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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 4 · p. Seite 411

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 4
Article
Zur Gottesnamenfrage
Date
1928-01-01
Page
Seite 411 (sequence 11)
Language
German
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411 sein Vorgehen findet man Gen 16n, wo er El einsetzt und 1613, wo er Elohim auf Grund einer Vermutung (die ursprünglich Wellhausen zu verdanken ist) einschaltet, obgleich beide J-Stellen sind. Eine solche Haltung kann nicht auf die Dauer eingenommen werden. Wenn es zulässig und richtig ist, vom massoretischen Text abzuweichen, dann ist der einzige wissenschaftliche Weg der, das ganze verfügbare Textmaterial zu benutzen und sich zu bemühen, aus diesem einen kritischen Text zu bilden. Erst wenn dies ohne jede Bezugnahme auf die Quellen oder irgend eine andere Theorie geschehen ist, bloß mit dem Ziel im Auge, zu dem friihstmöglichen Text zurückzuführen, aber nicht eher, mag es*, zulässig sein, zu ermitteln, ob irgendwelche Variationen in den Bezeichnungen für Gott etwa der Verschiedenartigkeit von Quellen#uzuschreiben ist. Was aber tatsächlich geschehen ist, ist weit anderes. Die höhere Kritik fing an die Quellen auf Grund des massoretischen Textes zu zergliedern. Als die Textkritiker protestierten, wurden sie zur Seite geschoben, und jetzt hat die ganze Zunft alles auf־־ geboten, um diesen Bau, der auf hoffnungslos morschen Fundamenten errichtet wurde, zu verteidigen. Kein Schritt zu einer wissenschaftlicheren Einstellung kann unternommen werden, ohne daß zugegeben wird, daß 175 Jahre hindurch ~ Theologen und Philologen einem Irrlicht nachgejagt haben. Nur ganz gelegentlich gibt es wirklich einen vernünftigen Grund, Elohim für JW zu setzen oder umgekehrt oder irgend einen dritten Ausdruck statt dieser beiden. Wir werden deshalb dazu geführt, uns in der Regel auf den äußeren Beweis zu verlassen. Sobald man zugesteht, daß hier nicht immer ein Verlaß ist, kann keiner sagen, wo er anzunehmen und wo er abzulehnen ist. Die bloße Tatsache, daß ein Wechsel in der Gottesbezeichnung so selten den Sinn oder die Form ändert, trägt zu der Ungewißheit wesentlich bei, denn es gibt unbestreitbare Stellen in denen MT nicht aufrecht erhalten werden kann. So ist die Lesart in 1613, die von Procksch mit Recht aufgegeben ist, ebenso sinnlos, wie wenn man sagen würde ״sie nannte den Namen des Hans, der zu ihr sprach usw.“ Wenn der Text hier falsch ist, obgleich er durch alle unsere Zeugnisse gestützt wird, so mag er auch an solchen Stellen falsch sein, wo kein bestimmter Grund dafür spricht, ihn aufrecht zu erhalten. Wenn wir uns zu den Tatsachen wenden, die uns durch die Textzeugnisse geliefert werden, so zeigen sich uns erstaunenerregende Divergenzen. Nach Schlögl1 kommt JW allein im massoretischen Text von Gen 4! bis Ex 37 einschließlich 148 mal vor. In 118 Stellen bieten andere Texte entweder Elohim oder beide Ausdrücke. Elohim allein findet sich 179 mal in Gen lx bis Ex 312 im MT. Andere Texte haben in 59 Stellen JW (beide Worte in 47). 20 mal im MT von Gen 24 bis 323 finden sich beide Worte, aber nur an einer Stelle (3!) wird es durch alle Texte bestätigt. Diese Ziffern sind zu eindrucksvoll, um eines Kommentars zu 1 Expository Times 20. 1909, S. 563.

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