Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Kosmologie der Agada
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 364 (sequence 2)
- Language
- German
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364 Himmel erschaffen (Gen 24). Die Produkte der Himmel wurden aus dem Himmel geschaffen und die Produkte der Erde wurden aus der Erde geschaffen1. Die Gelehrten sagen: Sowohl diese wie jene sind von Zion aus geschaffen worden, wie es heißt (Ps 50!): Ein Psalm Asaphs. Gott der Herr redet und ruft die Erde vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang. Dann heißt es: Aus Zion, der Krönung der Schönheit, strahlt Gott auf. Von dort aus wurde ausgestaltet die Schönheit der Welt.“ Diese beiden Theorien sind jede an sich klar und verständlich. R. Elieser meint, die Welt sei aus zwei Urstoffen entstanden, aus dem einen die Himmel, aus dem anderen die Erde. Die Gelehrten erklären, die Welt ist von Zion aus erschaffen worden, d. h. vom Mittelpunkte aus, der Urstoff breitete sich vom Ausgangspunkte der Schöpfung nach allen Seiten gleich aus — zentrifugale Bewegung2, 1 Maimuni (Moreh II 26 Ende) zitiert den Ausspruch R. Eliesers und bemerkt: ״Und merke auf, wie dieser Weise ausdrücklich erklärt, daß die Materie all dessen, was auf der Erde, d. h, unterhalb der Mondsphäre, sich befindet, eine und dieselbe allen gemeinsam ist und daß ebenso die Materie der Himmel und all dessen, was sich in ihnen befindet, eine einzige und mit jener nicht identisch ist.“ Ueber den Urstoff gibt es in der Agada noch zwei andere Ansichten: R. Josuasagt: Alles, was im Himmel und auf Erden ist, ist aus dem Himmel geschaffen worden ... R. Huna im Namen R. Josephs sagt, alles, was im Himmel und auf Erden ist, ist aus der Erde geschaffen worden. (Gen. r. XII11; vgl. Koh. r. III 20; Koh. zutta S. 99). Auf dem Standpunkt R. Eliesers stehen Gen. r. I 6, Pirke R. Elieser III und R. Acha in Tanchuma ed. Buber 16§ מלףן ,11 § כראשית. Vgl. auch weiter unten (Anm. 2 g. E.). Ebenso Mid. Konen (Beth ha-Midrasch II S. 24): Die Himmel sind aus Feuer oder Dok, die Erde aus dem Schnee geschaffen worden. Auf dem Standpunkt R. Eliesers steht auch Rabh, nur nimmt er für die Himmel einen zusammengesetzten Urstoff an: Gott nahm Feuer und Wasser, vermischte sie miteinander und schuf aus ihnen den Himmel (Gen r. IV 7, ebenso eine Baraitha Ghagiga 12 a; vergl. Num. r. XII 4). Dagegen lehrt R. Jochanan: Gott nahm zwei Knäule, den einen aus Feuer und den anderen aus Schnee, vermengte sie miteinander und aus dieser Mischung wurde die Welt geschaffen (Gen. r. X 3). Diese Theorie ist eine Vereinigung der An־־ sichten Rabhs und R. Josephs, insofern, als er die Einheit des Urstoffes beibehält, aber nicht auch seine Einfachheit, sondern nach dem Muster der Lehre Rabhs eine Zusammensetzung des Urstoffes annimmt. Verwandt mit diesen Theorien sind die Theorien der Griechen. Die einen erklären Himmel und Erde als zwei verschiedene Urgründe. Andere wieder lehrten, daß die ganze Welt aus einem Urstoff, Wasser, Feuer oder Luft, entstanden ist. Zeller, I5 SS. 77, 79 f., 90, 96, 187, 192 f., 643 f., 783 f., 1001 f., 1034. Nach Aristoteles ist die sublunarische Welt aus den vier Elementen und die superlunarische Welt aus dem Aether entstanden. Zeller II3 * 434. Die Theorie Aristoteles, von Saadja, Emunoth I 8, bekämpft, hat in Maimuni ihren eifrigsten Verfechter gefunden. Mischne Thora סודי התורדי*» III 1, 10; Moreh I Kapp. 58; 72 Anf.; 75 erste Methode; II Prämisse 26, Kapp. 19, 26. In letzterer Stelle scheint Maimuni für die Lehre Aristoteles auch den Ausspruch R. Eliesers ins Treffen zu führen, aber die Identität beider Theorien ist nicht absolut sicher. Vgl. Midrasch Konen oben. Erde aus Schnee (Mid. Konen)r vgl. Jer. Ghagiga II 1, 77 a; Ex. r. XIII 1. 2 Die Anschauung beruht auf der Vorstellung: Bildung des Makrokosmos gleicht der Bildung des Mikrokosmos. ״Als Gott die Welt erschaffen wollte,, erschuf er sie auf dieselbe Weise wie der Mensch gebildet wird. Wie der Embryo vom Nabelpunkt aus sich nach allen Seiten hin ausbreitet, so hat auch die Welt ihren Ausgangspunkt in dem Schethijahstein ge״ habt, von dem aus sie sich nach allen Seiten dehnte und weitete“ (Tan. *1״ .(3 § פקודWie aber der Nabel die Mitte des menschlichen Körpers bildet,.