Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Aus ostjüdischer Geschichte [Rezension]
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 338 (sequence 2)
- Language
- German
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338 24 Familien aus Graetz, andere in Dorf oder Schloß Carolath, auf den Borawischen Gütern und in Bamstwitz, beides im Kreise Namslatu In Auras weilten 1657 Juden, die gleichfalls vermutlich großpolnische Flüchtlinge waren1. Ist das von Herzog Ludwig für Liegnitz am 10. August 1655 erlassene Reskript, das den Freihandel ohne Rück־ sicht auf Konfession, Stand und Beruf gestattete2, hiermit in Verbindung zu bringen? Zweifelhaft ist auch, ob die Krotoschiner Juden, die 1657 Branntweinpächter für das ganze Fürstentum Wohlau waren3, hierher gehören. In einem Privilegium der Medziborer (Neu- Mittelwalde) Juden von Herzog Sylvius d. d. Oels 14. April 16574 wird den Exulanten auch dort Zuflucht und die Möglichkeit zu ,,Handel, Wandel und Krämerei“ gewährt. ,,Auch im Festenbergsehen haben Juden sicher Aufnahme gefunden.“ Schon Zivier5׳ machte darauf aufmerksam, daß der größte Teil der oberschlesischen Siedelungen aus jener Zeit stamme. Die schlesische Kammer stellte 1656 fest, daß in Oberschlesien an 100 Branntweinurbare in den Händen von Juden waren6, und 1657 wird für Beuthen (Oberschlesien) und den Umkreis ,,auf eine größere Anzahl ansässiger Juden geschlossen“7. Vom November-Dezember 1656 sind drei Exulanten in Beuthen bekannt, von denen einer aus Elkusch (Olkusz) und einer aus Krakau war8. Valten Löbels Judeus von der Prausnitz wird am 23. Juni 1659 genannt9. Einen leisen Widerhall aus jener Leidenszeit enthält das Militscher Seelengedächtnisbuch, das der damaligen Märtyrer und der Krotoschiner Rabbiner gedenkt10. Heppner ־ Herzberg, Aus Vergangenheit und Gegenwart der Juden und der jüdischen Gemeinden in den Posener Landen, Breslau 1927, ist bis zum 24. Hefte gediehen und umfaßt die Gemeinden Schmiegel, Schneidemühl, Schönlanke, Schokken, Schrimm, Schroda und Schubin. Das Heft enthält eine Fülle historischer Nachrichten und setzt das nunmehr beinahe 1000 Seiten umfassende Werk fort, das in seiner Art einzig in der jüdischen Literatur dasteht und eine Uebersicht über die gesamte jüdische Geschichte eines 1 Histor. Monatsbll. f. d. Pr. Posen, Posen 1904, V 36 f., Notiz aus dem Nachlasse Prof. M. Branns, Menorah, Wien 1926, IV 271. 2 Jüd. Familien-Forschung־, Berlin 1926, II 144. 3 Brann in Jubelschr. z. 70. Geburtst. des Prof. Dr. H. Graetz, BresL 1887, S. 220. Zu den גולים בק״ק קראטשין vgl. Jahrbuch d. jüd.-lit. Gesellsch., Frankf. a. M. 1909, VI 158. Die Pächter hießen Samuel Magnus und Josef Abraham (Hanke, Topogr. Chronik d. Stadt Winzig S. 133 nach e. Exzerpt im Nachlasse Branns). . 4 Abschrift besaß Hauptlehrer und Kantor Franzkowski, Verf. d. Gesch. d. freien Standesherrsch., der Stadt und des landrätl. Kreises Groß-Wartenberg, Groß-Wartenberg 1912 (Briefl. Mitteil, desselben an mich d. d. Gr.־ ץVartenb. 5. 4. 1911). Das Buch bringt S. 511 näheres über Wartenberg,. Medzibor und Festenberg. 5 Zur Rassen- und Ostjudenfrage, Posen 1916, S. 35. 6 d.’ Elvert, Zur Gesch. d. J. in Mähren und Oesterr.-Schlesien, Brünn 1895 S 123. 7 Kopfstein, Gesch. d. Syn.-Gem. Beuthen O.-S., Beuthen O.-S. 1891. S. 7. 8 RGA צמח צדק, Amst. 1669, Nr. 106. 9 Bresl. Stadtarch. Signat. B. a. 1659 f. 67 a, Copie Dr. Josef Landsbergers. "10 Handschrift Nr. 114 meiner Sammlung, wo statt תת״נו zu lesen ist תט״ז.