Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Judentaufen von Papst Klemens XI. 1704 in eigener Person vollzogen
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 399 (sequence 5)
- Language
- German
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399 und als sie beendet, wurden die Teilnehmer in die Kapelle des heiligen Nikolaus zurückgeführt. Inzwischen waren die Kardinale, Prälaten, Stadträte, Botschafter, Krönfeldherr Golonna und der Gouverneur von Rom, sowie alle diejenigen, welche am Feiertage dem Papste beizustehen pflegen, ebenso wie bereits auf dem Platze zwei Kompagnien Infanterie in Reih und Glied standen, und eine von Kürassieren, sowie die Schweizergarde ganz mit blankgezogenen Waffen, da eine unzählbare Menge Volk herbeigeströmt wTar, um die heilige Handlung in der vatikanischen Basilika zu sehen. Sehr schön anzuschauen war das zahlreiche Gefolge von Prälaten und dem Adel, welches den Hofstaat des Hochehrwürdigen Ottoboni bildete, ein Gefolge, daß man auf mehr als 50 Prälaten schätzte. Nach 17 Uhr langte dort mit ihrem königlichen Aufzug eines sechsspännigen Ehrenwagens, 5 Karossen Vor trab und 3 Gefolge die Königin von Polen in einem Gespann von 6 Pferden, umgeben von dem gewohnten Spahiskorps, und am päpstlichen Palast angekommen, ward sie dort von der Jüdin, welche ihre Majestät über die Taufe halten sollte, erwartet. Diese eilte ihr entgegen, gefolgt von der Schweizer Wache und begleitet von der obengenannten Herzogin, auf der nach Papst Klemens genannten Treppe. Hierauf setzte sie sich auf der linken Seite seiner Heiligkeit in Bewegung, um in den vatikanischen Tempel hinabzusteigen. Dort angelangt, setzte sich der Papst auf den Thron. Die Frau hielt eine große angezündete Kerze in der Hand; dann ward eine umfangreiche silberne Schale gebracht, und die Jüdin, von der obengenannten Majestät geleitet, wurde, vor dem Papste niederkniend, von ihm auf den Namen Maria Gasimira, demjenigen ihrer Majestät, getauft. Nach Beendigung dieser feierlichen Handlung begab sich seine Heiligkeit in die von dem berühmten Raphael gemalten Gemächer, um dann die 3 Getauften an der Tafel zu bedienen. Hierauf wurden inmitten der Wache der obengenannte Angelo und seine Tochter, welche beide ebenfalls brennende Kerzen hielten, herbeigeführt, um vor seiner Heiligkeit niederzuknien. Dann wurde der genannte Angelo vom Kardinal Ottoboni vor seine Heiligkeit geführt und niederkniend von ihm getauft, während von demselben Kardinal, der ihn im Namen des Großherzogs hielt, wobei er den Namen von dem der Familie seiner Heiligkeit Albani annahm. Links vom Vater kniete bereits die Tochter, welche ebenfalls vom Kardinal Ottoboni, jedoch im eigenen Namen, gehalten wurde und vom Papste mit heilbringenden Taufwassern gewaschen wurde, wobei ihr der Name Teresa Vittoria zuteil wurde, mit Anspielung auf den Namen der Kirche der seligsten Jungfrau, wo die Bekehrung stattgefunden hatte. Nach Beendigung der Taufe begab sich seine Heiligkeit in die Kapelle des Allerheiligsten; hierauf in die dem heiligen Gregor geweihte, setzte sich auf den eigens hergerichteten Thron und mit Chormantel und Mitra angetan, während die drei neuen Christen mit brennenden Kerzen niederknieten, ward ihnen von seiner Heiligkeit das Sakrament der Firmelung gereicht, wobei der eine vom Kardinal Spada und die beiden andern von den beiden Kardinalen Nerli und Ottoboni gehalten wurden. Hierauf wurden Mann und Frau von seiner Heiligkeit selbst ehelich verbunden. Sofort ward von den Musikern das Tedeum Laudamus angestimmt, während die drei solange knieten, bis seine Heiligkeit die Gebete beendet hatte. Vom Throne herabgestiegen, begab sich der Papst zum Altar, und mit den heiligen Gewändern angetan, zelebrierte er eine stille Messe, welche die