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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1928-01-01 · Heft 4 · p. Seite 347

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
72 (1928)
Issue
Heft 4
Article
Leone Ebreo und Pico della Mirandola
Date
1928-01-01
Page
Seite 347 (sequence 4)
Language
German
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Schwieriger steht es mit einer anderen Stelle bei Pico1. Hier nennt Pico die Ansicht eines ,,Leo Hebraeus, excellentissimus mathematicus“, der gegen die Meinung der meisten Autoren nur acht anstatt neun Sphären annimmt. Bei der geringen Sorgfalt, die Pico nach der Sitte seiner Zeit auf die Schreibung der jüdischen wie der arabischen Namen verwendet2, ist es nun an sich nicht unmöglich, daß er mit Leo Hebraeus einmal den R. Levi b. Gerson, ein andermal einen ganz anderen bezeichnet, so daß wir hier also unsern Leone fänden. Dagegen hat aber Zimmels3 darauf hingewiesen, daß Leone in den ,,Dialoghi“ die entgegengesetzte Meinung, nämlich die Annähme von neun Sphären vertritt. Ihm ist aber einzuwenden: es ist immerhin möglich, daß Leone in den acht bis zehn Jahren, die zwischen der Abfassung der Schrift ,,Contra astrologiam“ 1494 und der seiner ,,Dialoghi“ (mindestens 1502) liegen, seine Anschauung über diesen speziellen Punkt geändert habe4. Wir können also (gegen Zimmels) die Möglichkeit nicht von der Hand w׳eisen, daß hier Pico wirklich unsern Leone anführt. Und noch von einer anderen Seite her wird Leone in Verbindung, hier sogar in direkte persönliche Beziehungen zu Pico gesetzt. Der jüdische Arzt Amatus Lusitanus (gest. 1568) berichtet nämlich um 1560 in seinen ,,Curationes medicales“, Venedig 1566, curatio VII centurio 98, er habe zu Saloniki ein handschriftliches Werk des Leone Ebreo, betitelt ,,De coeli harmonia“ gesehen, das dieser ,,divini Mirandulensis Pici precibus“ verfaßt habe, wie aus der Vorrede ersichtlich sei. Diese Angabe läßt scheinbar keinen Zweifel an der persönlichen Bekanntschaft Leones mit Giovanni Pico zu; ein Versehen des Amatus erscheint wenig wahrscheinlich, da er ausdrücklich angibt: ,,quem librum non semel percurri et legi“. Aber Zimmels5 führt die Chronologie ins Feld. ,,Ihre Bekanntschaft hätte in die Zeit zwischen Ende des Jahres 1492 — der Einwanderung Leos in Italien — und dem Tode Picos — 17. November 1494 — fallen müssen. Wir haben nun nicht die geringste Spur einer Nachricht darüber, daß Leo während dieser Zeit, da er als Arzt bei König Ferdinand I. in Neapel tätig war, Italien bereist hätte und nach Florenz gekommen wäre. Und Pico lebte bekanntlich in den letzten Jahren seines Lebens asketisch zurückgezogen, fast ohne jeglichen Verkehr, auf seinem Landgut bei Florenz, selten in Florenz selbst.“ Aus diesen Gründen kommt Zimmels zu dem Schlüsse, Leone könne mit Pico keinerlei persönlichen Verkehr gehabt haben, der bei Pico genannte Leo Hebraeus sei niemals unser Leone und das Werk ,,De coeli harmonia“, wenn ers überhaupt verfaßt habe, sei für den Neffen des Pico, Giovan 1 Contra astrologiam, lib. VIII, cap. 1, S. 644 der zit. Ausg. 2 Er schreibt z. B. Avenazra S. 446 neben abraham avenezra S. 602, Abraham Judaeus S. 550 und Abraham Hispanus S. 17; Averroes S. 417 neben Avenroes S. 118; Abosar S. 423 neben Aboasar S. 616. 3 A. a. O. S. 25. 4 An einer Stelle der ״Dialoghi“ (S. 162a der Ausgabe Venedig 1549) läßt er sogar die letzte Entscheidung über die Zahl der Sphären noch offen: 0״ che sieno otto gli orbi (come tenevano i Greci) o nove, come gli Arabi, o dieci come gli antichi hebrei, e alcuni moderni . . .“ (er meint hier offenbar die kabbalistische Annahme von zehn Sephirot). 5 A. a. O. S. 24.

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