Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 4 · p. Seite 440

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 4
Article
[Rezension]
Date
1928-01-01
Page
Seite 440 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2829132-2829951-2829956-2834777--48516-2834909
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

440 Altersaufbau und vielen anderen Gesichtspunkten wird tabellarisch nach Ländern geordnet betrachtet, und für den Laien selbst wird dieses Zahlen־ material lesenswert sein, geschweige erst für Fachleute. Wir möchten aber die Aufmerksamkeit besonders auf den 18. Abschnitt des Jahrbuches lenken, der sich mit den Religionsbekenntnissen der Großstädter beschäftigt. Für die deutschen Großstädte sind schon die Resultate der Volkszählung von 1925 berücksichtigt. Die absoluten Zahlen dürften aus den Veröffentlichungen der Presse bekannt sein, deshalb begnügen wir uns mit der Wiedergabe der relativen Zahlen. An erster Stelle steht Frankfurt a M., wo auf 100 Einwohner 6,34 Juden kommen, ihm schließt sicn Berlin an mit 4,29, Breslau mit 4,17, um dann in Bremen bis auf 0,45% herabzusinken. Wenn auch in den deutschen Groß- Städten sich das deutsche Judentum konzentriert, so werden die Prozentsätze der deutschen Juden als Großstädter übertroffen von Wien, wo jeder 10. Einwohner ein Jude ist, in Sofia, wo die Juden 11,06% ausmachen, in Budapest, wo sie auf 23,20 ansxeigen, und in Warschau und in Lodz, wo sie ein Drittel der Gesamtbevölkerung bilden, während ihre Prozentsätze in den italienischen Großstädten nach den Ergebnissen von 1911 nur zwischen 0,37 in Genua und 1,26 in Rom schwanken. Der Verfasser hofft in späteren Bänden, die regelmäßig erscheinen sollen, noch ein reicheres Vergleichsmaterial bringen zu können und dann durch erklärenden Text das Zahlenwerk ins richtige Licht zu setzen; wir wünschen, daß seine Bestrebungen von Erfolg begleitet seien, und das Jahrbuch möglichst bald wieder erscheinen möge. 2. Das jüdische Jahrbuch von Groß Berlin erscheint zum 2. Male und hat gegenüber dem Vorjahr eine wesentliche Bereicherung erfahren, und sein Herausgeber rechnet es als seinen Vorzug an, daß namhafte Autoren, prominente Vertreter verschiedenster Richtungen und Arbeitsgebiete, zu aktuellen jüdiscnen Fragen, insbesondere zu Problemen des Berliner Judentums und der Berliner jüdischen Gemeinde zu Worte kommen. Ob das ein Vorzug des Jahrbuches ist, lassen wir dahingestellt sein, als Nachschlagewerk mit dem ausführlichen Sachregister ist es sehr brauchbar. In Berlin sind 6 Gemeindesynagogen nach altem und 5 nach neuem Ritus vorhanden, aber neben diesen offiziellen Gotteshäusern sorgen zahllose Vereine für den Kultus, die besonders im Zentrum stark vertreten sind, aber auch in fast allen Vororten des Westens, wo die Gemeinde noch nicht zu bauen imstande war. Am zahlreichsten findet man Betsäle und Synagogen in der Grenadierstraße, wo einschließlich der andern Straßen im Scheunenviertel mehr als 10 Betlokale meist für das Ostjudentum existieren. Dort herrscht wohl das regste jüdische Leben innerhalb Berlins, was hiermit festgestellt sei. Einen Mangel des diesmaligen Jahrbuches sehen wir darin, daß die Ergebnisse der letzten Volkszählung, die 1927 veröffentlicht wurden,, nicht erwähnt sind, überhaupt schneidet die Statistik sehr schlecht ab, aber dem dürfte in den folgenden Jahrbüchern wohl abgeholfen werden. 3; Herr Kuhn hat vor Angehörigen des Mittelstandes Vorträge gehalten und dem Wunsche seiner Hörer folgend seine Probleme und Folgerungen in der vorliegenden Broschüre zusammengefaßt. Weltbewegend sind seine Ausführungen nicht, aber wir glauben, daß sie seinen Hörern gefallen haben, und wir wünschen dem schön ausgestatteten Büchlein einen guten Erfolg, ohne damit sagen zu wollen, daß wir mit allen Folgerungen des Verfassers einverstanden sind. 4. Als die ״Berliner Bewegung‘6 unter Stöckers Leitung ihren Höhepunkt erreichte, wandte sich der alte Sanitätsrat Dr. S. Neumann, ein hervorragender Gelehrter und Mitbegründer des Berliner Statistischen Amtes, mit scharfen Worten ,,gegen die Fabel von der jüdischen Masseneinwanderung“ und er schloß seine Flugschrift aus dem Jahre 1880 mit den heute noch zu beherzigenden Ausführungen: ״Nicht in dem günstigen oder ungünstigen, sondern in dem wahrhaften Zeugnisse, welches die Statistik ablegt, liegt ihre ganze segensreiche Bedeutung. Sicherlich haben die Juden keinen besonderen Grund, die Statistik zu fürchten, ganz gewiß dürfen und sollen sie die statistischen Ergebnisse auch für ihr gutes Recht geltend machen, aber vor allem sollen sie auch der unliebsamen Wahrheit, welche die Statistik etwa bekunden mag, sich nicht verschließen.“ Gewiß sind in den letzten Jahrzehnten eine Reihe von hervorragenden Statistikern und Mathematikern aus dem Judentum hervorgegangen, aber die jüdischen Großgemeinden, die doch sonst auf Autoritäten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.