Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die religionsgeschichtlich erklärte Barajta
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 480 (sequence 4)
- Language
- German
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480 kein Zauber liegt, sondern in der eisernen Keule steckt die Gefahr, mit‘der auch ein Mensch töten könnte, wie dort klar hervorgeht. Dasselbe Werkzeug (קטו) kommt anderswo auch als Waffe vor (T. Sanh. V, 1 S. 422, zitiert von L e v y IV, 292), natürlich durchaus in menschlicher Verwendung. Eine ähnliche Geschichte, die durch das gemeinsame Wort פרי damit verbunden wird (s. Aruch ed Kohut VI, 406), kommt in j. Sabbath VI, 8 c vor; da ist die Schlange das gefährliche Wesen, und das ist doch Natur genug! 2. ,,Traktat Soferim1 verbietet den Gottesnamen auf das Horn einer Kuh2 und auf den Fuß einer Bettstelle zu schreiben/' So M., was aber nicht richtig ist, denn der von ihm gleich darauf beigesetzte hebr. Text spricht kein Verbot aus, sondern bespricht kasuistisch den Fall, was mit den genannten Dingen, auf denen der Gottesname geschrieben steht, die man aber gleichwohl anderweitig verwenden möchte, zu geschehen habe. Aber das ominöse Bettgestelle hat M. auch hier verleitet, von Magie und Zauber zu sprechen. Er hat nicht bedacht, daß im Texte hart nebenan gleich darauf steht: ,,Auf dem Stein — den rückt er von der Stelle und gräbt ihn ein." Durch diesen simplen Stein werden das Horn der Kuh und die Bettstelle gleichsam neutralisiert. Der palästinische Bauer hatte wahrlich weder Pergament noch Schreibpapier im Haus; wollte er nun Gott seine Devotion, seine Ergebenheit — Frömmigkeit und nicht Magie — zeigen, so ritzte er die vier Buchstaben des Gottesnamens auf Schreibflächen ein, die ihm zur Verfügung standen: auf das Horn seiner Kuh, auf den Pfeiler seiner Bettstelle, auf den Stein seiner Hausmauer — eine primitive Mezuzah — usw., umsomehr, als die wenigen geraden Striche des Gottesnamens sehr leicht einzuritzen waren. Sehr schön schreibt Joel Müller in Masechet Soferim z. St. (S. 78): ״Wie an den Körper schrieben die Israeliten nach der Sitte der alten Völker den Gottesnamen auch an die Hausgeräte (Sabbath 120 b)3, an das Gesteil des Bettes, wohl damit man beim Erwachen sofort den Gottesnamen vor Augen habe und im Schlafe unter dessen Schutz stehe. Nach der Fastenrolle II war es Sitte, das Horn der Haustiere eben mit solchen Namen und Sprüchen zu zieren4. Ein alter Chanukka- Midrasch (Jellinek Bet-Hamidrasch III) erzählt, die Syrer hätten aufgetragen, die Verleugnung Gottes an die Riegel der Türen zu schreiben, ein Beweis, daß man sonst auf diese den Namen und ein Bekenntnis Gottes zu setzen pflegte." Auch der Riegel — nach antikem Befunde eine platte Holzstange — diente also zur Schreib- A Soferim V, 13. 2 Diesen Punkt habe ich in Talm. Arch. III, 308 (Anm. 93) behandelt. Zur Literatur kommt seitdem noch hinzu: Sulzbach in Jeschurun II, 231־; S. Klein ebd. III, 62; Wohlgemuth ebd. 63. Ich bemerke, daß Azarja de Rossi in Meor Enajim c. 22 (ed. pr. 91a) die LA hat: das Horn des pflügenden Ochsen. Im Pijjut אייר für den II. Sabbat Chanukka heißt es: ויצור חקוק בקרן משור ובבריחי אפדבי also statt ״Bettstellenpfosten“ ״Riegel des Palastes“, was dem Sinne nach ganz dem entspricht, wie ich hier erkläre. Zur Schreibstoffrage vgl. R. Garnett, Some Notes on ancient Writing and writing Materials, in The Library, July 1903 S. 225—235. 3 Ich kann dieses Zitat nicht verifizieren. 4 Das ist etwas zuviel behauptet.