Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Der Anteil der Berliner Judenschaft an den Kontributionen während der feindlichen Besetzungen der Stadt im siebenjährigen Kriege
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 357 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829951-2829956-2834762--48408-2834826- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
357 Unter solchen Umständen versteht man die Klage der Judenschaft an den Magistrat, er möge doch darauf Rücksicht nehmen, daß die meisten Gemeindemitglieder unvermögend seien, die vermögenden ihr Geld im Handel stecken hätten und nicht in der Lage seien, größere Summen herzugeben. — Trotzdem machten sich die Vertreter der Judenschaft erbötig, Kapitalien mit 6% zu leihen, obwohl sie vom Magistrat selbst nur 5% erhielten. Sie baten, den weiteren Gesamtbeitrag auf 150 000 Rtlr. festzusetzen, mit Rücksicht darauf, daß ,,bey jetzigen sehr bedrängten und theueren Zeiten zu wenig Handel florire und keine Schuld beytreiben könnten1/' Der Magistrat aber, selbst in bedrängter Lage, war zu Kon- Zessionen wenig bereit. Bald meldeten sich die Judenältesten und erklärten, daß sie zunächst nur 50 000 Rtlr. zur Verfügung hätten, und zwar 41000, die sie sofort in bar erlegen würden, und 9000, die Moses Ries2 durch Hirsch David ihnen auszahlen wolle, und die man, da Hirsch David sie immer weiter vertröste, bei ihm beitreiben möge3. Trotz aller Schwierigkeiten wurde von der Judenschaft am 18. Dezember 41 900 preußische Eindrittel-Taler und ferner in Gold 44 600 neue Friedrichsdor, 13 500 Augustdor und ferner am 13. oder 15. Januar 1761 29 300 preußische Eindrittel-Taler und 10 400 neue Friedrichsdor und 1300 Augustdor gezahlt4. Die Verhandlungen über die endgültige Festsetzung zogen sich bis in den Anfang des Jahres 1761 hin. Am 5. Februar erschienen auf Aufforderung im Rathaus Abraham Levy, Abraham Meyer und Hirsch David, und es wurde ihnen eröffnet, daß die Judenschaft entweder in bar oder in guten Wechseln noch 200 000 Tlr. aufbringen müßte. Am 10. Februar verpflichtete sich eine Anzahl von Vertretern kapitalkräftiger Juden zur Zahlung von 110 000 Rtlr.; gleichzeitig wurden für Hergabe von weiteren 89 500 Rtlr. einige Personen in Vorschlag gebracht5. Zur teilweisen Deckung der Beträge waren von der Judenschaft bei verschiedenen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens — meist Beamten und Adeligen, Schulden in Höhe von 67 650 und 46 562% insgesamt also 114 212% Rtlr. aufgenommen worden6. Mit der Aufbringung der Gelder gingen noch verschiedene, hier nicht weiter zu erörternde Transaktionen Hand in Hand, die 1 Daselbst und Gemeindebuch, Blatt 144 v. 2 Wohl identisch mit משה בר משה ריז םג8ל, gest. 1773, Grabstein Nr. 991. 3 Acta Commissionis Vol. II, Blatt 213. 4 Acta Commissionis etc. Vol. V in der Zusammenstellung der Beiträge Nr. 533—549. Ueber die Münzarten Acta Borussica a. a. O. 5 Siehe Anlage II. 6 Gemeindebuch, Bl. 142 v. und 143 v.