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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 5 · p. Seite 479

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 5
Article
Die religionsgeschichtlich erklärte Barajta
Date
1928-01-01
Page
Seite 479 (sequence 3)
Language
German
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479 vorherrschend war und daß der Talmud davon voll ist; daraus folgt aber nicht, daß wir Motive dieser Art annehmen sollen, wo kein Grund dafür da ist und wo der Zusammenhang solche Motive geradezu ausschließt. Die anderen Beweise M.s folgen nun in der von ihm angenommenen Reihenfolge und mit seiner Numerierung. 1. T. Sabbath VI, 4, S. 117 Z. 10 ed. Z. ,,Wer Eisen bindet an die Füße der Bettstelle einer Wöchnerin‘ ‘ usw. ״das gehört zu den Wegen des Emoriters.“ Es wäre ein unnützes Beginnen, den magischen Sinn dieser Handlung weginterpretieren zu wollen, steht sie doch ausdrücklich in der Reihe jener Praktiken, die die rabbinische Lehre verbietet. Dasselbe ist der Fall mit drei anderen in demselben Zusammenhänge (ib. 117 Z. 25 und 26; 118 Z. 5) aufgezählten Praktiken, die M. erwähnt, um zu erhärten, daß Eisen als Abwehrmittel gegen Dämonen galt, was uns übrigens schon längst bekannt ist1. Das alles ist, wie gesagt, wegen emoritischer Sitte verboten. Um so schlimmer für M.s These, denn jenes Ei mit der Bettstelle läßt man ja passieren! Nach der Lehrweise des Talmud wäre hier zu erwarten gewesen: ולא עוד אלא אף אסור משום דרכי האמורי. Vgl. im Kapitel ״emoritische Sitte“ b. Sabbath 67 b, wo nach einem allerdings als unverfänglich erklärten Brauch bemerkt wird : Die Chachamim aber verbieten es mit Glassplittern, weil eine Gefahr damit verbunden ist. In diesem Zusammenhänge bespricht M. einen von L u n z erwähnten Brauch der heutigen Jerusalemer Juden, die, bevor sie sich ins Ausland begeben, in die Kotei Maarabi einen Nagel einschlagen. Nach M. dient der eiserne Nagel als Schutz gegen die Gefahren der Reise. Man muß noch froh sein, daß er nicht annimmt, die armen Jerusalemer Juden begingen damit den weit verbreiteten Eisenzauber. Ich glaube jedoch, der eiserne Nagel in der Klagemauer wolle besagen, ich bin hier gewesen, ich habe einen Besitzstand an diesem Orte. Das ist nämlich jüdisch gedacht. Vgl. was der Midrasch (Lev R. 55) von Schebna sagt, den man sich als jerusalemischen Tempelvorsteher gedacht hat: Welche Mauer (כותל) hast du hier gebaut? Welche Säule hast du hier auf gestellt? Ja, welchen Nagel hast du hier eingeschlagen?2 Bei Gelegenheit der Versammlung in Uscha haben alle anwesenden Rabbinen je einen Nagel in den dort befindlichen Felsen eingeschlagen, der von da an ,,Nagelfelsen“ genannt wurde (j. Chag. III, 1, 78d); ist das Zauber oder Verewigung? Ich glaube, die Antwort falle nicht schwer. Jener Brauch der Jerusalemer Juden ist nicht anders zu beurteilen, als wenn heute ein Tourist in einen von ihm besuchten Ort — eine Höhle, eine Ruine, ein Turm, ein Wald — seinen Namen einritzt, damit er ja nicht vergessen werde! Den gewaltigen Eisenzauber will M. auch noch aus der Stelle Lam R.ed. Buber S. 63 f. erweisen; dort kommt in der Tat ein Dämon (מויקא) vor, .der eine eiserne Keule in der Hand hält und eben darum gefährlich ist. Dazu ist zu bemerken, daß hier in dem Eisen gar 1 Vgl. meinen Artikel ,,Metals“ in Jewish Enc. VIII, 518. 2 Vgl. Synagogale Altertümer S. 809.

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