Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Kosmologie der Agada
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 366 (sequence 4)
- Language
- German
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366 Was bedeutet aber Zion im Sinne von Urstoff? Nichts anderes als Licht. Das Licht ist nämlich in Zion an der Stätte des Heiligtums geschaffen worden1. Also behaupten die Gelehrten, daß die Welt 1 R. Berechiah im Namen R. Jizchaks sagt: Das Lieht wurde von der Stehe des Heiligtums geschaffen, wie es heißt (Ez 432): Fürwahr, da erschien die Herrlichkeit des Gottes Israels in der Richtung von Osten her, und ihr Brausen glich dem Brausen gewaltiger Wasser, und das Land leuchtete von seiner Herrlichkeit. Und ,,seine Herrlichkeit44 ist aber nichts anderes als das Heiligtum, wie es heißt (Jer 112ל): O Thron der Herrlichkeit, hocherhaben von Anfang an, Stätte unseres Heiligtums (Gen. r. III 4; vgl. Pes. ed. Buber 145 b; Lev. r. XXXI 7; Mid. Ps. CIV, 4). Heiligtum gleich Licht auch im folgenden Ausspruch R. Ghijas: Aus dem Schöpfungsberichte ersieht man, daß Gott geschaut hat das Heiligtum, erbaut, zerstört und wieder errichtet. Am Anfänge schuf Gott — erbaut, wie es heißt (Jes 51le): Um den Himmel auszuspannen und die Erde zu gründen. Die Erde aber war wüste — zerstört, wie es heißt (Jer 423): Ich schaute die Erde an und siehe, sie war wüste. Und Gott sprach, es werde Licht (Gen 13) — erbaut und ausgestattet in der Zukunft, wie es heißt (Jes 60!): Auf, werde hell, denn dein Licht ist erschienen und die Herrlichkeit Gottes ist über dir aufgestrahlt (Gen. r. II 5). In der Pesikta (ed. Buber 145a), wo der Satz R. Ghijas etwas gekürzt angeführt wird, heißt es in der Fortsetzung: Es sagte R. Chanina: Aus den Fenstern des Heiligtums strahlte das Licht aus in die Welt, sie waren nach innen schmal und nach außen weit, um das Licht ausstrahlen zu lassen. Ygl. noch die anderen Aussprüche in der Pesikta und Tanchuma •6 § תצוד (ed. Buber § 4), 2 § בהעלותך (ed. Buber § 2); Lev. r. XXXI 7; Num. r. XV 2. Aus dem Satze R. Ghijas folgt aber auch, daß Heiligtum gleich Welt, d. h. daß das Heiligtum der Ausgangspunkt der Weltschöpfung war. In der Tat heißt es in einer anderen Agada, daß die Welt vom Heiligtum aus geschaffen wurde. Mid. zutta S. 29. Vgl. auch die vorhergehende Anm. Heiligtum Licht. Herodes, der den Baba b. Buta, also einen Träger des Thoralichtes, geblendet, kann nur dadurch Sühne erlangen, daß er seine Aufmerksamkeit dem Heiligtume, dem Lichte der Welt zuwendet (B. Bathra 4 a). In dieser Stelle ist also Thora Licht, ein in der Agada häufiger Gedanke. Ausgehend von Prov 623: denn eine Leuchte ist das Gebot und die Thora ein Licht, ist die Vorstellung geläufig: Thora (= Weisheit) Licht. Vgl. Syr. Baruch 59, (Kautzsch II 435); Sifre Num. § 41: Megilla 16b; Deut, r. VII 3; Koh. r. XII 7; Alfa-Betha d. R.Akiba ed. Wertheimer SS. 46, 78, 83; Beth ha־Midrasch II S. 24; VI 72; Bereschith rabbati Ms. Prag zu Gen I 4, 5. Ueber diese Vorstellung in christlichen Quellen vgl. G. F. Wetter, Ich bin das Licht der Welt, in Beiträge zur Religionswissenschaft I S. 188 f. Verbindet man damit die Ansicht der Ghachamim, daß die Welt von Zion ( — Heiligtum) aus erschaffen wurde, so versteht man folgende Agada: Er macht bewohnbar durch die Wurzel das Haus (so nach der Deutung des Agadisten), damit ist das Heiligtum gemeint, wo Gott stand und von wo aus er die Weit von einem Ende bis zum andern erschaffen, wie es heißt: Gott gründete mit Weisheit die Erde (Prov 319). S. Elia r. V, S. 21. Dieser Bibelvers als Beleg für den Ausgangspunkt der Schöpfung aus dem Heiligtum kann nur durch die Kette verstanden werden: Heiligtum Licht, Licht Weisheit. Dementsprechend heißt es in der angeführten Stelle aus B. Bathra: Licht des Heiligtums Ersatz für das Licht der Thora. — Heiligtum als Ausgangspunkt des Lichtes auch im Mid. Konen (Beth ha־Midrasch II 24 f.): ,,Als das Licht Gottes über Palästina erstrahlte, leuchtete es zuerst im Heiligtum auf, und von da aus erleuchtete es die ganze Welt, wie es heißt: von Zion, der Krönung der Schönheit, läßt Gott strahlen (Ps 502). Wie erleuchtete Gott die Welt? Er zog an sein Kleid und hüllte sich in Licht und erleuchtete die Welt, wie es heißt (Ps 1042): er hüllt sich in Licht wie in ein Kleid.44 Vielleicht ist diese Vorstellung in folgender Erzählung bei Josephus enthalten. Josephus bespricht das Erdbeben zur Zeit des Königs Usia und berichtet: ״Ein heftiges Erdbeben erschütterte gewaltig die Erde und während sich der Tempel spaltete, leuchtete ein heller Sonnenstrahl hervor (sgeka^s) und fiel auf das Gesicht des Königs44.. Antiq. IX, 10,4 (Niese II, 314 § 225).