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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 4 · p. Seite 348

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 4
Article
Leone Ebreo und Pico della Mirandola
Date
1928-01-01
Page
Seite 348 (sequence 5)
Language
German
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348 Francesco Pico della Mirandola, geschrieben1. In dieser Darstellung Zimmels* bedarf einiges der Berichtigung. Erstens: wenn es auch richtig ist, daß Pico in seinen letzten Jahren zurückgezogener lebte als früher, so stand er doch nach wie vor in lebhaftem Verkehr mit Gelehrten und anderen Männern jeder Art, und wir treffen ihn oft an verschiedenen Orten. Die vagen und romantisch verklärten Angaben in der Vita Jo. Pici von seinem Neffen (sie ist allen alten Ausgaben von Picos Werken vorangedruckt) haben Zimmels, der sich allein auf sie gestützt haben dürfte, irregeführt. Ihm entgegenstehende Daten lassen sich häufen. 1490—92 nahm Pico oft an den Vorlesungen teil, die Poliziano in der platonischen Akademie in Florenz über griechische Literatur und Philosophie hielt2. Im Frühjahr 1493 verweilte er in Florenz3; im April 1493 besuchte er Lorenzo de* Medici in Careggi4. Im Mai 1492 reiste er nach Ferrara, um dort einer öffentlichen Disputation am. Hofe Ercole’s I. beizuwohnen; er blieb dort bis zum August5; dort empfing er auch den Besuch eines Juden (siculus quidam hebraeus), der, zugleich mit der spanischen Austreibung, aus Sizilien verbannt,' sich nach Oberitalien gewandt hatte. Vom 16. August 1492 ist ein Brief aus Ferrara datiert6. Im gleichen Monat reiste er nach Florenz7 und blieb dort bis 1494. Am 23. Juni 1493 schreibt er von Ferrara an Polizian8. Im August 1494 besuchte er diesen in Fiesoie9. Am 17. November 1494 stirbt er in Florenz. Wir sehen aus diesen beliebig aufgegriffenen Daten, wie vielfältig bewegt das Leben des Pico doch in diesen seinen letzten Jahren gewesen ist und daß leicht eine Gelegenheit ihm einen durch Wissen und eigenes Denken ausgezeichneten Fremden zuführen konnte. Zweitens: wenn wir keine Nachricht darüber haben, daß Leone in diesen Jahren nach Florenz oder aber z. B. nach Ferrara gekommen sei, wo gleichfalls eine blühende jüdische Gemeinde war und wo sich später seine beiden Brüder niedergelassen haben, also vielleicht schon damals private Beziehungen der Familie Abarbanel bestanden — so besagt das nichts. Die Notizen über Leones Leben sind so über Jahre verstreut, so in den verschiedensten Quellen verborgen, müssen so oft aus halben Andeutungen erschlossen oder vielmehr konjiziert werden, daß wir überhaupt jedes Datum, jedes Faktum, das uns feststeht, als einen glücklichen Zufall anzusehen haben. Wir ziehen aus dem Dargelegten das Ergebnis, daß der Annahme einer persönlichen Bekanntschaft zwischen Pico und Leone, die uns doch durch Amatus Lusitanis einerseits, durch die Erwähnung eines Leo Hebraeus bei Pico andererseits, endlich aber durch die zahlreichen Berührungen zwischen den Schriften Picos und den ,,Dialoghi“ des Leone wahrscheinlich gemacht ist, chronologische Schwierigkeiten nicht entgegenstehen. Wenn uns aber der 1 Ebd. S. 28. 2 Giov. Semprini, Giovanni Pico della Mirandola, Lodi s. a. (1921) S. 168. 3 Ebd. S. 18ל. 4 Alfred von Reumont, Lorenzo de5 Medici, Leipzig 1874, Bd. II, S. 559. 5 Semprini a. a. O., S. 177. c Ebd. S. 181. 7 Ebd. S. 187. 8 Ebd. S. 188. 9 Jo. Pici Opera, ed. cit., S. 618.

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