Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 442 (sequence 4)
- Language
- German
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442 Hörer auf den sonstigen Hochschulen Preußens findet man auch in dem Quellenwerk angegeben. Zum Schluß sei noch kurz auf die Statistik der Stadt Riga in Lettland hingewiesen. Insgesamt zählt Lettland über 1y2 Millionen Einwohner, wobei die 79 644 Juden etwa 5 v. H. bilden und als Nation gelten. Nach der Zählung von 1925 weist die Hauptstadt von Lettland, Riga, 306 401 Einwohner auf, von denen auf jüdische Männer und Frauen 18 260 bzw. 21 239 oder 11,6 Prozent der Gesamtbevölkerung entfallen. Der Ueberschuß der Frauen über die Männer ist ganz erheblich. Die jüdischen Anteile sind seit den letzten dreißig Jahren sehr gewachsen und haben sich mehr als verdoppelt. Auch dieses Zahlenwerk dürfte das Interesse für jüdische Entwicklung in einer Großstadt des Auslandes erwecken. Julius Rothholz. Richard Krautheimer: Mittelalterliche Synagogen. Frankfurter Verlags-Anstalt A.-G., Berlin 1927. (Gr. 8°, 284 S. mit 100 Äbb. Preis 16, geb. 19 Rm.). Der Verfasser ist auf dem Gebiete des Sakralbaues kein Neuling; seine Publikation über die Kirchen der Bettelorden in Deutschland (1925) ist in Fachkreisen bekannt. — Im vorliegenden Werke hat sich K. der dankenswerten Aufgabe unterzogen, das bisher zerstreute, spärliche Material über den Synagogenbau zu sichten und systematisch geordnet zu verwerten, in einwundsfreier wissenschaftlicher Form. Nach dem ungewöhnlich umfangreichen Literaturnachweis zu schließen, hat K. tiefgehende Studien der gesamten Materie vorangehen lassen und kaum eine Quelle übersehen. Wo dies geschah, mag es aus dem Umstande erklärt sein, daß er weder die einschlägige technische Literatur kannte noch sich von einem Techniker hinreichend beraten ließ. Es muß hervorgehoben werden, daß gerade die Architektur des Mittelalters so innig mit technischen und statischen Fragen verankert ist, daß sie dem reinen Kunsthistoriker nur zu leicht Fallen stellt. Nur so möchte ich die Fehlschlüsse an einzelnen Stellen der Arbeit erklären, die für die Geschichte des Synagogenbaues mehr systematischen als Forscherwert besitzt. K. bringt auch keine Synagoge, die nicht bereits in der Literatur bekannt gewesen wäre; indessen bereichert er diese durch 10 eigene Aufnahmen von Grundrissen und Situationsplänen. Weitere 28 Abbildungen sind teils in der Literatur bisher nicht vertreten oder in wenig bekannten Werken verstreut vorhanden gewesen; auch sie stellen eine wertvolle Bereicherung zur Kenntnis der Materie dar. — K. behandelt zunächst in geistvoller Weise das Kapitel ״Religion und Kunst“. Er setzt sich in diesem auch mit der Frage einer angeblichen Kunstfeindlichkeit des Judentums auseinander und bringt hier Parallelen mit der Stellung des frühen Christentums und des Islam in deren Einstellung zur Kunst. Auch die Sonderstellung des Ostjudentums und dessen Aktivität in künstlerischen Fragen wird behandelt, in knapper und dennoch tiefgründiger Form. Das 2. Kapitel des Buches behandelt die antike Synagoge. Ob es durchaus notwendig war, das Werk mit diesen Betrachtungen zu belasten, die ihren Bildstoff zumeist aus dem Werke von Kohl-Watzinger schöpfen, sei dahingestellt. Denn wenn zweifellos diese galiläischen Synagogen als Vorläufer der mittelalterlichen zu werten sind und deren Grundriß, Bausystem und Einrichtung hier zu besprechen waren, so erschien die eingehende Beschreibung der Ornamentik und ihrer Parallelen im Hellenismus gewiß entbehrlich. Nicht unähnlich steht es mit der Frage, ob es notwendig war, im Hauptkapitel des Buches — es beginnt erst auf Seite 79 — die M i kw eh zu behandeln. Bekanntlich ist das rituelle Bad erst im 18. Jahrhundert in das Raumprogramm der Synagoge aufgenommen worden, auch da nur aus Gründen äußerster Raumbeschränkung. Das Mittelalter kennt die M. nur als selbständigen Bau, völlig losgelöst vom Baukörper der Synagoge. Es liegt also hier ein Widerspruch mit dem Titel des Werkes vor. Nun könnte man wohl darüber gern hinweggehen, umsomehr, als eine zusammenfassende Abhandlung über diese hochbeachtlichen Bauwerke in der Literatur bisher fehlte. Aber dann hätte K. sich der Mühe unterziehen müssen, sämtliche Mikwaot des Mittelalters anzuführen statt sich auf das Material zu beschränken, das ihm die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler zur Verfügung steilen konnte. K. war offenbar nicht bekannt, daß sich die Preußische Ministerialzeitschrift ״Denkmalpflege“ in den Jahrgängen 1902, 1909 und 1914 in überaus aus-