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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 4 · p. Seite 356

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 4
Article
Der Anteil der Berliner Judenschaft an den Kontributionen während der feindlichen Besetzungen der Stadt im siebenjährigen Kriege
Date
1928-01-01
Page
Seite 356 (sequence 7)
Language
German
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356 Rtlr. alten Geldes, die auf die Mittelmärkische Staatskasse übernommen und innerhalb sechs Jahren amortisiert wurden. Die den Einwohnern zugefügten Schäden wurden schließlich auf Anordnung des Königs nicht bezahlt, weil ,,ein jeder Partikulier dasjenige, was er darunter gelitten, als ein Unglück vom Kriege, so ihn besonders betroffen, wird ansehen müssen, auch es nicht gebräuchlich ist noch gefordert werden kann, daß ihn die Totalite, noch weniger Ich, jedermann deshalb indemnisiere1/' Als die Forderung des Kontributionsbeitrages an die Berliner Judenschaft zum zweitenmal herantrat, war die Finanzlage der Gemeinde keine glänzende. Der zu den Pessach-Feiertagen 1759 abgetretene Vorstand hatte eine Schuldenlast von 44 250 Rtlr. hinterlassen2. Diese Schulden waren weniger auf die früheren Kontributionsbeiträge zurückzuführen, als auf die allgemeine Wirtschaftslage, die sich durch den Krieg naturgemäß verschlechtert hatte. Schon im darauffolgenden Jahre war die Schuldenlast der Judenschaft auf 60 000 Rtlr. angewachsen; die Einkommensverhältnisse der Gemeinde waren aber unzureichend und kaum imstande* die königlichen Prästanda zu decken, und es mußte alljährlich ein Zuschuß von nahezu 4—5000 Rtlr. von der Gemeinde geleistet werden, um den notwendigsten Verpflichtungen nachzukommen3.. Zu der ersten Rate der Kontribution, die noch während der Okkupation an Tottleben bezahlt werden mußte, hatte die Judenschaft 100 000 Rtlr. gezahlt; ferner noch für gelieferte Waren an Gotzkowsky 11 598,23 Rtlr. Hierzu hatten Veitei Ephraim 30 200 und Daniel Itzig 30 000 Rtlr. Vorschuß gegeben, das übrige Geld mußte aus der Gemeinde mit großer Mühe aufgebracht werden. Nun trat an die Judenschaft das Verlangen heran, den Beitrag zu der im Dezember fälligen zweiten Rate zu zahlen. Sie erhielt dafür von Moses Isaac in Plamburg eine Assignation von 30 000 Rtlr., von Daniel Itzig einen Vorschuß von 20 000 Rtlr. Hingegen war Veitei Ephraim nicht so gebebereit wie ehedem; er ließ der Judenschaft, da er verreist war, durch seinen. Buchhalter erklären, daß er sich zu nichts weiter verstehen könne; wenn aber Kapitalien benötigt würden, so würde er den Schuldschein mit unterschreiben. 1 Granier a. a. O. Die Behauptungen Masslowskis a. a. O. Seite 255 ff.; über die angeblichen betrügerischen Manöver seitens der Kaufleute, um die Russen um die Kontribution zu prellen, wobei der Magistrat viel profitiert haben soll, sind durchaus einseitig. Richtig ist nur, daß die fortwährenden Münzverschlechterungen scheinbar einen Gewinn für die Schuldner bedeuteten (man denke an die Inflation bei uns nach dem Weltkriege). Die Russen bemühten sich, in den von ihnen okkupierten Teilen das schlechte Geld fernzuhalten. Die Versuche der preußischen Behörden, die Einschleppung des Kriegsgeldes durch ihre Truppen zu verhüten, waren nur von geringem Erfolge siehe Acta Borussica, Münzwesen III, S. 170 ff.). 2 Gemeindebuch der Berliner Gemeinde Bl. 141 v. 3 Acta commissionis etc. Vol. II, Blatt 58/59 aus einem Schreiben vom 9. November 1760, unterzeichnet von Abraham Lev'y, Abraham Meyer, Jacob und Joel Bendix an den Magistrat. Die Abgaben, die die Juden damals regelmäßig an die Gemeinde auf Grund der Veranlagung zahlen sollten, beliefen sich auf insgesamt 405 Rtlr. 10 Gr. 2 Pf. monatlich, die Zahl der Zensiten betrug 385 (Gemeindebuch Bl. 134—139).

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