Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 5
- Article
- In der Zeit der Religionsnot
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 453 (sequence 5)
- Language
- German
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Teil unklar sind und miteinander nicht übereinstimmen. So wird von einigen berichtet, daß das Schma in einer Zeit der Religions- Verfolgung verboten und darum vom Vorbeter in die Keduscha der Tefillot, sowohl an Werktagen als auch an Sabbaten, eingefügt wurde. Als die Religions Verfolgung vorüber war, wurde zwar das Schma, weil es jetzt ohnedies bei dem Morgengebete gesprochen wurde, aus der Keduscha der Morgentefilla entfernt, aber in der Keduscha der Mussaftefilla dauernd belassen1. Von anderen dagegen wird erzählt, daß die Synagogen, die an Werktagen damals wahrscheinlich überhaupt geschlossen waren, während einer Religions- Verfolgung an Sabbaten von Häschern so lange überwacht wurden, bis die Zeit des Schma vorüber war. Sobald sich jedoch die Häscher entfernt hatten, wurde die Mussaftefilla von der Gemeinde gebetet und das Schma in die Keduscha der Mussaftefilla eingeschaltet und auch nach der Religionsverfolgung in dieser Tefilla beibehalten2. Zwei Berichten zufolge ging das Verbot des Schma vom byzantinischen Reiche aus3, nach einem dritten Berichte dagegen war der Urheber des Verbotes der persische König Jezaigerd4. So verschieden auch die Berichte lauten, darin stimmen sie überein, daß die Einschaltung des Schma in der Keduscha auf eine Religions Verfolgung zurückgeht. Diese Einschaltung könnte zwar auf andere Weise erklärt werden. Denn zuerst war der Text der Mussaftefilla wahrscheinlich derselbe, wie der der übrigen Tefillot und wurde erst zu Beginn der amoräischen Zeit geändert5. Es ist darum nicht ausgeschlossen, daß mit dem Texte der Mussaftefilla auch der der Mussafkeduscha geändert und erweitert wurde, um die Keduscha der Mussaftefilla von der. der Morgentefilla zu unterscheiden und dem Mussafgebet eine höhere Weihe zu verleihen. Da der Text der Keduscha4 nur Verse aus den Propheten und Hagiographen enthielt, Thoraverse aber fehlten, wurden aus der Thora der Anfang und das Ende־ des Schma in die Keduscha noch eingeschaltet, so daß jetzt die Keduscha der Mussaftefilla Verse aus allen Teilen der Bibel enthielt. Dennoch ist es möglich, daß diese Einschaltung auf eine wirkliehe Religionsverfolgung zurückgeht; denn es ist nicht unwahrscheinlich, daß der Haß der Verfolger in erster Reihe gegen das Einheitsbekenntnis des Judentums sich wandte. 6. Sagenhaft dagegen ist ohne Zweifel die Erzählung, daß auch das Schma in den ersten Benediktionen des Morgengebetes auf eine Religions Verfolgung zurückgehe. Wie der Verfasser des Schibole ha-leket berichtet6, sei nach der Meinung seines Bruders Benjamin b. Abraham Anaw (um 1240) das Schma in den ersten Benediktionen des Morgengebetes in einer Zeit der Religionsnot eingeführt worden. ,,In jener Zeit sei das Einheitsbekenntnis verboten worden, und weil 'das Schma öffentlich nicht bekannt werden durfte, habe der Verfasser des Seder Eliahu rabba mit den Worten: ,,Immer sei 1 Amr. 11 a, Erech Millin 3 ל b. 2 Ginzberg, Geonica II 50 f., Pardes 56 b. 3 Geonica II 50 f., Pardes 56 b. 4 Erech Millin 3 ל b. 5 Elbogen 116. 6 ed. Buber 6.