Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Judentaufen von Papst Klemens XI. 1704 in eigener Person vollzogen
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 398 (sequence 4)
- Language
- German
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398 maclite sich, das Zeichen des Kreuzes und sagte, sie wäre bereits überzeugt und wünschte Christin zu werden; ja, sie wollte sogar, wie sie der Mutter sagte, das Ende einer Messe, die gerade zelebriert wurde, sehen. Als nun unser heiliger Oberpriester Klemens XI. mit ungeheurer Freude die Bekehrung dieser drei Juden sah, beschloß er, sie persönlich im Vatikan zu taufen, und für diese feierliche Handlung wählte er den Tag des Heiligen Gregor des Großen, 12. März 1704, und befahl zur Beiwohnung an der feierlichen Handlung die Kardinale, den römischen Senat, die Botschafter, den Adel und alle diejenigen, welche der päpstlichen Kapelle beizuwohnen pflegen, davon in Kenntnis zu setzen, wie es denn auch geschah. Im Konsistorium, welches von seiner Heiligkeit am Montag den 10. des laufenden Monats abgehalten wurde, ward durch ausführliche Bestätigungsbulle derjenigen Pauls III. und Gregors XIII. angeordnet, daß alle Juden, welche Christen werden, ihre Güter behalten können und für ihren Anteil auch der väterlichen Erbschaft folgen müssen mit anderen Privilegien, die in der genannten Bulle verkündet werden. Dienstag früh sah man vor der Taufkapelle in der vatikanischen Basilika den päpstlichen Thron errichtet, und vor ihm einen Altar, auf dessen Seite ein Anrichtetisch für die silbernen Gefäße, wie sie bei solchen feierlichen Handlungen gebraucht werden. ' . Außerdem am Altar, dem großen Priester Sänkt Gregor, geweiht, auf der Seite der Orgel war ein anderer Thron errichtet mit den üblichen Bänken für die Kardinäle, und gegenüber vom Thron der Chor für die Musikanten mit andern vergitterten Logen zur Bequemlichkeit von Fürstinnen und anderen Damen. Es war bereits festgesetzt, der genannte Angelo sollte namens des Großherzogs Cosimo von Hochwürden Ottoboni, Vizekanzler der heiligen Kirche, die Frau des genannten Angelo von ihrer Majestät der Königin von Polen und ihre Tochter, ein junges ungefähr 16 jähriges Mädchen, im eigenen Namen des genannten Kardinals Ottoboni über die Taufe gehalten werden. Als Mittwoch Morgen herangekommen war, wurden Mutter und Tochter zum Vatikan geführt von der durchlauchtigsten Herzogin Mattei in ihrer hochadligen Karosse und vergoldetem Wagen, Ofen genannt, gefolgt von Lakaien und anderen Karossen vornehmer Herren. Es waren die genannten Jüdinnen gekleidet in weißem Damast, mit ihren Umhängen mit weißen Einfassungen, weißen Spitzenhauben, weiß niedrig, und darüber Häubchen aus weißem Taft, womit sie fast ganz bedeckt waren und sie wurden nach S. Peter geführt und in der Kapelle des heiligen Nikolaus von Bari aufgestellt, unter fortwährendem Beistand der nämlichen Herzogin und anderer Damen. Es kam, ebenso in weißen Damast gekleidet, der genannte Angelo in der genannten Karosse, begleitet von Don Annibale Albani, Neffe seiner Heiligkeit, und zwei Jesuiten Vätern, welche den genannten Herrn nie aus den Augen ließen; und nachdem sie ihn in die Kapelle des Gekreuzigten geführt, blieben sie daselbst, bis sie Nachricht erhielten, Monsignor Gozzolini im Bischofsgewand erwartete ihn zusammen mit zwei anderen Prälaten Olivieri und Corradini, in der Säulenhalle der Kirche auf der Seite der heiligen Türe, so daß sie sich unter Beistand der Schweizer Garde, mit der obengenannten Herzogin, Don Annibale und die Jesuitenväter dorthin verfügten. Nachdem alle mit gebeugten Knien dem obengenannten Prälaten ihre Reverenz erwiesen, ward die heilige Handlung des Katechismus vorgenommen,