Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 4 · p. Seite 367

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 4
Article
Zur Kosmologie der Agada
Date
1928-01-01
Page
Seite 367 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829951-2829956-2834763--48419-2834836
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

367 aus Zion, d. h. aus dem Licht geschaffen wurde. Warum aber nennen die Gelehrten den Stoff nicht bei seinem eigentlichen Namen? Weil man sich scheute, die Theorie, daß die Welt aus dem Licht geschaffen wurde, öffentlich vorzutragen* 1. Eine Stütze für diese meine Erklärung ist folgende Agada: ,,Und woher hat er sie (die Welt) erschaffen? Aus Zion, wie es heißt: Aus Zion, der Krone der Schönheit, d. i. die Krone der Schönheit der Welt. Was bedeutet הופיע? Er erleuchtete, denn הופיע bedeutet nichts anderes als Licht (erleuchten), wie es heißt: Er beleuchtet sie mit dem Lichte seiner Wolken (Job 37u). Und woher wissen wir, daß von der Schöpfung der Welt die Rede ist? Hier heißt es Krönung (Vollendung) מכלל und Gen 2! heißt es ויבולו es wurden gekrönt (vollendet) Himmel und Erde und ihr ganzes Heer. Aus dieser Wortanalogie ergibt sich, daß auch in der Psalmstelle von der Weltschöpfung die Rede ist2.“ Hier ist es also deutlich: Die Welt wurde von Zion aus geschaffen, und zwar aus dem Licht. So verstand unsere Stelle schon der Verfasser des Sohar Chadasch: ,,R. Rechumai sagt: Aus Zion der Krönung der Schönheit, von Zion aus wurde die Welt gegründet, wie es heißt: Ein Psalm Asaphs. Gott der Herr redet und ruft die Erde vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang. Und weiter heißt es: Aus Zion, der Krönung der Schönheit, strahlt Gott auf. Es sprach R. Simlai: Als Gott die Welt schaffen wollte, brachte er hinein Licht iSeXa^tps wird in der alten Uebersetzung mit ״fiel herein“, bei Clementz: ״leuchtete heraus“ wiedergegeben. Nach der ersteren Uebersetzung hat die Josephusstelle mit unserem Thema nichts zu tun, nach der zweiten gehört sie sicher zu unserer Frage; aber beide Uebersetzungen sind unberechtigt, £'/\נ0:ד1ןמ bedeutet weder ,,herein־“, noch ,,heraus־“, sondern ,,hervor-“, ,,aufleuchten“. (Ueber rabbinische Parallelen zu dieser Erzählung an anderer Stelle). 1 Tan. ed. Buber 10 § בראשית. R. Nathan b. Eleasar fragte den R. Samuel: Wie hat Gott die Welt geschaffen? Darauf antwortet er ihm: Als Gott die Welt schaffen wollte, hüllte er sich in Licht, wie es heißt (Ps 1042): Der sich in Licht hüllt wie in ein Kleid. Er sagte es ihm flüsternd. Er fragte ihn: Warum sagst du es mir flüsternd? Er antwortete ihm: Wrie ich es flüsternd empfangen, so gebe ich es flüsternd weiter. Ebenso wird die Erklärung der Schöpfung des Lichtes nur flüsternd mitgeteilt. Vgl. weiter unten S. 3 70, Anm. 2. 2 Mid. Ps. L, 1. Die Welt aus dem Lichte. — Im slawischen Henoch XLVII 5 (ed. Bonwetsch S. 48) heißt es: Wer hat ... die Sterne aus Feuer ausgehauen? — Im sogenannten nihilistischen System der Gnostiker (bei Schulz, Dokumente der Gnosis, S. 140) heißt es: Aber Gott bildete die Welt weder wie die Spinne das Gewebe, noch wie der Handwerker ein Geräte, sondern e r sprach und sie wurde; und das ist es, was Mose sagte :Es werde Licht; und es ward Licht (Gen 13). — Vgl. auch in der Abraxasspekulation (bei Schulz das. S. 74): Hermes, dich rufe ich an, . . . dann auch dich, der du die anderen, herrlich gestalteten Sterne befestigt und mit dem göttlichen Lichte das Weltall gegründet. — Die Lehre Suhawadis lautet folgendermaßen: Die Welt besteht in Konkretisierungen des geistigen Lichtes. Je mehr •sich dies von seinem Urquell entfernt, um so schwächer wird es und um so mehr tritt die Privation der ursprünglichen Fülle in ihm auf. . . Die Dinge der uns umgehenden Körperwelt sind Kristallisationen, Konkretisierungen des Lichtes, die sich aus einem Mangel an innerer Seins fülle des Lichtes herausgebildet haben, ohne daß eine neue, finsternisartige, positive Substanz hinzugetreten wäre. Wirklich ist nur das Licht. Die Finsternis ist kein Positives, kein Licht. (Horten, Philosophie des Islam, S. 122).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.