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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 4 · p. Seite 394

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 4
Article
Eine angeblich korrupte Borajta
Date
1928-01-01
Page
Seite 394 (sequence 4)
Language
German
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394 (חלם) für magische Zwecke im Gebrauche waren, ist bereits anderweitig festgestellt1. 10. Neben diesen talmudischen Berichten können wir noch auf externe Quellen hinweisen. Erstens auf die Pistis Sophia2, die chronologisch unseren Quellen sehr nahe steht. Es wird nicht überflüssig sein, die ganze Stelle abzuschreiben. Jesus befindet sich mit seinem Vater, Joseph, im Weinberge. Während seiner Abwesenheit kam ein Geist herbei, den Maria für einen unheilbringenden Geist hielt. Um sich vor ihm zu schützen, bindet sie ihn an den Fuß der Bettstelle. Hier hat der Fuß des Bettes ebenfalls apotropäische Bedeutung, wie in den rabbinischen Quellen. Zu beachten ist auch das Zitat von Ps 13510 bei der Begegnung der beiden Erlöser, das gewiß auf eine jüdische Quelle zurückgeht3. Dasselbe Zitat und dieselbe Anwendung der Psalmenstelle ist jetzt auch in der neuen syrischen Biographie Johannes des Täufers, zu lesen4. 11. Ein Biograph Johannes des Täufers läßt Herodias folgendes sagen: O du Verfluchter, du hattest ohne Schamgefühl das Gesicht des Königs geschaut und ihm geantwortet, ich werde deine Augen entfernen mit meinen eigenen Händen und ich werde deine Zunge ausreißen, welche dem König sagte, daß es gegen das Gesetz sei, Herodias, seines Bruders Weib als Gattin zu nehmen. Was die Haare deines Hauptes und deines Bartes betrifft! — Die werde ich herausreißen und sie unter die Füße meiner Bettstelle legen5. Gewiß dachte die abergläubische Dame, daß sie sich durch das Legen der Haare unter den Fuß des Bettes gegen Strafe oder Rache wohl schützen kann. Es kann kein Zufall sein, daß sie die Haare auf diese Stelle legen will. 12. Schließlich sei noch auf einen mittelalterlichen Brauch hingewiesen/nach welchem die ,,mithelfenden Weiber“ (bei der Geburt!) eine schwarze Henne an den Fuß der Bettstelle banden. Auf diese wurde all das der Wöchnerin drohende Unheil abgelenkt6. Von diesen 12 Stellen zeigen 1, 2, 3, 9, 10, 11 und 12 ganz deutlich, daß die כלצי ל! מטח für magische Zwecke verwendet wurden. Es kann kein Zweifel darüber herrschen, daß dieses auch in den anderen Stellen der Fall sei. Dasselbe gilt auch von unserer Borajta. Für die Verwendung des Eis im Zauber und in der Magie fehlen auch nicht deutliche Angaben. Sowohl die rabbinische Literatur, wie auch die Volkskunde anderer Völker, primitiver wie zivilisierter, bietet genug Material, um diese Annahme zu beweisen. Das Ei ist 1 Siehe Marmorstein, Beiträge I in Grunwalds Jahrbuch I, 281 ff. ferner ZAW XXII, 1925, 119—124. 2 Vgl. Hans Leisegang, Die Gnosis, Leipzig 1924, 853 f. 3 Vgl. Angelos a. a. O. 4 Siehe Mingana, Bulletin of the John Rylands Library, Manchester, July 1927, S. 442. 5 Vgl. Mingana, The New Life of John the Baptist in Bulletin of the John Rylands Library, Manchester, Vol. XIII, 1927, S. 455 f. 6 Vgl. M. Höfler, Zeitschr. für österr. Volkskunde XV 85, J. Scheftelovdtz, Das stellvertretende Huhnopfer, Gießen 1914. RGW, XIV 2, S. 9, ferner P. Sartori, Sitte und Brauch, Leipzig 1911, 24 f.

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