Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Gottesnamenfrage
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 406 (sequence 6)
- Language
- German
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406 erklären, so ist es nicht besser bestellt, wenn wir versuchen, diese Hypothese zur Erklärung der Zusammensetzung dieser Bücher heranzuziehen. Der erhobene Anspruch wird von Holzinger mit folgenden Worten formuliert: ,,Mehr und mehr dringt die Erkenntnis heran, daß die Quellenwerke der ältesten Schicht sich nicht auf die Vorgeschichte Israels beschränkt haben, sondern, daß das, was im Pentateuch und Josua steht, die Einleitung oder der erste Teil von Darstellungen der Geschichte Israels ist m. a. W., daß die Quellen J und E auch in Ri Sa und noch in den Königsbüchern weiterfließen“1. 1. Eine sehr flüchtige Prüfung des in den historischen Büchern enthaltenen Materials zeigt schon zur Genüge die Unmöglichkeit dieser Ansicht. Diese umfassen Berichte, deren Ursprung um Jahrhunderte voneinander getrennt sind. Sie enthalten z. B. Berichte, die geschrieben wurden, als Jerusalem und Gezer noch nicht israelitisch waren. Wie konnten diese von jemanden verfaßt worden sein, der einen Bericht über die Reichstrennung oder über die Regierung von Ahas oder Hiskia zu schreiben daran ging? Oder wer wird glauben, daß der große Autor, dessen Werk die Basis für II Sam bildet, und der es gerade nach Salomons Thronbesteigung abschließt, zu einer Zeit lebte, die ihm hätte erlauben können, die Geschichte späterer Zeitalter zu schreiben? Vor Richter und nach I Könige 2 findet sich keine Spur von ihm2. Augenscheinlich beruht sein Werk auf zeitgenössischen Kenntnissen. Seine Individualität ist genau ausgeprägt, besonders in der Schilderung von untergeordneten Persönlichkeiten; aber nach dem Beginn von Salomons Regierung verschwindet dieses Merkmal so gut wie gänzlich aus der historischen Urkunde. Außer im Falle der Könige und Propheten verlieren sich die Individualitäten im Lauf des Berichtes. Wie kann also angenommen werden, daß dieser Autor in der späteren Geschichte teilgenommen hat? Oder wie kann die Ansicht vertreten werden, daß er ein bloßes Mitglied irgendeiner Richtung war, die Jahrhunderte lang gewirkt hat? Nur eine Exegese, die völlig Bankerott gemacht hat, konnte zu der Annahme führen, ihn als ein bloßes Glied in einer Reihe von schattenhaften algebraischen Ausdrücken wie J1, J2 . . . ., E1 und E2 etc. zu betrachten. Wenn es je einen Meister eines eigenartigen individuellen historischen Stils gegeben hat, dessen Persönlichkeit nicht in der einer Schule aufgehen konnte, so finden wir ihn hier3. 2. Die historischen Bücher unterstützen nicht die Theorie von einer Kompilation aus judäischen und ephraimitischen Dokumenten. Die Bücher Samuel enthalten überhaupt keine Andeutungen nord- 1 H. Holzinger in Kautzsch — Bertholet: Die Heilige Schrift des Alten Testaments, 4. Aufl. 1922, S. 3; wenn wir uns im folgenden auf Holzinger beziehen, meinen wir stets diese Ausgabe. 2 Es kann gezeigt werden, daß er der Autor des meisten von Ri 9 und gewissen anderen Teilen von Ri und Sam ist. 3 Genaue Prüfung der Tatsachen macht es wahrscheinlich, daß er entweder der Prophet Nathan selbst war oder irgendwer sonst, der in enger Beziehung und Sympathie zu ihm stand.