Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Aus ostjüdischer Geschichte [Rezension]
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 339 (sequence 3)
- Language
- German
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339 Landes sowie des allergrößten Teils seiner Gemeinden bietet. Die Lebensarbeit zweier verdienter Männer ist hier niedergelegt, die auch finanzielle Opfer nicht scheuten, um das Buch seiner hoffentlich baldigen Vollendung entgegenzuführen. Ein unbeirrbarer Idealismus läßt die Verfasser glauben; daß unsere wissenschaftlichen und literarischen Gesellschaften und Stiftungen, die Posener Heimatvereine und die Förderer der jüdischen Literatur den Abschluß des seit 1904 erscheinenden Werkes ermöglichen helfen werden. Die im 16. Jahrhundert in allen Teilen des polnischen Reiches lebhafte Proselytenbewegung der ,,Judenzer“ schlug auch nach Schmiegel ihre Kreise, wo dem arianischen Prediger und Magister Johann Krotowicz (etwa 1563—84) ,,sein rein ontologisch bestimmter Monotheismus fast die Brücke zum Judentum geworden“ und von ihm auch seiner Gemeinde nahe gebracht worden ist (Jahrbuch d. jüd.-lit. Gesellsch. IX 498). Für die Bestätigung der Aeltesten waren an die Grundherrschaft Werte von etwa 2y2 Dukaten abzuführen (Monatsschr. 1921 S. 226). 1814 brannte die Gemeinde ab (Archiv der Synagogeng. Posen Gemeindebuch III 32a, Pinax der חיק Schrimm ohne Seitenang., Hist. Monatsbll. f. d. Pr. Pos. 1905 S. 218). Zum Schulbau schenkte die Herzogin Pignatelli (im Posenschen) Baumaterialien (Orient, Leipzig 1845, S. 36ל). Seit der ersten Hälfte des 19. Jahrh. waren philanthropische Be- Strebungen und literarisches Interesse in der Gemeinde lebendig (Orient 1848, S. 203, Monatsschr. 1918, S. 234). Rabbiner Feldblum, früher Lehrerin Filehne, seit 1847 in Schmiegel, wo er 25. 3. 1877 starb, hat manches aus seinen Studien veröffentlicht (Orient 1847 S. 53, 1850 S. 71, Zeit, des Judent. 1866 Nr. 12 Beil., Monatsschr. 1865 S. 278 ff., 1885 S. 5, Israelit 1868 S. 867, 1877 S. 372, Hamagid 1862 S. 239* 359, 1877 S. 141, Grunwald, Mitteil. d. Gesellsch. f. jüd. Volksk. IV 149). Dem Kaufmanne Jakob Hamburger, ,,dem Beförderer alles guten und schönen“, widmete Rafael Fürstenthal seinen Moreh-Kommentar מודה לצדקה, Krotoschin 1839. 1842 war H. Deputierter des Kreises Kosten für die Rekrutensteuer (Archiv Synagogengem. Kempen Rep. Nr. 88 Fach 19 Vol I) und 1861 Deputierter des Kreistages (Hamagid 1861 S. 27), ein Freund der Kolonisierung Palästinas. Seine Bibliothek befindet sich im jüd.-theol. Seminar Breslau (Das jüd.-theol. Sem. Fraenckelsche Stift., Bresl. 1879, S. 56)1. Auch der Schmiegeier Simcha Fürst bewährte sich als führender Zionsfreund (Luncz S. 142, Kalischer, דרישת ציון, Warsch. 1899, S. 89, Festschrift Carlebach, Berlin 1910, S. 294 Anm. 93). lieber den Prediger Moritz Scherbel und s. Schriften s. Duckesz, חכמי אחיו, Hamb. 1908, S. 149. Für Schneidern ühl sei hier dasjenige mitgeteilt, das auch bei Brann, Gesch. des Rabbinats in Schneidemühl, Bresl. 1894, fehlt. Trotz eigener schwerer Leiden im nordischen Kriege, die Brann beschreibt (S. 24 f.), unterstützte man die durch Pest und Brand dezimierte Kalischer Schwestergemeinde 1708/9 (Pos. Sef. hasichr. II 76a [80a]), ebenso geschah es 1793 gegenüber dem abgebrannten Rogasen (Schneidern. Gemeindeb. S. 182b). IJm 1757—63 betrug die kgl. Kopfsteuer bei etwa 325 Seelen durchschnittlich etwas über 890 poln. Gulden jährl. (Lewin, Neue Mater, z. Gesch. der Vierländersyn., Frankf. a. M. 1916, III 26 Anm. 126). Es mußten zu polnischer Zeit 10% des Kaufgeldes seitens des jüd. Käufers eines Hauses an den Grundherrn entrichtet werden. Nach der preußischen Okkupation von 1772 kam es darob zwischen Gemeinde und Grundherrschaft zum Prozeß. Man einigte sich auf eine jährliche Abfindung. Nunmehr erhob die Gemeinde 2% Hauskaufsteuer (תשר ר' עקיבא אייגר מד,דודא תנינא, Wien 1889, Nr. 87). lieber andere Arten von Steuern gibt das im Gesamtarchiv d. deutschen J.-Berlin liegende Gemeindebuch Bl. 2 f. Auskunft. Für den ,,Consens“, die Anstellung eines Rabbiners, mußte 1766 ,,dem Herrn Kommissar“ die erkleckliche Summe von 150 ,,Preußen“ entrichtet werden (das. S. 61 f.), das sind anscheinend etwa 300 poln. Gulden (Zeitschr. d. hist. Ges. f. d. Pr. Pos. VI 46 f.). Die Synagoge wurde 1769—72 erbaut, wozu die Nachbargemeinden Schönlanke mit 18, Filehne 12, Deutsch- 1 Weder identisch mit Dr. Hamburger-Strehlitz noch mit Dr. Hamburger- Leipzig (Monatsschr. 1919, S. 41 Anm. 5, Jew. Encvcl. VI 194, Berliner, Targum Onkelos, Berlin 1884, II 198, Luncz, Litt. Palästina-Almanach II 143). 22*