Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Leone Ebreo und Pico della Mirandola
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 350 (sequence 7)
- Language
- German
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350 worden sind, ergibt sich, daß als Vermittler die ,,Dialoghi“ keinesfalls in Betracht kommen können. Will man aber in J. Fr. Pi cos persönli.chem jüdischen Umgang den Vermittler suchen, so bietet sich seine durch einen seiner Briefe1 gesicherte Bekanntschaft mit Isaac Hebraeus, einem Sohn des Jochanan Alemanno, mindestens ebenso leicht wie die ganz hypothetische mit Leone Ebreo. Wir schließen unsere Ausführungen mit der Feststellung, daß unseres Erachtens die Beziehung Leones zu dem so vielfältig anregenden und angeregten Grafen Giovanni Pico della Mirandola, die, wie gesagt, auf die Erkenntnis von Leones Geistesentwicklung ein so helles Licht werfen würde, nach wie vor mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit angenommen werden kann2. Einen wechselseitigen Einfluß allerdings anzunehmen, wie es Savino3 tut, berechtigt uns nichts, da alle in Betracht kommenden Schriften Picos vor 1492 verfaßt sind. Der Anteil der Berliner Judenschaft an den Kontributionen während der feindlichen Besetzungen der Stadt im siebenjährigen Kriege. Von Josef Meisl in Berlin. Zweimal ist während des siebenjährigen Krieges Berlin von feindlichen Truppen besetzt worden. Beidemale mußten die Bürger״ abgesehen von anderen Schäden, erhebliche Kontributionen auf sich nehmen. Auch die Judenschaft hatte an diesen Beiträgen ihren redlichen Anteil. — Die nachfolgende Darstellung, die auch in gewissem Sinne einen Beitrag zur Wirtschaftsgeschichte der Berliner Juden enthält, soll über dieses geschichtliche Ereignis Licht verbreiten4. 1 Jo. Pici Opera, Basel 1573, S. 1371. 2 Wir gehen deshalb freilich lange nicht so weit wie Lorenzo Savino, der, ohne sich im geringsten mit den Schwierigkeiten auseinanderzusetzen, sogar von einer Freundschaft zwischen den beiden zu erzählen weiß (Ebd. Bd. X, S. 108). Allerdings glückt diesem Schriftsteller, der Männer vom wissenschaftlichen Range eines Munk, eines Graetz, eines Menendez y Pelayo mit spöttischer Ueberlegenheit behandelt (ganz zu schweigen von den Männern der alten Zeit, Bembo, Castiglione usw., die er wie Schulknaben korrigiert) — glückt, sagen wir, diesem Schriftsteller bei derselben Gelegenheit (S. 110) die erstaunliche Phrase, ,,den Leone Ebreo hätten seine Dialoghi ebenso unsterblich gemacht wie seinen Freund Pico dessen hochberühmte Disputationes Gamaldulenses“ (die bekanntlich von Landino verfaßt sind). — Erwähnt sei übrigens, daß auch Giuseppe Saitta, La filosofia di Leone Ebreo, Giornale critico della filosofia italiana, Bd. V (1924), S. 13, an der persönlichen Bekanntschaft zwischen Leone und Pico festhält, ohne allerdings das Problem zu diskutieren. 3 Ibidem, ibidem S. 108. 4 Die Tatsache, daß die Juden zu diesen Kontributionen beigetragen haben, ist nur, soweit es sich um die Besetzung von 1760 handelt, im allgemeinen hekannt gewesen. Geiger, ,,Geschichte der Juden in Berlin“, Bd. 2, S. 103, hat darüber nur einige wenige Mitteilungen gemacht, die aber, da er die Akten nicht kannte, noch weiterer Ergänzung bedürfen. Der Beitrag der Judenschaft für die Okkupation von 1757 ist bisher noch nicht behandelt worden. ,