Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Gottesnamenfrage
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 412 (sequence 12)
- Language
- German
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412 bedürfen. Schon aus diesem Grunde sollte die Theorie aufgegeben werden1. 5. In Genesis findet sich viel Material, das zweifellos vormosaisch ist. Das beeinträchtigt die Quellentheorie auf zweierlei Weisen: a) Wenn wir das überwältigende Zeugnis der israelitischen Tradition annehmen, daß der Name JW zuerst Moses offenbart wurde, so kann das Wort nicht in irgendeinem vormosaischen Kontext ursprünglich sein. b) Es ist unmöglich, prämosaisches und mosaisches oder postmosaisches als das Werk eines einzigen Autors oder gar als das einer fortlaufenden Schule zu vereinigen. ad a). Wir haben neulich gesehen, daß Gen 38 vormosaisch ist2. Infolgedessen kann JW nicht das Wort gewesen sein, das ursprünglich für die betreffende Gottheit gebraucht wurde. Das wird durch den Gebrauch von קדשה, Hierodule, bestätigt, der auf die Verehrung eines anderen Gottes hinweist, vermutlich des Baal. Ueberdies sind die frühen J zugeschriebenen Berichte vorisraelitisch, wenn man sie im großen ganzen betrachtet. Die Geschichten vom Paradies und Sündenfall, Kain und Abel, Sintflut, Turm von Babel, Sodom und Gomorrha usw. reichen in dieser oder jener Form um viele Jahrhunderte vor das mosaische Zeitalter zurück. Sogar das Deuteronomium beruft sich auf Sodom und Gomorrha Deut 2922 und wir haben gesehen, daß die Reden des Dtr mosaisch sind3. Es ist eine durchaus unnatürliche Annahme, daß die Erzählungen, die den Hebräern altbekannt waren, zuerst in der Form übernommen wurden, in der wir sie in oder nach dem mosaischen Zeitalter finden. Es ist weit wahrscheinlicher, daß sie im wesentlichen in der von Moses und seiner Generation bekannten Form erhalten worden, sind und daß der göttliche Name anstelle eines anderen Wortes eingesetzt wurde. Und das wird durch den Charakter der späteren Hinweise bestätigt; denn im MT von Arnos 4U, Jesaias 13IS und Jer 5040 wird die Zerstörung Elohim zugeschrieben. Es wird auch durch die Tatsache wahrscheinlich gemacht, daß in der Erklärung von Babel, die in Gen 119 gegeben wird, JW einfach unmöglich ist. Entweder El, Elohim oder Baal (Bel) wird durch das Wort Babel dringend gefordert. Babel kann betrachtet worden sein als eine Zusammensetzung aus Bai (al) Bel oder vielleicht sogar Bai (al) el, aber nicht aus Balal mit dem Tetragramm. ad b) Gen 96 haben wir ein Gesetz betr. des Totschlägers, das älter ist, als das im Ex 21 etc. Wer Menschenblut vergossen hat — ganz gleich unter welchen Bedingungen — sollte getötet 1 Ein Beispiel mag gegeben werden. In der Vulgata zu Gen. 6!8־ kommt Deus viermal vor: 2 und 4 (im Ausdruck Filii Dei M. T.) 3, 5; und Dominus nur einmal (8). Der M.T. stimmt mit 2, 4 und 8 überein, aber er hat fünfmal JW 3, 5, 6 (Vulg. paenituit eum) 7 (Vulg. inquit) 8. Die Vulgata MSB und Editionen geben die Variante Dominus für Deus in 3 und Deo für Domino in 8. Es ist klar, daß, wenn der Vulgatatext die Grundlage der Arbeit geliefert hätte, die Analyse nie hätte gemacht werden können. (Ich folge der Vulgata-Genesis-Ausgabe von H. Quentin, 1926.) 2 MGWJ 1928, S. 122. 8 MGWJ 1928. S. 24—48.