Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Gottesnamenfrage
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 415 (sequence 15)
- Language
- German
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415 Solche sind in aller Kürze die Betrachtungen, die sich ergeben, wenn man versucht, die Hypothese der Astrucschen Schule einer wissenschaftlichen Prüfung zu unterwerfen. In keinem Falle genügt sie den Erfordernissen des Forschers oder erhebt sie sich über das Niveau einer irrtümlichen und irreleitenden Vermutung. Ihre fast allgemeine Annahme als etwas Gültiges wird gewiß von der Nachwelt als eine erstaunliche Episode in der traurigen Geschichte der menschlichen Torheit betrachtet werden. V. Wir müssen also anderswo die Lösung unserer Probleme suchen. Ein Vergleich von Parallelstellen innerhalb und außerhalb des Pentateuch beweist, daß es eine Zeit gab, wo der biblische Text mit äußerster Freiheit behandelt wurde. Ganz kürzlich stellte ich den MT von Num 271214־ und Dt 324852־ Stelle für Stelle gegenüber1 und zeigte, wie verhängnisvoll der Vergleich der sogenannten literarischen Methode ist, d. h. die Zuteilung von gewissen Stellen zu besonderen Quellen oder Redaktoren auf Grund des Vorkommens von bestimmten Worten oder Ausdrücken. Der Fall ist wichtig, weil er vom massoretischen Pentateuch selber geliefert wird. Es gibt Apologeten der Quellentheorie, die anerkennen, daß in den späteren Büchern der Text mit großer Freiheit gehandhabt wurde, die aber behaupten, daß die Thora anders behandelt wurde. Hier im Bereich des massoretischen Textes finden wir Beispiele für solche Freiheit in bezug auf seine Ueberlieferung in einer Menge, die allein schon genügen würde, die ganze sogenannte literarische Beweisführung als erledigt gelten zu lassan. Es gibt auch Apolegeten der Quellentheorie, die behaupten, daß die Versionen zur Korrektur des hebräischen Textes außerhalb des Pentateuch benutzt werden mögen, daß aber innerhalb seiner Grenzen der samaritanische Pentateuch die Genauigkeit des MT im wesentliehen garantiert. Die Tatsache, daß in Nu 27 und in Dt 32 der MT in seinen außerordentlich tiefgreifenden Divergenzen vom samaritanischen Text unterstützt wird, zeigt, daß vor der Trennung dieser zwei Traditionslinien der Text mit großer Freiheit behandelt worden sein muß. In Wirklichkeit wird das gewöhnliche Werk der Bibelexegese unter einem Gesichtspunkt durchgeführt, der die vermeintliche Autorität einer Uebereinstimmung von MT und samaritanischem Text vernachlässigt. Jeder Forscher weiß, daß Lesarten, in denen die Septuaginta oder irgendeine andere Version von ihrem Text abweichen, von der heutigen Generation der Erklärer öfters bevorzugt werden. Diese Bevorzugung beruht auf soliden Grundlagen. Es gibt zahllose Beispiele, in denen gezeigt werden kann, daß vorhandene Varianten dem überlieferten hebräischen Text überlegen sind. Es scheint sogar, daß in der Hauptsache der gemeinsame Grundstock der massoretischen und samaritanischen Texte die Ansicht wiedergibt, welche die Priesterschaft in Jerusalem zu einer Zeit vertrat, lange nachdem die hebräischen Originale der 1 O. L. Z. 1927, 1 ff.