Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Gottesnamenfrage
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 416 (sequence 16)
- Language
- German
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416 Septuaginta sich abgezweigt hatten; und es ist bemerkenswert, daß es viele Fälle gibt, in denen viel spätere Versionen, wie Aquila und Vulgata allein Lesarten bewahren, die auf einen anderen hebräischen Text zurückgehen. Der Verlauf scheint also folgender gewesen zu sein, daß, bevor die Massoreten ihre Arbeit getan haben, es weit weniger Einheitlichkeit in den hebräischen Codices gab, als es in den letzten tausend Jahren der Fall gewesen ist, und daß oft Lesarten, die als maßgebend angenommen wurden, in entlegenen Ländern erst viele Jahrhunderte nachdem die hauptsächlichsten Autoritäten sie aufgenommen hatten, in die Handschriften eingefügt wurden. So gelangen Wir zu zwei Schlußfolgerungen: 1. daß wir, um einen Text zu finden, der von der Ansicht der Jerusalemer Priesterschaft unabhängig ist, anderswo suchen müssen als in dem Consensus der hebräischen und samaritanischen Rezensionen, und 2. daß dank der relativen Langsamkeit, mit der der hebräische Normaltext alle möglichen Rivalen ausgelöscht hat, wertvolle frühere Lesarten in sogar späten Autoritäten, die sich von ihm unterscheiden, aufbewahrt sein können. Von den Versionen ist die Septuaginta bei weitem die bedeutendste. Die alte Geschichte ihres Ursprungs ist, wie offensichtlich, wertlos und die außerordentliche Verschiedenheit innerhalb ihres Textes und die gemeinsame Grundlage des hebräischen und samaritanischen Textes läßt vermuten, daß sie von einem Text übersetzt wurde, der in Aegypten lange zuvor geläufig gewesen war, und sich von den Ahnen der palästinensischen Kopien einige Jahrhunderte früher getrennt hatte. Diese Ansicht wird durch die Aehnlichkeiten des hebräischen Textes, der sich in dem Nash- Papyrus befindet, bestätigt1. Es wird jetzt nötig sein, sich einer anderen Klasse von Tatsachen zuzuwenden, die sich in bedeutendem Maße auf unsere Untersuchungen beziehen, d. h. jene Tatsachen, die beweisen, daß biblische Texte aus theologischen Gründen willkürlich durch Abschreiber oder Editoren verändert wurden. Zunächst nennen wir die הקוני פופדים, wo gemäß der Tradition der Text willkürlich durch die Abschreiber verändert wurde, z. B. in Gen 1822, Nu 1115, Nu 1212, I Sam 31S, Hiob 720 usw. Hier beanspruchen drei Tatsachen unsere besondere Aufmerksamkeit: 1. Veränderungen wurden sogar in der Thora selbst vorgenommen, 2. der samaritanische Text unterstützt MT gegen das Original und 3. in zwei Stellen (I Sam 313 und Hiob 720) hat die Septuaginta noch einen besseren Text behalten. Wegen des Textes ״Du sollst Gott nicht fluchen“ (Ex 2227) wollten die Abschreiber an ersterer Stelle nicht schreiben, daß Elis Söhne Elohim fluchten. Das beleuchtet die Mentalität, von der ihre Gelehrsamkeit ausging. Diese Mentalität treffen wir Schritt für Schritt. Ri 2! lesen wir von dem Engel, der nach Bochim kommt, aber der Name wird erst in 5 angegeben. Hier wird allgemein anerkannt, daß Bochim 1 Als Stützung dieser Ansicht über die Textgeschichte siehe The Expositor Sept. 1911 und meine Aufsätze in Bibliotheca Sacra April und Oktober 1914, Januar 1915, auf die bis jetzt keine Antwort erfolgt ist.