Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Gottesnamenfrage
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 423 (sequence 23)
- Language
- German
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423 Wenn wir zu dem pentateuchischen Bericht kommen, finden wir wieder Phänomene, die denen von Josua 24 ähnlich sind. Wenn wir in jenem Kapital ein Heiligtum in Schechem finden, so finden wir Gen 2522 f., daß Rebekka im Begriff ist, einen Gott zu befragen und auch Antwort erhält. Das soll sagen, daß es irgend eine Art von religiösem Personal gab. Wir treffen diese Tatsache in anderer Form in Gen 38 wieder, wo wir von einer Hierodule lesen1. Da es keinen organisierten JW־Kult gegeben hat, muß geschlossen werden, daß die ursprünglichen Berichte sich auf eine Gottheit bezogen, die in Kanaan verehrt wurde, und die Vermutung liegt nahe, daß das ursprüngliche Wort ,,der Baal“ war. Ebenso kann JW nicht der Name gewesen sein, der in der Form der Geschichte von Sodom und Gomorrha, wie sie Moses, Arnos usw. bekannt war, benutzt worden ist. Die Einwohner dieser Städte können nicht gegen eine Gottheit gesündigt haben, von der sie nie gehört hatten (Gen 1313). Baumgärtel zitiert Krätzschmars Ansicht in bezug auf Arnos 4!!• Er betrachtet Elohim als Bezeichnung ״für irgendeinen אלד,ים der Kanaaniter, mag es Baal oder ein anderer Gott gewesen sein.“ Baumgärtel wendet ein, daß ,,die lokalen Gottheiten der Kanaaniter schwerlich die Bezeichnung אלהים trugen, man würde viel mehr Baal erwarten2.“ Das ist es, was die von uns betrachteten Tatsachen uns als den Originaltext annehmen lassen und in den Zitaten in Arnos usw. scheint es, daß wir spätere Einsetzungen von seiten der Abschreiber für das Wort הבעל haben, gegen dessen Gebrauch zur Zeit der Propheten sich kein Widerstand zeigte. Auf dieselbe Weise können die Hinweise der Philister auf den Gott von Israel Gen 2728 ff. kaum die früheste literarische Form des Berichts darstellen (vergl. oben I). Und selbst beiläufige Ausdrücke flößen zuweilen Zweifel bezüglich unserer MS-Tradition ein. So wird Gen 2727 von einem Feld gesprochen, das von JW gesegnet ist; aber wissen wir denn nicht von Hosea 2, daß die Israeliten solchen Segen den Bealim zuschrieben, die sie in seinem Zeitalter als von JW unterschiedlich sich vorgestellt haben? Und würden sie nicht ihnen das zugeschrieben haben, was in unserem Text Gen 317 und 9 Jakob Elohim zuschreibt? 1 Die Aufmerksamkeit muß auf die Unebenheit gelenkt werden in Vers 15, wo Judah Tamar als eine זוכה nimmt und 21 f, wo wir plötzlich das Wort קדשה ״Hierodule“ finden, ohne irgend eine Stütze in dem vorhergehenden Bericht. Das scheint ein anderes klares Beispiel für das Prinzip der Abschreiber zu sein. Deut 2328 verfügt ״Es soll keine Hierodule unter den Töchtern Israels sein“. Tamar gehört durch ihre Heirat in diese Klasse, doch die Abschreiber konnten nicht zulassen, daß Judah sie für eine Hierodule hält und änderten das Wort zu זוכה. Wir sollten in 15 לקדשה einsetzen. Und wenn dies geschehen und anerkannt ist, daß JW in diesem Kapitel das Wort ״(der) Baal“ verdrängt hat, dann erhalten wir einen getreuen echten und einleuchtenden Bericht über die religiöse und soziale Lage von Kanaan im patriarchalischen Zeitalter, bevor das Gesetz sein Werk zur Erhebung der Menschheit begonnen hatte. In diesem Kapitel und in dem Berichte von Sodom und Gomorrha haben wir ein Bild von der inneren Zerrüttung der kanaanäischen Religion, das die Rechtfertigung der späteren israelitischen Eroberung und der Gebote, die vorhandene Bevölkerung auszurotten, bietet. 2 a. a. O. S. 60.