Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Judentaufen von Papst Klemens XI. 1704 in eigener Person vollzogen
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 397 (sequence 3)
- Language
- German
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897 daß die Täuflinge die Namen ihrer hochadligen Taufpaten annehmen durften1. Der Bericht, welchen wir untenstehend veröffentlichen, trägt im italienischen Original folgende Ueberschrift: Relatione delle funtione fatte nel battesimo dato da nostro signore papa Clemente XI nella basilica vaticana, li 12 marzo 1704 a 3 hebrei, cioe moglie, marito et una lor figliola. Der Bericht befindet sich im Regio Archivio di Stato di Roma, Carte Santacroce, A 5, carta 57, das heißt aus dem Privatarchiv der adligen Familie Santacroce stammend. Wahrscheinlich würden andere Abschriften desselben in anderen römischen Bibliotheken und Archiven aufzufinden sein. Die Sprache sowie die Art der Darstellung sind die gewöhnlichen der Zeit. Wir haben sie in unserer Uebersetzung möglichst genau wiederzugeben gesucht. Bericht über die feierlichen Handlungen bei der Taufe vollzogen von unserm Herrn Papst Klemens XI. in der Vatikanischen Basilika, den 12. März 1704, an drei Juden, nämlich Frau, Mann und einer Tochter ג on ihnen, Angelo Nissim, ein Jude, ungefähr 35 Jahre alt, wohlhabender Geschäftsmann aus Livorno, Sohn des Elias, vom göttlichen Mitleid für das Wohlergehen seiner Seele berührt, hatte öfters Sehnsucht, das jüdische Gesetz zu verlassen, um sich mit dem Wasser der heiligen Taufe zu waschen, abgesehen davon, daß ihm häufig auch von Christen zugeredet wurde, seine Blindheit aufzugehen und die Augen dem Pfade der Gesundheit zu öffnen. Von neuem durch den Vater des Mitleids begeistert, beschloß er, dieses auszuführen. Nachdem er seine Absicht dem Großherzog (vonToscan a), seinem Souverän mitgeteilt, wurde er von diesem, mit Frau und Tochter an einem Orte, getrennt von den Juden untergebracht, um seinen Unterricht im heiligen Glauben Christi zu beginnen; und dann im Monat Januar 1704 wurden sie wohlbehütet nach Rom geschickt, um sie den Nachstellungen der anderen Juden zu entziehen, welche versuchten, sie von ihrem guten Gedanken abzubringen. Es hatte bereits der genannte Angelo, nicht ohne einige Mühe, noch bevor sie nach Rom gelangten, seine Frau gewonnen. Dort angekommen, bestimmte der Oberpriester, der eifrigste Seelenhirt, daß der Mann in das Probehaus der Jesuitenväter ginge, auf daß er dort in der Christlehre wohl unterrichtet und unterwiesen werde; und dessen Gattin und Tochter übergab er der Frau Herzogin von Gione Mattei, um sie unter ihrem Schutze mit Hilfe der Geistlichen in die Geheimnisse unseres heiligen Glaubens einzuweihen. Es blieb nur noch hartnäckig bei ihrem Irrtum die Tochter, weder durch das Beispiel der Eltern, noch durch die Ueberredung gelehrter und frommer Personen, — als die göttliche Güte, welche sich vorbehalten hatte, die Gunst zu erweisen, die Härte jenes Herzens zu erweichen, verfügte, durch Dazwischenkunft der unbefleckten Jungfrau, daß am Tage der Bekehrung (25. Januar) beide Jüdinnen in die Kirche der heiligsten Madonna della Vittoria geführt wurden, wo sie sich dem Weihwasserbecken näherten, die Mutter sich mit Weihwasser wusch, das Zeichen des heiligen JKreuzes machte und der Tochter zuredete, ein Gleiches zu tun. Wiewohl diese widerstrebte, tat sie ihre Hand in jenes Wasser, und fühlte sofort, wie sie selbst mir berichtet hat, ihr Herz sich von göttlicher Liebe entzünden, 1 Ferorelli, Nicola, Gli Ebrei nell’ Italia Meridionale, Torino 1915, S. 55.