Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Eine angeblich korrupte Borajta
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 392 (sequence 2)
- Language
- German
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392 Der Fuß einer Bettstelle wird an folgenden Stellen in diesem Zusammenhänge gebracht: 1. Tosefta Sabbat, ed. Zuckermandel, S. 117, Z. 11, wo die דרכי האמרי aufgezählt werden:והקושר ברול בכרעי המטה שלחיה. Eisen an den Fuß der Bettstelle der Wöchnerin zu binden, ist verboten. Eisen ist ein wohlbekanntes Abwehrmittel gegen Dämonen, wie.Goldziher es ausführlicher in dem ARW, X 1907, 41 besprochen hat1. Die Borajtasammlung über die amoräischen Gebräuche bestätigt diesen Glauben auch sonst, vgl. Tos. 117, Z. 25, 26, und 118, 5. Ferner kennt auch der Talmud die Vorstellung, daß der böse Geist auf Eisen nicht ruht (B. Pes. 112a), aber wenn man Speise und Getränke unter dem Bett hält, so verliert sogar das Eisen seine abwehrende Kraft. Auch sonst findet sich die Angabe von der Dämonen abwehrenden Kraft des Eisens2. Wie lange solche Volks Vorstellungen leben, zeigt der von Lunz3 erwähnte Brauch, daß die Bewohner Jerusalems, die für längere oder kürzere Zeit ihre Heimat verlassen, um nach dem Auslande zu fahren, stoßen einen Nagel in die Kotei Maarabi. Der eiserne Nagel dient als Schutz gegen die Gefahren der Reise4. 2. Traktat Soferim5 verbietet den Gottesnamen auf das Horn einer *Kuh6 und auf den Fuß einer Bettstelle zu schreiben. Die Stelle lautet: על קרן הפרה או על כרעי המטה גוררו וגונזו. Der Gottesname wurde in Magie und Zauber allgemein gebraucht. Die talmudischmidraschische Literatur ist voll von Belegen, daß man in Schwur und Beschwörungen bis zum Schluß der amoräischen Periode das Tetragrammaton kannte und es für diese Zwecke öfters benützte7. 3. R. Joschua ben Levi gebrauchte zum Fluchzauber eine Henne, die er an den Fuß der Bettstelle band8, 4. Die Notabilitäten Roms benützten zuerst die Figur eines 1 Zu vgl. ist noch Beth Talmud V 298; Blau, Zauberwesen, S. 159; Hazofeh II 126, Abt. A; Die Apologie des Apulejus, S. 57 u. 86 f. ZdVsfVk. 3, 29; 5, 4; 18, 1908, 129; Samter, Geburt, Hochzeit und Tod, S. 23, 199; Rheinisches Museum, 60, 315; Wendland, P., Hell.-röm. Kultur, 124; Folklore I 487; Reitzenstein, Hell. Wundererzählungen, 3 ff.; Berliner, Aus dem innern Leben der d. Juden, 2. Aufl., S. 100; Byz. Zeitschr., V 171; Grimm, Aberglaube, Nr. 516;Tylor, Primitive Culture I 140; ARW 1905, 214; Studien und Kritiken 1866, 435; Montgomery, Aramaic In cantation Texts, 248. 2 Siehe Lev. r. 24, 3, schon von Blau zitiert, vgl. auch M. Lam. ed. Buber 63 f. ר׳ אבהד הוד, יתיב דריש בכנישתא מודח יתיד, (צ״ל מדורתיר.) דקפרין הדה חד בר נש טעין חדא קטו ובעי ממחא לחבריה והוד, ההוא מזיקא קאים בתריה ובידיה קטו דפרולא קם וצדייה, א~ל ר' אבד,ו מד, את מקטל חברך א״ל חמית בר כש מקטל חבריא בקטו׳ א״ל והא מזיקא קאיי בתדך טעי־ן קטיא דפרזלא ואת מחי בהדא והוא מחי־ ליה בהדא ומית♦ 3 Jerusalem I 28. 4 Vgl. auch über Aehnliches bei anderen Völkern ZdVsfVk. VIII S. 399. Glück oder Unheil bringende eiserne Nägel. 6 Soferin V. 13. 6 Siehe darüber ausführlicher in Marmorstein, Beiträge in Grunwalds Jahrbuch I 304 f. 7 Siehe Marmorstein, The Old-Rabbinic Doctrine of God I, London 1927, 39—40. 8 B. Ber. 7a, vgl. MGWJ 71, 1927, 44.