Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 4 · p. Seite 417

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 4
Article
Zur Gottesnamenfrage
Date
1928-01-01
Page
Seite 417 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829951-2829956-2834768--48476-2834886
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

417 Unter dem Einfluß des späteren Verses für ein ursprüngliches Bethel eingesetzt wurde, was noch als ein Teil eines zusammengesetzten Septuagintatextes erhalten ist. Jos $12 schreiben die orientalischen Handschriften בית און für Bethel, wozu Arnos 55 ובית אל יהיה לאון die Abschreiber veranlaßt hat. In diesem Falle sind beide Lesarten in hebräischen und griechischen Autoritäten noch immer geläufig. Euphemistische Ausdrücke wurden für Originalstellen eingesetzt, gegen die die Abschreiber eine Abneigung hatten. So entspringt die Anklage gegen Nabot in I Kön 2110 und 13, Gott und den König gesegnet zu haben (ברך) zweifellos der Abneigung der Ab- Schreiber, zu sagen, daß ihnen geflucht worden ist. Dasselbe trifft auf Hiob 15 (B xaxä , und Hiob 25 und 9 zu. Ein anderer Weg, über die Schwierigkeit hinwegzukommen, war, das Wort איבי einzufügen, wie z. B. I Sam 2522 (wo es der ursprünglichen Septuaginta unbekannt war und durch Origines unter einem Asterisk zugefügt wurde) und II Sam 1214. Jesaia 1918 wurde הצדק aus Haß gegen den Tempel von Onias geändert, auf den dieser Vers irrtümlich bezogen wurde. Statt dessen lesen wir jetzt ההרס (s. Kittel BH ad 10c). Ri 1830 wird der Enkel von Moses in einen Enkel von Manasse verwandelt aus Ehrfurcht vor dem Andenken des Gesetzgebers. II Sam 521 wurde ,,אלהיהם“ ,,ihre Götter,“ was in der Septuaginta und in I Chr 1412 noch erhalten ist, in ,,עצביהם“ ,,ihre Götzen“ geändert. An einer anderen Stelle1 habe ich zu zeigen versucht, daß in Jesaia 4419 אל eingesetzt werden sollte für ,,Greuel.“ Besondere Bedeutung muß den Fällen zugesprochen werden, wo das Wort Baal entfernt wurde. Hosea 28ג ff. wurde betrachtet, als verböte es seinen Gebrauch (vergl. Exodus 2B13). An und für sich war es ganz harmlos. Es bedeutet Herr, Besitzer, Gatte. Es wurde lange für den Gott Israels, ohne Anstoß daran zu nehmen, gebraucht, wie es aus Eigennamen wie Bealiah (I Chr. 126) hervorgeht. Die Tatsache muß betont werden, daß dieser Name sich bei den Juden noch bis zur Zeit von Darius II (424 bis 404 v. d. gew. Z.) findet2. Die Abschreiber hielten dies jedoch für nicht einwandfrei. So finden wir eine Anzahl von Fällen, wo statt dessen בשת ,,Schande“ gesetzt wurde. II Sam 1121 lesen wir Jerubbeshet für Jerubbaal im MT. Es ist wichtig darauf hinzuweisen, daß hier die Septuaginta das ursprüngliche Jerubbaal bewahrt hat. Dies zeigt, daß wenigstens in manchen Fällen die Ersetzung von Baal später erfolgt ist als die griechische Uebersetzung. Ferner muß berücksichtigt werden, daß Jerubbaal durch MT bewahrt worden ist nicht nur in Richter, sondern auch I Sam 12u, was zeigt, daß die Veränderung des Textes ein allmählicher Prozeß war. Andererseits hat der MT in Ri 9 Jerubbaal bewahrt, obgleich Spuren vorhanden sind, daß in einigen־ 1 Bibliotheca Sacra 1917 S. 481 ff. 2 S. Daiches: The Jews in Babylonia in tbe time of Ezra and Nehemia according to Babylonian inscriptions 1910 S. 17 and 27. Monatsschrift, 72. Jahrgang. 27

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.