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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 4 · p. Seite 380

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 4
Article
Die Judenfrage im galizischen Landtag 1861 - 1868
Date
1928-01-01
Page
Seite 380 (sequence 2)
Language
German
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380 Juden im neueröffneten Landtage einen energischen Kampf für die Judenemanzipation auf, nun mußte auch die polnische und ruthenische Gesellschaft zu dieser Frage Stellung nehmen; in zahlreichen Land־־ tagsverhandlungen und Diskussionen, die auf Betreiben der rührigen jüdischen Abgeordneten angesetzt wurden, mußte man sich erklären. Mit dem Verlauf und Ausgang dieser Auseinandersetzungen wollen wir uns nun beschäftigen. Die Landtagswahlen. Mit den Oktober- und Februardiplomen von 1860 und 1861 erwachte in Galizien — wie in ganz Oesterreich — das politische Leben. Im Kampfe mit den zentralistischen Bestrebungen Schmerlings1 verließ am 31. XII. 1860 eine zahlreiche galizische Deputation Krakau, um dem Staatsminister in Wien die Wünsche und Forderungen des Landes mitzuteilen. Ihr schloß sich eine Deputation der Krakauer Juden an, deren Mitglieder gleich den polnischen Deputierten in national-polnisches Kostüm gekleidet waren2. Als aber die Wahlen für den Landtag heranrückten, wurde die Wahlfähigkeit der Juden beanstandet. Erst ein von den Juden beim Staatsminister erwirkter Erlaß Schmerlings vom 1. III. 1861, demzufolge ,,die Bedingung des Vollgenusses der bürgerlichen Rechte lediglich nach den einschlägigen Bestimmungen der bürgerlichen Gesetzgebung und ohne Einflußnahme beschränkender administrativer Vorschriften“ beurteilt werden sollte, beseitigte alle Zweifel in dieser Hinsicht3. Die jüdische Intelligenz trat in das polnische Wahlkomitee ein, das — ebenso wie der Lemberger Judengemeinde Vorstand — jüdischdeutsche Wahlaufrufe an die jüdische Bevölkerung Galiziens drucken ließ, mit der Aufforderung, Kandidaten der polnischen Nationalpartei zu wählen4. Im ganzen wurden für die erste Wahlperiode 1861—67 von 141 Landtagsabgeordneten 3 Juden gewählt, und zwar: in Krakau Dr. Liewa Simon Samelson5, in Lemberg Marek Dubs6, in 1 Oes terreichis eher Staatsminister im Jahre 1860. 2 Allgemeine Zeitung des Judentums“, Nr. 3 ex 1861. Vgl. auch ״Przegl^d rzeczy polskieh“ v. 16. 1. 1861. Die jüdischen Deputierten waren: Dr. J. Oettinger, die Herren Markusfeld und Gumplowicz. Nach Bartoszewicz: Geschichte Galiziens, S. 105, hat sich der galizischen Deputation, die aus 200 Mitgliedern der beiden katholischen Riten, des römischen und des griechischunierten, bestand, erst in Wien eine Deputation der ,,jüdischen Polen“ angeschlossen. 3 Vgl. dazu den Ausspruch Schmerlings in seiner Note an das Finanzministerium vom 5. 2. 1861. (Archiv der Ministerien des Innern und der Justiz in Wien. Faszikel IV, T. Anstellungsfähigkeit etc. ZI.'38 436 ex 1860): ,,.... ebensowenig wurde vor und nach dem Patente vom 31. 12. 1859 die den Juden nach den Gemeindegesetzen vom Jahre 1849 zustehende aktive und passive Wahlberechtigung in Zweifel gezogen.“ 4 ״A. Ztg. d. J.“ ex 1861. 5 Ein bekannter jüdischer Politiker in Galizien vgl. Feldmann W: Die Parteien und politische Programme in Galizien (poln.) Bd. I, S. 87—91, Krakau 1907. 6 Bekannter jüdischer Großindustrieller aus Lemberg. Wirkte jahrelang in Lemberg als Gemeinderat und. jüdischer Kultusgemeindevorsteher. Er betätigte sich auch literarisch und publizistisch in polnischer Sprache. Vgl.

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