Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Gottesnamenfrage
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 404 (sequence 4)
- Language
- German
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404 der weiten Verbreitung des JW-Gottesdienstes sowohl dem Autor oder Autoren von Ex 3410-26 unbekannt waren, wie auch allen Propheten und Schriftstellern des vorexilischen Zeitalters. II. Obwohl die Tatsache gewöhnlich außer Betracht gelassen wird, wenn die Anhänger von J, E usw. ihre Hypothesen verfechten, so ist es doch sehr bekannt, daß in den Parallelstellen von Sam-Könige und Chronik und in gewissen doppelten Psalmen die Bezeichnung für Gott nicht einheitlich ist. Es ist bemerkenswert, daß der Prozeß hier das genaue Gegenteil von dem ist, was die Kritiker im Pentateuch annehmen. Anstelle einer einzigen zusammengesetzten Er- Zahlung, die sich aus einem J und einem E ergeben, finden wir, daß ein einziges Dokument das Aufkommen von zwei veranlaßt hat, die in bezug auf den Gebrauch von JW und Elohim voneinander abweichen. Diese Tatsache spricht nicht zu Gunsten der Quellentheorie. Sie beweist, daß die Ueberlieferung der göttlichen Namen, aus welchem Grund auch immer, nicht ohne Aenderung erfolgt ist. Der ursprüngliche Autor der Geschichtsbücher und Psalmen kann nur ein Wort, entweder Elohim oder JW oder irgend einen dritten Ausdruck an jeder Stelle, benutzt haben. Unser Material kann unmöglich seine ipsissima verba, wo es in zweifacher Form vorhanden ist, in mehr als einen! von beiden Fällen behalten haben; und wenn er ein drittes Wort an irgendeiner Stelle schrieb, so haben sie seine Sprache überhaupt nicht behalten. Das sollte an sich schon zur Vorsicht mahnen, wenn man von den Bezeichnungen im Pentateuch spricht. Was die Psalmen anbetrifft, so ist die Theorie von J. P. Peters in einem ,,The Psalms as Liturgies“ 1922 betiteltem Werk angewendet worden, und es lohnt der Mühe, zu sehen, was er dort aus ihr macht. Die Richtigkeit dieser Theorie für den Pentateuch wird als unzweifelhaft angenommen, und er ist der Ansicht, daß wir in den Psalmen eine frühe judäische Sammlung von Liturgien oder Psalmen vor uns haben, die wie J durch den Gebrauch des Namens JW charakterisiert ist, weiter eine frühe elohistische Sammlung aus israelitischen Heiligtümern, wie E, durch den Gebrauch von Elohim charakterisiert, und eine Sammlung, die ihrem Ur- Sprung und ihrer Zusammensetzung nach in gewissem Sinne dem Deuteronomium entspricht, nämlich die Gebete von David, des Sohnes Isais (51—72). All diese wurden zur Bildung eines Psalter für den Tempel in Jerusalem wohl auf dieselbe Weise und zu ungefähr derselben Zeit zusammengestellt, als J, E und D verbunden wurden. Dieser Psalter oder diese Liturgiensammlung bestand aus 1—■89. Später wurde 90—150 gesammelt und hinzugefügt. Sie entsprechen ähnlich in bezug auf Zeitpunkt und Charakter dem nachexilischen Buch der Gesetze und Altertümer der Juden. Geradeso wie wir in judäischen und israelitischen Gesetzen und Erzählungen Parallelen haben, die nicht voneinander herrühren, sondern Varianten desselben Originals sind, so haben wir in den judäischen und israelitischen Psalmsammlungen ähnliche Parallelen (14 — 53; 401370 17־) dieselben Liturgien in verschiedenen Versionen