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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 4 · p. Seite 441

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 4
Article
[Rezension]
Date
1928-01-01
Page
Seite 441 (sequence 3)
Language
German
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441 schwören, haben die Mahnungen des alten Neumann in den Wind geschlagen und keine hat bisher ein statistisches Büro, wenn auch in kleinem Ausmaße, an ihre Verwaltung angegliedert, sie begnügen sich mit bürokratischen Geschäfts- Übersichten, von denen man selbstverständlich keinen richtigen Einblick in die Entwicklung des jüdischen Volkskörpers in Deutschland erhalten kann. So sind wir gezwungen, uns an die Brosamen, die von den staatlichen amtlichen Statistiken für die Konfessionsstatistik abfallen, zu halten und daraus unsere Schlüsse zu ziehen. Von allen Statistiken Deutschlands ist es aber besonders d i e pre ußisch e Statis ti k bisher immer gewesen, die das konfessionelle Moment berücksichtigt hat, und wenn dasselbe auch in der Nachkriegszeit etwas in den Hintergrund getreten ist, enthält der neueste 23. Band, der eben erschienen ist und die Volkszählungsresultate von 1925 mitteilt, Abschnitte, die für die Juden von großem Interesse sind. Aus einem umfangreichen Anhang kann man die Gliederung der preußischen Wohnbevölkerung nach ihrer Religionszugehörigkeit ersehen. Auf 100 Einwohner fallen 1,06 Juden im ganzen preußischen Staate, aber von dem Durchschnittssatz weicht derjenige der einzelnen Provinzen ganz wesentlich ab. Für Groß-Berlin steigt er auf 4,3 Prozent an, um auf ein Minimum in der Provinz Sachsen auf 0,25 Prozent zu fallen. Für uns Juden kann man sagen, liegen die Verhältnisse im allgemeinen so, je dünner in Gebietsteilen die jüdische Bevölkerung ausgebreitet ist, umso fruchtbarer ist der Boden für den Antisemitismus. Im Vergleich zu 1910 haben die Juden hauptsächlich infolge Rückwanderungen aus den abgetretenen Provinzen eine Kleinigkeit zugenommen, ihre Zahl beläuft sich auf 403 969 gegen 366 876 im Jahre 1910, aber der Zuwachs entfällt hauptsächlich auf die Großstädte über 100 000 Einwohner, in denen 1910 rund 250 000, 1925 aber 295 000 Juden wohnten. Der preußische Jude ist demnach Großstädter par excellence, und bedauerlicherweise leidet darunter seine Entwicklung vom Bevölkerungs- Standpunkte aus gesehen. Während die Juden unter der Bevölkerung rund 1 Prozent ausmachen, bilden die ehelichen Geburten jüdischer Eltern nur 0,65 der Gesamtgeburten im Jahre 1925, von 100 Gestorbenen in Preußen waren aber 1,23 Prozent jüdischer Konfession. Aus dieser Gegenüber- Stellung ist ersichtlich, daß die Bevölkerungsbilanz bei den Juden eine passive ist und nicht erst im Jahre 1925, sondern mit Ausnahme von zwei Jahren seit Beginn des Weltkrieges im Jahre 1914. Noch manche andere Hinweise auf jüdische Belange aus der Bevölkerungsstatistik sind in dem preußischen Jahrbuch zu finden, so daß wir das Jahrbuch jedem, der sich mit jüdischer Statistik beschäftigt, als gutes Quellen material empfehlen können. Auch das amtliche Quellenwerk, enthaltend die Statistik derLandesuniversitäten und Hochschulen Preußens in den Heften 279, 281, 285 und von 1927 für die Zeit von 1924 bis 1927, gestattet einen Einblick, wie es um den akademischen jüdischen Nachwuchs in den Nachkriegszeiten beschaffen war, und besonders das letzte Heft für das Winterhalbsemester von 1926/27 ist dadurch bemerkenswert, daß in ihm auch die Konfessionalität der Rei chs auslände r berücksichtigt wird. Der uns zur Verfügung gestellte Raum legt uns Beschränkung in unseren Mitteilungen aus dem umfangreichen Zahlenwerk auf, und wir Legnügen uns, die Hauptergebnisse anzuführen. Jahr Studenten Studentinnen davon jüdisch männl. weibl. Winter-Semester 1924/25 26 526 3475 1512 389 Sommerhalbjahr 1925 27 747 3639 1336 340 Winter-Semester 1926 31 014 4502 1424 372 Winterhalbjahr 1926/1927 31 826 4836 1581 438* * (davon Ausländer 346 bzw. 100) Aus diesen Zahlenreihen ist ersichtlich, daß im Gegensatz zu der Gesamt- Studentenschaft Preußens wohl infolge des Notstandes des jüdischen Mittel- Standes das jüdische Studententum beiderlei Geschlechts seit dem Winter- Semester 1924/25 sich in absteigender Linie bewegt, erst im letzten Semester 1926/27 werden die Zahlen von 1924/25 erreicht oder überholt. Ob dazu die Reichs ausländer beigetragen haben, läßt sich aus dem vorhandenen Material nicht feststellen. Wie sich die jüdischen Studenten auf die einzelnen Fakultäten verteilen, ist zwar sehr interessant, aber das eingehende Studium der Zahlen muß den Interessenten überlassen bleiben. Die geringeren Anteile der jüdischen

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