Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Gottesnamenfrage
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 407 (sequence 7)
- Language
- German
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407 israelitischer Tendenzen. Die Aufmerksamkeit ist auf sehr verschiedene Probleme gerichtet — so bezüglich des legitimen.Ursprungs der Monarchie, Wahl der Dynastie, Uebertragung des Hohenpriester־ tums usw. In Richter wieder ist die Rolle, die der Stamm Juda spielte, so geringfügig, daß man die Ansicht ganz ausschalten muß, als ob ein Autor, der diesem Stamm angehörte, irgendeinen Anteil an der Komposition der hauptsächlichen Berichte hätte. Die in dem Buch ausgedrückten Tendenzen sind ganz verschieden. Man bemüht sich, Ephraim zu diskreditieren, und die Taten von Sebulon und Naphtali zu verherrlichen. Ihr besonderes Hervorragen in Ri 4 bis zur gänzlichen Ausschließung der anderen Teile von Israel zeigt eine Neigung, eine große nationale Tat zu einem Sieg dieser zwei Stämme zu reduzieren; und in gewissen Teilen der Geschichte von Gideon finden wir sie wieder in erster Linie stehen (Ri 635, Ri 723 Naphtali und Ascher). Andererseits wird nicht nur Ephraim, wie andere Stämme, in Ri 4 übergangen: die Berichte von Gideon und Jephtach sind bemerkenswerterweise geradezu ihm feindlich. Die Sympathien und Antipathien, wie sie in Richter und Samuel ver־ teilt sind, sind so dem, was die J und E Theorie fordert, völlig unangemessen. 3. Es ist bemerkenswert, daß sehr wenige der Argumente, die im Falle des Pentateuch und Josua zur Rechtfertigung der Quellen־ theorie vorgebracht werden, für die späteren Bücher entsprechend anwendbar sind. Dies und die daraus folgende Beweisführung kann hier nicht ausführlich dargestellt werden. 4. Eine Prüfung solch doppelter Berichte, wie wir sie in Samuel finden, lehrt uns, daß die ganze Haltung der Quellenkritiker zur Frage des Stils eine vollkommen falsche ist. Wir haben hier zwei Autoren, die in einem so ähnlichen Stil ihre Berichte abfassen, daß keiner eine Analyse im Vertrauen auf dieses Merkmal unternehmen konnte. Viele alte Schriftsteller konnten nach Belieben ihren Stil ändern und taten es auch1. Hier wie auch sonst haben die Quellen־ theoretiker auf recht morschen Fundamenten gebaut. 5. Die alten Versionen zeigen, daß der Text mit einer Freiheit behandelt wurde, wovon die Quellentheorie jedoch keine Notiz nimmt. Das trifft im allgemeinen und auch auf den besonderen Fall der Gottesbezeichnungen zu2. 6. Wir haben in II. gesehen, daß ein Vergleich der vorhandenen Parallelberichte in Samuel-Könige und Chronik zeigt, daß viele der Phänomene, die zu Schwierigkeiten Anlaß gegeben haben, der Tatsache zuzuschreiben sind, daß das, was ursprünglich ein einziger Bericht war, jetzt in zwei Formen vorliegt, d. h. daß das genaue Gegenteil des Prozesses, den die Quellenkritiker sich vor־ stellten, uns Dokumente gegeben hat, die durch den verschiedenen Gebrauch der Gottesbezeichnungen charakterisiert sind. 7. In V, werden wir sehen, daß es überzeugende Gründe für die Ansicht gibt, daß tatsächlich das Wort ,,(der) Baal“ in den Originaltexten der historischen Bücher üblich war. Das würde die . 1 Vgi. MGWJ 1928, S. 304. 2 Das gilt ebenso auch von anderen Büchern.