Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Gottesnamenfrage
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 403 (sequence 3)
- Language
- German
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403 Wenn wir hier dem hebräischen Text folgen sollen, wie können wir die Beschwerden der Propheten erklären? Nicht weniger erstaunenerregend ist die Geschichte der Gibeoniter in II Sam 21. Sie gehörten nicht zu den Kindern Israels sondern waren Emoriter. Im Gegensatz dazu waren die Israeliten das Erbe von JW, welche man segnen lassen wollte. Doch sie wünschten sieben Abkömmlinge von Saul vor JW zu hängen ,,in Gibeon im Berge von JW“ (V. 5 siehe Kittel B. H. für den Text) und haben es auch tatsächlich so getan (V. 9). Waren sie also auch Verehrer von JW? Wenn ja, wie war es möglich, sich auf die Israeliten als sein Erbe im Gegensatz zu den Gibeonitern zu beziehen? Und stimmt diese barbarische Talionsstrafe und die monatelange Bloßstellung der aufgehängten Körper mit dem, was wir von seiner Verehrung wissen, überein? Beides ist durch das Deuteronomium ausdrücklich verboten (2416, 2123). Die Reden dieses Buches denken so wenig daran, JW sei durch die Emoriter verehrt worden, daß sie sich in Maßregeln für ihre Ausrottung erschöpfen und in der Sicherung der Israeliten vor Verunreinigung durch ihren Götzendienst. Es ist nicht zu viel gesagt, daß das ganze Deuteronomium unverständlich wäre, wenn die Verehrung von JW außerhalb von Israel bestanden hätte. Das Deuteron, steht mit dieser Haltung nicht allein, denn genau dieselbe Ansicht findet sich in anderen Teilen des Pentateuch, z. B. Ex 2320—33• Solchen Stellen ist außergewöhnliches Gewicht zuzuschreiben, weil sie Handlungen von drastischstem Charakter anbefehlen. Sie konnten einfach nie bestanden haben, wenn JW in Palästina außerhalb Israels verehrt worden wäre. Die ganze Basis der Mahnungen der Propheten, Geschichtsschreiber und Gesetzgeber ist die, daß unzweifelhaft JW nur Israel bekannt war und keinem anderen Teil der Menschheit. Doch nach der Ansicht der Quellenkritiker hatte J, den sie ־ als einen der größten Autoren, die je gelebt haben, ansehen, möglicherweise auch ein anderer Erzähler, L bezeichnet, ein Werk vollbracht, das vollständig den Propheten sowohl wie dem Autor der deuteronomischen Gesetzgebung und all ihren anderen vermeintlichen Gesetzgebern bekannt war (einschließlich J selbst oder irgendwem, der sein Werk in Ex 34 erweiterte). Diese stellt die Verehrung von JW in Palästina und anderswo lange vor dem israelitischen Zeitalter als üblich dar. Dies wurde durch frühe Erzählungen bestärkt, die sich auf eine post-mosaische Periode beziehen, so wie Jos 24, welche glaubten, daß ein Heiligtum für ihn in Schechem bestand. Trotz all dem fordern die Bemühungen aller religiösen Führer einen Tatbestand, der mit der Erzählung von J direkt im Widerspruch steht, und jener Autor selbst oder jemand, der sein Werk erweiterte, fordert die schärfsten Maßnahmen gegen die Bewohner des Landes ausdrücklich deshalb, weil JW ein eifervoller Gott ist und weil sie anderen Göttern dienten. Hier stimmt offenbar etwas nicht, was durch die Astruc’sche Methode nicht ausgeglichen werden kann. Das nackte Ergebnis ist ein J-Dokument zu schaffen, das in Ex 34 in hoffnungslosem Widerspruch mit sich selbst steht und auch mit einer Reihe von so großen schwerwiegenden und überzeugenden Aussagen, daß kein Zweifel entstehen kann, daß die Darstellungen von 26*