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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 4 · p. Seite 349

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 4
Article
Leone Ebreo und Pico della Mirandola
Date
1928-01-01
Page
Seite 349 (sequence 6)
Language
German
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349 knappe Spielraum zwischen der Ankunft Leones in Italien 1492 und dem Tode Picos 1494 bedenklich macht, so können wir auch annehmen, daß zwar (wie Zimmels will) keine direkte Bekanntschaft zwischen den beiden bestanden habe, so daß nicht Pico den Leone um die Abfassung eines Werkes ersucht hat, daß aber Leone gleichwohl die Schrift ,,De coeli harmonia“ für Pico verfaßt habe, nämlich, um sie ihm nach ihrer Vollendung vorzulegen und sich durch sie das Interesse dieses bedeutenden, schon damals hochberühmten Mannes zu erwerben und daß dessen frühzeitiger und unerwarteter Tod ihn an der Uebergabe seines Werkes verhindert habe. Es würde also der Bericht des Amatus nur insofern zu korrigieren sein, daß dieser die vom Verfasser an den Eingang gesetzte Widmung an den Grafen dahin mißdeutet hätte, das Werk sei ,,auf Wunsch des göttlichen Pico“ verfaßt, während es nur für diesen geschrieben war. Als denjenigen, der Leone aufgefordert oder ermuntert hätte, für Pico etwas zu schreiben, würde ich den Jochanan Alemanno vermuten, dessen Beziehungen zu Leone ich in meiner Abhandlung über diesen nachgewiesen zu haben glaube1. Endlich noch ein Wort über Zimmels, Plypothese, ,,De coeli harmonia“ sei für den jüngeren Pico geschrieben. Gegen diese Annahme spricht zunächst entschieden die ganze Persönlichkeit des Giovan Francesco Pico, der seinem Oheim an Freiheit und Tiefe unendlich nachstand und, ganz im Banne Savonarolas, religiöser Schwärmerei und frommer Empfindsamkeit weit mehr zugetan war als philosophischer Spekulation, ängstlich bemüht um gut katholische Gesinnung, dazu überaus kleinlich (er hat die Bevölkerung seiner Grafschaft durch seinen skandalösen Geiz soweit erbittert, daß er das Land verlassen mußte), kurzum in allem ein Mann, bei dem wir ein besonderes Interesse für den Traktat eines Juden über den Zusammenhang der Sphären nicht eben zu suchen haben2. Gegen die Zimmelssche Annahme sprechen ferner die Worte des Amatus Lusitanus ,,di vini Pici Mirandulensis precibus“, die sich ja offenbar nur auf den allgemein bewunderten älteren Pico, unmöglich auf den unbedeutenden jüngeren beziehen können. Eine weitere, von Zimmels3 dargelegte Tatsache, nämlich die merkwürdig gründliehe Kenntnis, die Giovan Francesco Pico von den Lehren des Chasdai Crescas besaß, gibt aber keineswegs zu der Vermutung Anlaß, die Zimmels äußert, nämlich Leone hätte dem jüngeren Pico diese Kenntnis von Crescas״ Lehren vermittelt. Denn aus den korrespondierenden Stellen in Giovan Francesco Picos Werken und Crescas״ ,,Or Adonai“, die bereits von M. Joel4 zusammengestellt 1 A. a. O., S. 67—70. 2 Ein Bild seines Wesens gibt die bereits erwähnte, von ihm verfaßte Vita Joannis Pici Mirandulensis, sowie die Sammlung seiner Schriften, die der zu Basel 1573 veranstalteten Ausgabe der Werke seines Oheims angehängt ist, zumal die Briefe. Vgl. auch noch die ״Memorie su Giov. di Fr. Pico“ in ,,Atti- Memorie della deputazione di storia patria della provincia Modenese-Parmese“ 1887, C, IV, 2. Die Biographien von R. Bartoli, Elogium in Jo. Fr. Pi cum, Bologna 1793, und Tiraboschi, Storia della letteratura italiana, vol. VII, parte II (Parma 1810), S. 442—446, sind beide völlig unkritisch. 3 A. a. O., S. 28 Anm. 2. 4 Don Chasdai Crescas5 religionsphilosophische Lehren, 1866, Anhang.

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