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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 4 · p. Seite 363

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 4
Article
Zur Kosmologie der Agada
Date
1928-01-01
Page
Seite 363 (sequence 1)
Language
German
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363 Zur Kosmologie der Agada. Licht als Urstofi. Von V. Apto witzer. R. Simon b. Jozadak fragte den R. Samtiel b. Nachman: Da ich von dir gehört habe, daß du ein Agadist bist, sage mir, wie schuf Gott die Welt. Er antwortete: Als Gott die Welt erschaffen wollte, hüllte er sich in Licht und schuf die Welt, wie es heißt (Ps 1042): Der sich in Licht hüllt wie in einen Mantel, und nachher heißt es: den Himmel ausspannt wie ein Zelttuch1. Höchstwahrscheinlich besagt die Theorie, daß das Licht vor der Welt erschaffen wurde2, ebenfalls nichts anderes, als daß Licht Urstoff war. Dieser Zusammenhang zwischen beiden Theorien wird schon in einer alten Agadaquelle vorausgesetzt, indem unmittelbar nach dem Ausspruche R. Samuel b. Nachmans fortgesetzt wird: R. Jehuda sagt: Wem ist dies gleich? Einem Könige, der sich einen Palast errichten wollte, aber auf dem dazu bestimmten Platze herrschte Finsternis. Der König ließ daher Lampen anzünden und dann erbaute er seinen Palast. So war auch, als Gott die Welt erschaffen wollte, alles Finsternis, Gott hüllte sich nun in Licht und schuf die Welt3. Die Anschauung, daß die Welt aus dem Licht geschaffen worden, finden wir auch bei anderen Tannaiten, die aber den Gedanken nicht ausdrücklich aussprechen. In einerBaraitha4heißt es: ,,R.Elieser der Große sagt: Dies ist die Entstehung des Himmels und der Erde, als sie geschaffen wurden zur Zeit, als Gott der Herr Erde und 1 Tanclruma ed. Buber 6 §) 7 § ויקהל;10 § בראשית). 2 R. Jeliuda sagt: ,,Das Licht wurde zuerst geschaffen. Ein König will einen Palast an einem dunklen Platze bauen, da bringt er zuerst Lampen und Laternen an, um zu sehen, wie die Fundamente zu errichten. (Gen. r. III 1). ,,Dann befahlst du einen Strahl des Lichtes aus deinen Kammern zu holen, daß deine Werke sichtbar werden.tc (IV Esra 640). Licht vor der Schöpfung der Welt. Vgl. Jalkut Talmud Thora des Jakob Sekili, veröffentlicht von Pom anski in der Maybaum-Festschrift, Sonderabdruck S. 15. Der Test entspricht Sohar I 90 f. Licht als erstes Schöpfungswerk auch in folgender Stelle: T^ d Tjpiptf Eftotrjae xo cptu; rfloov xtjv ^pipav xai x7}v vuxto׳, oeuxspa xov oupavav y.al zrjv yrjv. Am ersten Tage schuf er das Licht, d. h. den Tag und die Nacht. Am zweiten Tage den Himmel und die Erde. Anecdota Graeco-Byzantina, Palaea historica, I 189. Es werden dann im einzelnen 22 Schöpfungswerke aufgezählt mit Licht als erstem. In mystischen Systemen des Islam finden wir folgende Spekulation: Es ist dies die Lehre von dem Urlicht, das Gott zuerst erschuf und aus dem er wie aus einem Substrate die Welt bildete. Ein Grundgedanke der altorientalischen Kosmogonie besagt, daß aus dem Chaosstoff der Kosmos gebildet wurde; denn Apsu und Tiamat gebären die Urmutter und diese die Weltteile (Anu, Enlil, Ea). Dabei wird Ea wiederum als gleichbedeutend mit Apsu genommen. Der Urstoff, der als Licht und Weisheit gedacht wird, ist also zur Welt geworden und die verschiedenen Weltphasen werden als wesensgleich gesetzt. Licht Weisheit Meer. Apsu ist der der Welt zugrunde liegende Stoff, und daher ist es auch verständlich, wenn in der Logoslehre der Logos als das Fundament der Welt gedacht wird. Er ist das Urlicht, aus dem die Welt gebildet wird. (Horten, Philosophie des Islam, S. 236 f.). 3 Tan. ed. Buber 6 §) ל § ויקהל;10 § בראשית); Ex. r. XV 22; L Anf. 4 Joma 54 b.

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