch nicht zugeben können. Aber M. geht von dem Binden an das Bettgestell aus; diesem Gedankengange kann ich nicht folgen. Für das vier Tage lang zu bewahrende, dem Pferch oder der Hürde entnommene Lamm gab es eben beim einfachen Bauernhause keine bessere Aufbewahrungsstelle (!משמרת) als die Schlafstelle des Bauern, und da mußte das Tier auch angebunden werden, um es beobachten zu können; man hat es ja all die vier Tage hindurch untersucht (בקי Mechilta S. 5 b). Ueberdies hat sich M. eine Talmudstelle entgehen lassen, in der sein viel urgiertes כרעי הממה zweimal vorkommt. In einer Bar. b. BQ 80a wird erzählt, daß ein Frommer, der ein Brustleiden hatte, auf Anraten der Aerzte täglich morgens natur־ warme Milch trinken mußte; zu diesem Zwecke hielt er sich eine Ziege, die an sein Bettgestell angebunden war, und hier, an seinem Bettgestell, bemerkten seine Kollegen das Tier, dessen Halten im Hause ihnen nicht recht war3. Ich glaube nicht, daß es auch nur einen vernünftigen Menschen gibt, der hier mehr sieht, als einen ganz natürlichen Vorgang. Wie aber die Ziege aus Nützlichkeitsgründen an der Bettstelle angebunden war, so auch das Paschalamm, und es ist überflüssig und sogar verfehlt, geheimnisvolle Motive darin zu suchen. Das Huhn (wörtlich Henne), das an der Bettstelle der Wöchnerin angebunden war, 4שתהא לה לצות, aber nicht aus emoritischer Sitte (T. Sabbath VI, 4, S. 117), ist genau so zu beurteilen. 9. In b. AZ 32a wird darüber verhandelt, ob man Scherben von hadrianischer Keramik (5(חרם הדרייני dazu verwenden darf, um die Füße einer Bettstelle zu stützen; diese Scherben wurden nämlich mit נםו -Wein getränkt, und es kann besorgt werden, daß noch Ueberreste des Weines darin sind. ,,Gegen die magische Praxis wird kein Einspruch erhoben“, bemerkt M. Dies spricht aber gegen ihn, 1 Pesikta RK ed. Buber S. 55a und Bubers Anm. z. St. 2 Mechilta zu Ex 126 S. 5a ed. Friedm. und Rasehi zur Bibelstalle; vgl. Bacher, Ag. d. Tann. hebr. I, 2. Teil S. 108. 3 Vgl. meinen Aufsatz La Defense d’elever de menu betail en Palestine etc. REJ 58, 14—55. . 4 Der Sinn dieser Worte ist mir nicht klar. 5 M. führt u. a. Lehnw. II, 222 an; jünger ist und besser, was ich in Mon. Talm. V, 72 darüber geschrieben habe. 31*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.