Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Eine angeblich korrupte Borajta
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 395 (sequence 5)
- Language
- German
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395 ein Dämonen abwehrendes Mittel1, deshalb erscheint es im Totenbrauch2, im Hochzeitsbrauch3 4 5, als Reinigungsmittel in der xa&äpma* und in kirchlichen Handlungen6. Wir wenden uns zum Material in der jüdischen Literatur. Eine Borajta spricht von 6שדי שמן ושרי ביצים מותרין לישאול בחן. Frauen gebrauchen Eier für abergläubische Zwecke 7, ferner in der Volksmedizin8. Hilprecht fand Fragmente von Eischalen mit Inschriften in hebräischer Sprache, gewiß für Besch wörungszwecke9. Sie dienten als Beschwörungen gegen Haß10 oder Streit11. Archäologische Funde machen es klar, daß das Ei, wie auch ein ITuhn (vgl. den Fall des R. Josua ben Levi!) neben den Fuß des Bettes gelegt wurde um Zauberwirkung hervorzurufen. Die Borajta kann religionsgeschichtlich einfach, ohne Textänderung, erklärt werden. Judentaufen vom Papst Klemens XI» 1704 In eigener Person vollzogen. Von Prof. Dr. Ermann oLoevinson, Direktor des Kgl. Ital. Staatsarchivs in Parma. Noch hat es kein Kulturhistoriker gewagt, durch die Jahrtausende währende Geschichte Israels die äußeren Formen zu verfolgen, in denen sich der Austritt aus dem Judentum sowie der Eintritt in eine andere Glaubensgemeinschaft vollzog; und doch wäre eine diesbezügliche Nachforschung und Zusammenstellung nicht weniger anregend als belehrend. Spiegelt sich nicht in ihnen der Kulturgrad des Uebertretenden ebenso wie jener der Glaubensgemeinschaft, in welche der Uebertritt erfolgte, wieder? Während zum Beispiel in unseren Tagen der Uebertritt möglichst geheim gehalten ward und deshalb ohne großes Zeremoniell vorgenommen zu werden pflegt, war im päpstlichen Rom während des 18. Jahrhunderts gerade das Gegenteil der Fall. Man möchte in dieser Tatsache eine Analogie zu den aufdringlichen, mit Gewalt die Aufmerksamkeit auf sich ziehenden Barockfassaden der Kirchen, welche in eben dieser Zeit entstanden, erblicken. Das Haupt der katholischen Christenheit hoffte wohl auch dadurch, daß es eigenhändig die Taufhandlung vornahm, die Zahl der freiwilligen Neophyten zu vermehren. Von 1 Vgl. die Literatur bei Eugen M 0 g k, Das Ei im Volksbrauch und im Volksglauben in ZdVsfVk. XXV 222. Globus 34, 58; 89, 101 ff., Texte u. Unters. 39, S. 45, 53. 2 Ebenda S. 21ל; Küster, Schlange S. 75, 2. ARW 1908, 530. 3 Globus 60, 128; Ploss-Renz, Das Kind S. 4. 4 Rohde, Psyche II 4, S. 407. 5 Franz, Kirchliche Benediktionen I 590. 6 B. Sanh. 101a. 7 Tosefta 118, 4. 8 Pai. Sabbat 6, 9. b. Sabbat 67 3, worauf auch D. Golomb a. a. O. verweist, vgl. auch Levy, ZdVsfVk III 38 f. 9 Ex cavation in Assyria and Babvlonia, S. 418, cf. S. Daiches, Babylonian oil Magic, London 1913, 9, Anm. 2. 10 Gaster, Sword of Mosis, S. XV u. XXVI. 11 MS. Adler 3832, 30.