Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Aus ostjüdischer Geschichte [Rezension]
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 343 (sequence 7)
- Language
- German
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343 R. Israel Baal Sehern (Beseht) an letztgenannter Disputation trotz aller Legenden, an deren Bildung auch Graetz beteiligt ist, nicht teilgenommen hat. Hierbei ergibt sich dasselbe Resultat wie bei den Zweifeln Dubnows betreffs der neu entdeckten Briefe aus der Frühzeit des Chassidismus (קרית ספל II 204 ff.), den Feststellungen Wachsteins betreffend die Frühzeit R. Israels (Menorah, Wien-Frankf. a. M. 1925, III 33 f.) und generell gegenüber chassidischen Berichten, die stets auf ihre Geschichtlichkeit zu prüfen sind, z. B. daß das תולדות יעקב יוסף durch R. Jecheskel Landau in Brody öffentlich verbrannt worden sei (Verus, Der Neu-Chassidismus, ־Pieschen 1901, 'S. 109), während in Wirklichkeit die editio. princeps dieses Buches erst 1780 erschien, und R. Jecheskel Landau damals längst nicht mehr in Brody lebte! Oder: , ,Der Kozieniecer Maggid rief während des napoleonischen Feldzuges beim Vortrag der Megillah bei dem Verse נפול תפול aus: ,,Napol, tippol, Napoleon, du wirst fallen“ (das. S. 157). Der Feldzug begann aber im Mai-Juni und endete im Herbst! Im Westen des polnischen Reiches hatte man unter den Juden 1757 nur eine dunkle Vorstellung des frankistischen Treibens im südöstlichen Wetterwinkel. In der Lissaer Gegend waren sie der Meinung, ,,daß in Kleinpolen zahlreiche Juden des Glaubens wären, daß der Messias erschienen sei (in der Person des Stifters des Christentums) . . . Diese hielten ihre heimlichen Zusammenkünfte (in) . . . Satanow“1. In demselben Livre d’hommage veröffentlichte Sigmund ׳Seeligmann: ,,Ein Originalbrief der Vierländersynode nach Amsterdam aus (so) 1677“. Der Brief gewährt einen tiefen Einblick in das Elend der damaligen polnischen Judenschaft, die um Hilfe bei Auslösung jüdischer Gefangener bat, deren Schicksal entsetzlich war. Hauptsächlich handelte es sich um die Landschaften Podolien und Pokutien (Ostkarpathen), deren Gemeinden verwüstet waren *(infolge des Türkenkrieges von 1672/3). Der Brief bildet eine willkommene Ergänzung zu den bisherigen Nachrichten aus jener Zeit, die bei Caro, Gesch. d. J. in Lemberg, Krakau 1894, S. 86 ff., Litinski,;קורות פאדאליא, Odessa 1895, S. 27, Steinschneider, Die Geschichtsliteratur der Juden, S. 129, הצופה לחכמת ישראל, Budapest 1925, IX 232 ff., und Meisl, Geschichte der Juden in Polen und Rußland, II 32 sich finden. Die קדרים (Tartaren), מולסיין (Moldauer) und Walachen peinigten die Gefangenen aufs ärgste, erstere derart, daI3 sie Frauen und Kinder vor den Augen versammelter Juden mißhandelten, um Lösegeld zu erpressen. Für die Befreiung der in Konstantinopel gefangen gehaltenen hatte die Synode selber gesorgt, vergl. noch Litinski S. 26 Anm. 1, Lewin, Landessvnode S. 41, אוצר ישראל ix 116. Kurtzig, Heinrich, Ostdeutsches Judentum, Tradition einer Familie, Eulitz-Verlag, Stolp (1927). Das liebenswürdige Buch ist ein Kind der Liebe zur Heimat und zur erwachten Familienforschung. Keinen würdigeren Gegenstand konnte Verf. für seine Arbeit finden. Die Familie leitet ihre Abstammung von Saul Wahl, dem sagenhaften 1 Bickerich, Lissa and Herrnhut, Lissa i. P. 1908, S. 41. Zu Satanow ־vgl. Balaban S. SB.