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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 5 · p. Seite 473

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 5
Article
Die Judenfrage im galizischen Landtag 1861 - 1868
Date
1928-01-01
Page
Seite 473 (sequence 17)
Language
German
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473 nicht das, was wir nicht wollen, daß es uns geschehe. Daher noch einmal, meine Herren, beschließen wir die Vorlage ohne Markten und ohne Amendements!"1 Stürmischen Beifall zollte das Haus dieser Rede. Für den gleich darauf gestellten Antrag des Grafen Goluchowski auf Annahme der Kommissionsvorlage2 en bloc stimmten — mit Ausnahme von vier Abgeordneten — alle Anwesenden. Päpstlicher als der Papst beschloß jetzt der Landtag eine ,,Aufforderung an die Regierung wegen Veranlassung der Beseitigung aller die bisherige Sonderstellung der Israeliten betreffenden Be- Stimmungen"3. Allerdings konnte seitens des Ministeriums ״im Hinblick auf die bereits erfolgte völlige Gleichstellung der Israeliten" dieser Aufforderung nicht mehr Folge geleistet werden. Die vom Landtage angenommene Regierungsvorlage bezw. die Kommissions- Vorlage, die alle Judenbeschränkungen der Gemeindestatute aufhob, wurde am 19. XI. 1868 Gesetz. Ausblick au! die weitere Entwicklung der polnisch-jüdisclien Verhältnisse. Die Landtags Verhandlungen machten, wie uns die Berichte der Lemberger Korrespondenten an die ausländischen jüdischen Preßorgane und die Wiener liberalen Zeitungen zeigen4, auf die galizischen Juden den denkbar ungünstigsten Eindruck. Frühzeitig hatten die Führer der Juden aus den Verhandlungen gelernt, daß sie, um etwas zu erreichen, ihre bisherige politische Taktik ändern und sich außerhalb des Landtages Hilfe suchen müßten. Bereits im Jahre 1866 hatten, wie erinnerlich, die jüdischen Vertreter gegen die Landtagsbeschlüsse die Intervention der Regierung in Anspruch genommen, v/eshalb ihnen übrigens die polnische Presse den Vorwurf einer ״unkonstitutionellen" und ״provozierenden" Handlungsweise gemacht hatte5 6. Nunmehr bot sich bald die Gelegenheit, diese Taktik in eine 1 Ebenda, S. 121 ff. 2 Eine Landtagskommission hatte die Regierungsvorlage in unwesentliehen Punkten abgeändert bezw. durch Zusätze erweitert. (Haus־, Hof־ und Staatsarchiv, Kabinettszahl 4331 ex 1868.) 3 Haus-, Hof־ und Staatsarchiv, Kabinettzahl 4331 ex 1868. 4 Schon die Beschlüsse des Lemberger Gemeinderates vom Jahre 1863 veranlaßten einen Korrespondenten aus Lemberg zu den folgenden Aeuße־ rungen in der ,,Allg. Ztg. d. J.“ (Nr. 13 ex 1863): ,,Die Verhandlungen des hiesigen Gemeinderates mußten jedem denkenden Juden als eine Kündigung des vor zwei Jahren mit so vielem Eklat von polnischer Seite in Szene ge־ setzten Bruderbundes zwischen Polen und Juden erscheinen . . ..“ Im Jahre 1866 nach der Annahme des Lemberger Judenstatutes durch den Landtag fand die Stimmung der Lemberger Judenschaft in der folgenden Notiz in der Wiener ,,Presse“ (Nr. 83 ex 26. III. 1866, Orig. Korrespond. aus Lemberg vom 22. III.) ihren Ausdruck: ״Wir glauben kaum, daß die polnische Partei Ursache hat, sich des Sieges zu freuen, den ein Bruchteil ihrer Vertreter heute im Bunde mit der ruthenischen Fraktion davongetragen: Sie hat damit der Verschmelzung mit den israelitischen Elementen ein neues Hindernis in den Weg gelegt. Jedenfalls hat das Ministerium, an das sich die Juden nun wenden, eine wohlfeile Gelegenheit, seinen Freisinn und seine Toleranz gegenüber der Unduldsamkeit unserer Repräsentanten-Versammlung zu bestätigen.“ 6 Die ״Gazeta Narodova“ nach einer Korrespondenz aus Lemberg in der ,,Presse“ v, 31. III, 1866, Nr. 88, Abendblatt.

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