Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 4 · p. Seite 425

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 4
Article
Zur Gottesnamenfrage
Date
1928-01-01
Page
Seite 425 (sequence 25)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829951-2829956-2834768--48484-2834894
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

425 Schließlich müssen wir noch eine Stelle betrachten, in der unser hebräischerText einer allzu wörtlichen Interpretation von Hosea ^18 ff. zu verdanken zu sein scheint. Der Ausdruck "איש מלחמה" ,,Mann des Krieges“ Ex 153 ist uns aus häufiger Wiederholung geläufig, aber wenn er näher geprüft wird, so berührt er uns unangenehm. Konnte der Dichter wirklich das Wort ,,Mann“ auf den Gott Israels angewendet haben? Waren die Quellen der hebräischen Sprache so arm? Wir alle wissen wie oft פעל gebraucht wurde, gerade mit diesem Substantiv, um Krieger auszudrücken. Können wir umhin zu sehen, daß dies unendlich angemessener hier wäre als unser jetziger Text? Soweit haben wir uns hauptsächlich mit der Entfernung von Baal beschäftigt. Aber wir haben gesehen, daß jedenfalls Gen 16u und 13 El oder Elohim unter den Händen der Abschreiber eine Aenderung erfahren hat. Wenn Josef wirklich nur eine verkürzte Form von Josef-el ist, wie manche denken, dann muß 30u JW ein Substitut für El oder Elohim sein, was auch von der Septuaginta und Peschitto so gelesen wird. In Ex gibt es eine Stelle, wo JW mir unmöglich zu sein scheint, d. h. 424-26. Es läuft der Meinung, die man vom Gotte Israels hegt, gänzlich zuwider, zu glauben, daß irgend ein hebräischer' Geschichtsschreiber erzählt haben sollte, daß Gott einen Menschen •erschlagen wollte, aber es ihm nicht g e 1 a ng. Die Erzählung ist erst dann verständlich, wenn von irgendeinem übernatürlichen Wesen von geringerer Kraft ursprünglich erzählt wurde, d. h. von einem jener Elim, die nicht mit JW verglichen werden konnten; in ihrer jetzigen Form ist sie aber unverständlich. Wahrscheinlich war ein anderes Wort wie El oder Baal ursprünglich, dessen Entfernung nun für unsere Schwierigkeiten verantwortlich ist. Gen 16 enthält eine Stelle, die sehr viel zu denken gibt. In Vers 13 haben wir folgende Lesart הגם הלם ראיתי אחרי ראי mt xac yap evcdntov eldov htpdhxa poi LXX Profecto hic vidi posteriora (= אחרי) videntis me Vulgata Wenn man die griechischen und Vulgata-Texte vergleicht, kann man nicht umhin, sich Ex 3320 und 23 ins Gedächtnis zu rufen. Beide Texte sind Verstümmelungen. Die Septuagintastelle geht auf einen Text zurück, wonach Hagar das Gesicht irgendeines übernatürlichen Wesens sah (ein Ausdruck, der nicht mehr zu bedeuten braucht als ,,vor einem übernatürlichen Wesen erscheinen“). Im hebräischen Text und in der Vulgata ist ,,Gesicht“ in ,,Rückseite“ geändert worden. Im folgenden Vers haben die meisten Septuagintatexte für 00 לחי לאי eva>7uov (m 60) eldov aber dp und der lateinische Text stellen die ersten zwei Worte um. In 2462, 25u heißt die Quelle xopaaswx. Diese Tatsachen setzen uns zwar nicht instand, den Originaltext zu rekonstruieren, doch genügen sie um zu zeigen, daß die Abschreiber alles, was sie unter dem Einfluß von Ex 33 vorfanden, geändert haben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.