Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Aus ostjüdischer Geschichte [Rezension]
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 344 (sequence 8)
- Language
- German
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344 Eintagskönig von Polen, ab und zählte noch im 19. Jahrhundert prominente Glieder, Aron Bernstein, den berühmten Verfasser von ,,Mendel Gibbor“ und ,,Vögele der Maggid“, den meisterhaften Dar־־ steiler des Posener Ghettos, den Hallenser Physiologen Julius Bern•־ stein und den Sozialistenführer Eduard Bernstein. Sie werden in scharfen Rissen gezeichnet. Dr. Kühlbrand, bis 1816 Gemeindearzt in Fordon, sodann in Inowrazlaw (Hohensalza) tätig, ist nach seinen hohen Verdiensten auch an anderer Stelle bereits gewürdigt worden (Lewin, Gesch. d. J. in Inowrazlaw, Zeitschr. d. hist. Ges. f. d. Pr. Pos.,. XV 80, Heppner-Herzberg, S. 452 f., Archiv d. jüd. Gern. Inowr., Litt. 7 Nr. 15). Jonas Alexander in Rogasen hat auch jüdisches gedruckt und verlegt (Miro, בית יצקב, Rogasen 1863, Soncino- Blätter I 175). Der Chirurgüs Gamliel ist der Vater des berühmten Pentateuchkommentators R. Jakob Zebi Meklenburg, des Verfassers von ,,Schrift und Tradition“, הכתב והקבלה (vgl. Wohlgemuth, Jeschurun XIV 313 ff., Lewin a. a. O. S. 83). Der Held vorliegender Memoiren ist Aron Kurtzig in Inowrazlaw, ein deutscher Pionier des Ostens, der gleich Michael Lewy, daselbst, Jakob Flatau in Neutomischel u. a. ungeahnte Möglichkeiten wirtschaftlicher Entwicklung schuf. Kurtzig stand auch im jüdischen Gemeindeleben an führender Stelle. Dem Verlage Eulitz müssen wir Dank dafür zollen, -daß er diese Erinnerungen, die zuerst im ,,Schild“ in zerstreuten Aufsätzen erschienen sind, zu dem innerlich wie äußerlich schönen Buche vereinigt hat. (Fortsetzung folgt.) Leone Ebreo und Pico della Mirandola. Von Dr. Heinz. Pflaum in Jerusalem. Leone Ebreo (Jehuda Abarbanel), der um 1502 ein, platonische und jüdische Gedanken auf eine tiefe Weise verknüpfendes philosophisches Werk ,,Dialoghi di Amore“1 verfaßt hat, ist insofern eine höchst eigenartige Erscheinung, als er aus dem geistig wie sozial streng abgeschlossenem Kreise der spanisch-portugiesischen־ Judenheit ganz unvermittelt in die Anschauungssphäre der italienischen Renaissance vorbricht, ohne doch sich seines Judentums in Denken und Bekenntnis zu entledigen. Ein solcher entschiedener und zugleich wahrhaft fruchtbarer ,,Uebertritt“ ist vor ihm ohne Beispiel, bleibt es lange nach ihm. Gabirol, an den allein unter den jüdischen Philosophen man nach Philo noch denken könnte, indem auch er mit wahrer Originalität platonisches Gut aufnimmt und einschmilzt, unterscheidet sich in Form, Anlage und Tendenz seines Werkes dennoch nicht durchaus von den jüdischen Philosophen, in deren Kette er steht. Leone Ebreo dagegen lenkt sein Denken auf Probleme, die für die jüdischen Männer, von denen er lernte, schlechterdings nicht 1 Erste Ausgabe Rom 1535; hebräische Uebersetzung in den Schriften des Vereins ,,Mekize Nirdamim“, Lyck 1871; spanische Uebersetzung ״Biblioteca de autores espanoles“, vol. XXI, Madrid 1915. Italienische Neuausgabe von Dr. Carl Gebhardt in der ,,Bibliotheca Spinozana“ in Vorbereitung; eine neue hebräische Uebersetzung von Prof. Josef Klausner und dem Verfassen‘ soll in der ,,Sifriah Filosofith“ von Junowitsch erscheinen.