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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 4 · p. Seite 365

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 4
Article
Zur Kosmologie der Agada
Date
1928-01-01
Page
Seite 365 (sequence 3)
Language
German
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365 im Gegensatz zu jener Ansicht, nach der die Weltbildung in zentri־ petaler Richtung erfolgte. Wie aber können diese Theorien im Gegensatz zu einander stehen? Sei es nun, daß die Kontroverse in der Form stattgefunden hat, in der sie uns vorliegt, sei es, daß Spätere die beiden Ansichten zu These und Antithese vereinigt haben, in jedem Falle ist die Gegenüberstellung der beiden Ansichten als gegensätzliche Theorien ganz unbegreiflich. Der Behauptung R. Eliesers betreffend die Materie, aus der die Produkte des Himmels und der Erde geschaffen wurden, stellen seine Gegner eine Theorie über den Ausgangspunkt der Schöpfung entgegen. Will man nun in dieser Baraitha nicht ein Vorbeidisputieren annehmen, so muß die Theorie der Gelehrten sich ebenfalls auf die Materie beziehen. Während nun R. Elieser zwei Urstoffe annimmt, den einen für den Himmel und seine Produkte und einen anderen für die Erde und ihre Produkte, behaupten die Gelehrten, daß Himmel und Erde aus einem Stoffe erschaffen wurden — aus Zion, so daß Zion die Bezeichnung sowohl für den Urstoff der Schöpfung wie auch für deren Ausgangspunkt ist. so bildet auch Palästina den Mittelpunkt der Erde, wie es heißt (Ez B812): die am Nabelpunkte der Erde wohnen, und von dort ging das Gewebe der Welt aus, wie es heißt: ein Psalm Asaphs. Gott der Herr redet und ruft die Erde vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang. Woher wissen wir das? Antwort. — Aus Zion, der Krönung der Schönheit, strahlt Gott auf. Palästina ist in der Mitte der Welt, Jerusalem in der Mitte von Palästina, das Heiligtum in der Mitte von Jerusalem, das Allerheiligste in der Mitte des Heiligtums, die heilige Lade in der Mitte des Allerheiligsten, und vor der Lade der Schethijahstein, von dem aus die Welt gewebt wurde. Salomo hat die Wurzeln, die von dort aus gehen, erkannt“ (beide Tanchuma 10 § קדושים). Zu letzterem Ausdruck vgl. den Satz Abba Sauls: Von wo aus wird der Embryo gebildet? Von seinem Nabel aus und entsendet seine Wurzeln nach allen Seiten. (Joma 85a, Sotah 45*>.) Die Theorie, daß die Bildung des Embryos vom Nabel aus erfolgt, auch bei den Griechen. Vgl. Preuß, Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett nach Bibel und Talmud, S. 18. So sagt auch Plinius: Der Knoten und Zusammenlauf der Adern ist im Nabel (venarum in uniblico modus ac coitus). Vgl. Meringer, Wörter und Sachen, V 88, 201. Aus dem Standpunkt: Zion Mittel- und Ausgangspunkt der Erde erklärt sich folgende merkwürdige Agada: ,,Am Anfänge schuf Gott (Gen 1ג). R. Acha sagt: Gott befahl, daß Himmel und Erde geschaffen werden. Sie dehnten sich immerfort aus und hätte ihnen nicht Gott zugerufen: ,Genuglc so hätten sie sich gedehnt und geweitet bis zur Auferstehung. Woher wurde der Himmel geschaffen? Antwort: Aus dem Dok, wie es heißt: (Jes 4022)* Und woher wurde die Erde geschaffen? Aus einer Schneescholle, wie es heißt (Job 376): Denn zum Schnee spricht er: Werde zur Erde. Und Gott segnete sie und sie pflanzten sich fort, wie David sagte (Ps 34s): Es segne dich Gott von Zion aus.“ Was für einen Sinn hat die Fortpflanzung und wie ist sie in dem angeführten Psalmvers angedeutet? Aber der Ausspruch ist erklärlich vom Standpunkte, daß die Welt von Zion aus geschaffen wurde. Der Agadist deutet den Psalmvers: Es segne dich Gott, der von Zion aus Himmel und Erde schuf. Schöpfung der Welt Schöpfung des Embryos. — Vgl. Alfa-Betha des Ben Sira im Hazofeh X S. 270. Ueber die Vorstellung des Erdnabels als Ausgangspunkt der Welt- Schöpfung auch bei anderen Völkern vgl. die ausführliche Abhandlung von W. H. Roscher .,Omphalos“ in den Abhandlungen der königl. sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften, philolog.-histor. Klasse, 1913T

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